Fr., 07.12.2018

Gewinn eingelöst: Michael Helm liest für Klasse 10 Grille Bewegende Interviews

Die Klasse 10 Grille der Gesamtschule hatte beim Sommerleseclub eine Lesung mit Michael Helm gewonnen. Der Rezitator las ihnen aus dem Buch »Wir freuen uns und wir weinen« vor, das zur Wiedereröffnung der Herforder Synagoge erschienen ist.

Die Klasse 10 Grille der Gesamtschule hatte beim Sommerleseclub eine Lesung mit Michael Helm gewonnen. Der Rezitator las ihnen aus dem Buch »Wir freuen uns und wir weinen« vor, das zur Wiedereröffnung der Herforder Synagoge erschienen ist. Foto: Ruth Matthes

Von Ruth Matthes

Hiddenhausen (WB). Für die heutigen Jugendlichen ist die Zeit des Nationalsozialismus weit weg. Immer weniger Zeitzeugen können ihnen berichten. »Umso wichtiger ist es, ihnen die Erfahrungen der Menschen jener Zeit nahezubringen«, ist Rezitator Michael Helm überzeugt. So nutzte er am Donnerstag seinen Besuch in der Olof-Palme-Gesamtschule dazu.

Die Klasse 10 Grille hatte beim Sommerleseclub eine Lesung mit ihm als Preis gewonnen. Mitgebracht hatte er den Jugendlichen das Buch »Wir freuen uns und wir weinen«, das 2010 zur Einweihung der neuen Synagoge an der Herforder Komturstraße erschienen ist. Darin blicken Herfords Archivar Christoph Laue und die Fotografen Sven Nieder und Jürgen Escher auf die Zerstörung der alten Synagoge im November 1938 zurück und dokumentieren den Neubau. Michael Helm selbst hat das Buch um Interviews mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Detmold-Herford bereichert, die aus ihrer ganz persönlichen Sicht das Leben eines Juden in Deutschland damals und heute schildern.

Von den Nazis abgeholt

In der Kleinkunstbühne hätte man eine Stecknadel fallen hören können, als Helm nach einigen erklärenden Worten die Erinnerungen von Wolfgang Heinemann vorlas. Heinemann hatte die Pogromnacht als 15-jähriger Schüler erlebt. Er schilderte Helm, wie er er von den Nazis zu Hause abgeholt und mit Vater und Bruder in den Zellentrakt gebracht wurde, wie er schließlich nach Theresienstadt deportiert wurde. »Er war von dem Erlebten so bewegt, dass ihm immer wieder die Stimme versagte«, erinnerte sich Helm. »Man kann das gar nicht alles erzählen«, habe Heinemann gesagt. Und zum Schluss: »Wir haben keine Rachegedanken. Wir möchten nur nicht, dass das Geschehene in Vergessenheit gerät.«

Dazu wollte auch Helm mit seiner Lesung beitragen, wie er den Schülern im anschließenden Gespräch erklärte. Zuvor hatte er ihnen noch das Interview mit einem Musiker vorgetragen, der 1993 mit seiner Geige und einem Koffer aus Moldawien nach Deutschland kam. Gennadi Mouller, der sich als Deutscher jüdischen Glaubens versteht, berichtet vom Leben in der Sowjetunion, wo sich seine Familie nie heimisch gefühlt habe, und den harten Anfängen in Deutschland. Heute könne er sagen, er sei wirklich angekommen.

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