Di., 28.08.2018

Gemeinde informiert über die Flüchtlings-Situation in Hiddenhausen »Hier sind wir in Sicherheit«

»Wir haben einen engen Draht zu den Menschen«, sagten Jörg Luttmann und Shpetim Kaludra (hinten von links). Hier besuchen sie das Ehepaar Remas Dayah und Firas Kouya und Ahmad Daya (links) in ihrem Haus in der Loitzer Straße.

»Wir haben einen engen Draht zu den Menschen«, sagten Jörg Luttmann und Shpetim Kaludra (hinten von links). Hier besuchen sie das Ehepaar Remas Dayah und Firas Kouya und Ahmad Daya (links) in ihrem Haus in der Loitzer Straße. Foto: Koteras-Pietsch

Von Karin Koteras-Pietsch

Hiddenhausen (WB). Mehr als 300 Flüchtlinge leben aktuell in Hiddenhausen. In den meisten Fällen, so sagen Ordnungsamtsleiter Jörg Luttmann und Flüchtlingsberater Shpetim Kaludra, gebe es keine Probleme. »Wir haben einen engen Draht zu den Menschen.«

Als ein Beispiel für »gelungene Integration« stellen Luttmann und Sozialarbeiter Kaludra die syrische Familie Dayah/Kouja vor. Vor gut drei Jahren sind Firas Kouja (41) und seine Frau Remaz Deyah (33) mit ihren vier Kindern und dem Bruder der Ehefrau, Ahmad Daya (24), nach Deutschland gekommen. Eine Flüchtlingsunterkunft in Lippinghausen war anfangs ihr Zuhause, seit eineinhalb Jahren leben sie in der Loitzer Straße in einem Neubau, den die Gemeinde von der Bau und Siedlungsgesellschaft angemietet hat.

Eine ganz »normale« Nachbarschaft

»Wir haben keinen ganz engen Kontakt zu den Nachbarn, eben eine normale Nachbarschaft. Wir grüßen uns mit den Menschen, wir haben auch schon mal gekocht und ihnen Essen gebracht, damit sie uns besser kennen lernen«, erzählt Familienvater Firas Kouja, der wie der Rest der Familie als Flüchtling anerkannt ist. Und während er schon eine Arbeit gefunden hat, sind seine Frau und sein Schwager noch auf der Suche. Remaz Dayah lernt derweil die deutsche Sprache und kümmert sich um die vier Kinder. Der Jüngste, Mohamad, besucht eine Kita, die drei älteren Mädchen gehen zur Schule. »Ich möchte demnächst gern in einer Kita arbeiten«, plant die Mutter. An eine Rückkehr nach Syrien denkt die Familie derzeit nicht. »Wir sind hier in Sicherheit. Wir fühlen uns wohl hier.«

Ganz so harmonisch wie in der Loitzer Straße, sagt Kaludra, laufe es aber nicht immer. Eine der größten Baustellen sei, dass einige Menschen, zum Beispiel Akademiker, hier nicht ihrem erlernten Beruf arbeiten könnten. »In Deutschland gibt es für sie meist erst einmal den Job, der mit dem Mindestlohn bezahlt wird. Und wenn die Menschen dann merken, dass der kaum über dem Harz-IV-Satz liegt, dann fragen sie sich, ob sich das Arbeiten lohnt«, meint Kaludra. Aber die Mitarbeiter der Gemeinde seien ständig bemüht, den Menschen zu vermitteln, dass das Sitzen auf dem Sofa nicht weiterhelfe und dass das Leben Struktur brauche.

Gemeinde hält 323 Betten für Flüchtlinge bereit

In diesem Jahr sind der Gemeine bis heute 28 neue Asylbewerber zugewiesen worden. Darüber hinaus rechnet die Gemeinde für 2018 mit einem Familiennachzug von 54 Menschen. Insgesamt gab es bei Asylverfahren 73 Ablehnungen, in 43 Fällen davon laufen Klagen beim Verwaltungsgericht. Nach dem Prinzip »Jede Familie eine Wohnung, jeder Flüchtling ein Zimmer« gibt es in der Gemeinde derzeit 323 Betten in 17 Gemeinschaftsunterkünften, 14 angemieteten Wohnungen sowie befristet angemieteten Objekten. 185 dieser Betten sind belegt, was einer Quote von 57 Prozent entspricht.

»Bei den leer stehenden Objekten versuchen wir als Gemeinde vom Mietvertrag zurückzutreten, so dass anerkannte Flüchtlinge in den Vertrag einsteigen können«, erklärt Jörg Luttmann. Die meisten Flüchtlinge leben in Schweicheln (64), gefolgt von Oetinghausen (31), Hiddenhausen (30), Lippinghausen (25), Eilshausen (19), und Sundern (10). Die seit 2015 zugewiesenen Menschen stammen aus Syrien (148), Irak (37), Albanien (35), Kosovo/Serbien/Mazedonien (31), Afghanistan (36) und anderen Ländern (99). Zwölf Flüchtlinge absolvieren eine Ausbildung, 25 sind in Arbeit. 56 Personen sind inzwischen freiwillig ausgereist.

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