26-Jähriger wegen schwerer Körperverletzung und räuberischer Erpressung vor Gericht
Ohne Vorwarnung zugeschlagen

Hiddenhausen/Bielefeld (WB). Räuberische Erpressung und schwere Körperverletzung – so lautet der Vorwurf, für den sich ein 26-jähriger Hiddenhauser vor Gericht verantworten muss. Und weil es vielleicht sogar um besonders schwere räuberische Erpressung geht, hatte das Amtsgericht Herford den Fall an das Landgericht Bielefeld verwiesen. Hier begann gestern der Prozess gegen den 26-Jährigen mit den Aussagen der drei Opfer, nachdem der Angeklagte erst einmal gar nichts sagen wollte. Zahlreiche Erinnerungslücken und Widersprüche der Zeugen bedeuteten für die Prozessbeteiligten dann eine Herausforderung und viele Nachfragen.

Mittwoch, 30.05.2018, 12:00 Uhr
Zahlreiche Akten: Im Prozess gegen einen 26-jährigen Hiddenhauser sind etliche Zeugenaussagen zu berücksichtigen.

Jugendlichen gedroht

Zur Anklage: Der 26-Jährige soll am 20. Dezember 2014 mit zwei weiteren Männern die beiden Jugendlichen A. und W., damals 16 Jahre alt und Bewohner einer Wohngruppe der Jugendhilfe, zum Bahnhof in Schweicheln gelockt haben. Dort sollen die drei Männer beide Jugendliche verprügelt haben. Außerdem sollen sie gedroht haben, den Jungen mit einem Beil die Finger abzuhacken, wenn sie den Eltern oder der Polizei den Vorfall melden würden. Anschließend sollen sie mit ihnen nach Herford gefahren sein, wo W. einen anderen Kumpel, den damals 15-jährigen Ö., zum Schulhof des Ravensberger Gymnasiums bestellen sollte. Der war nach eigener Aussage auch dort hingekommen und hatte ebenfalls Prügel kassiert. Am nächsten Tag soll er A. und W. noch einmal zu einem Treffen zitiert haben. Bei dieser Gelegenheit soll er mit einem Messer in der Hand A. sein neues Handy abgenommen haben.

Erinnerungslücken

Die Aussagen waren sehr unterschiedlich. A. berichtete davon, dass er zu den Treffen nur seinen Freund begleitet und von den Tätern niemanden ge- und erkannt habe. Mit Blick auf den Angeklagte sagte er, dass er ihn nicht kenne. Gegenüber der Polizei hatte er 2014 noch Angaben zum Täter, zu Fahrzeug und Kennzeichen machen können. Und ob am zweiten Tattag ein Messer im Spiel gewesen sei, daran konnte er sich auch nicht mehr genau erinnern. W. hingegen zeigte bei der Frage nach dem Haupttäter auf den Angeklagten.

Alle drei Opfer können sich den Grund für die Übergriffe ohne jede Vorwarnung kaum erklären. Lediglich W. hat eine Vermutung. Es gehe wohl um Z., den Bruder des 26-Jährigen. Man habe schon mal gemeinsam Drogen konsumiert. »Er hat zu mir gesagt ›Rauch nie wieder mit meinem Bruder‹«, berichtete W., der nach eigener Aussage bereits mit sieben Jahren erste Erfahrungen mit Drogen gemacht hat. Alle drei Opfer hätten sich »aus Angst« nicht bei der Polizei gemeldet. »Ich hatte kein Interesse an Strafverfolgung. Ich wusste nicht, was dann passiert«, hatte A. bei der Polizei ausgesagt. Ihre Betreuer hatten A. und W. überzeugt, Anzeige zu erstatten.

Der Prozess wird am Mittwoch, 13. Juni, um 9 Uhr fortgesetzt.

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