Kinderbuchautorin Andrea Karimé liest in der OPG aus »Tee mit Onkel Mustafa«
»Gute Bücher öffnen im Kopf eine Tür«

Hiddenhausen (WB). Als Andrea Karimé (55) sieben Jahre alt war, reiste sie erstmals in die Heimat ihres Vaters. Von der Mischung aus Faszination und Befremden, die sie dort packte, erzählt sie in ihrem Buch »Tee mit Onkel Mustafa«. Am Mittwoch stellte sie zwei fünften Klassen der Gesamtschule diese Geschichte voller Humor, Ernst und Fantasie vor.

Donnerstag, 10.01.2019, 06:50 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 09:06 Uhr
Wenn Andrea Karimé von Onkel Mustafa erzählt, wird der Mann mit dem Wolkenhaar und dem Baumhaus lebendig. Die preisgekrönte Kinderbuchautorin stellte gestern zwei fünften Klassen der OPG ihr Buch »Tee mit Onkel Mustafa« vor. Foto: Ruth Matthes
Wenn Andrea Karimé von Onkel Mustafa erzählt, wird der Mann mit dem Wolkenhaar und dem Baumhaus lebendig. Die preisgekrönte Kinderbuchautorin stellte gestern zwei fünften Klassen der OPG ihr Buch »Tee mit Onkel Mustafa« vor. Foto: Ruth Matthes

Auf Einladung der Gemeindebücherei war die Kinderbuchautorin nach Hiddenhausen gekommen. In Windeseile hatte sie die Kinder der 5 atlantis für sich gewonnen. Karimé sprach das Wort »Hallo« in verschiedenen Sprachen und fragte, wer es verstehen könne. So hatte sie schnell herausgefunden, dass sie nicht die Einzige im Raum war, die sich in zwei Kulturen auskennt.

Arabisch-Assistentin

Auch ein Mädchen, das – wie sie einst – in den Ferien mit der Familie in den Libanon reist, saß in der Runde: Roukaya. Sie wurde von Karimé zur Arabisch-Assistentin gekürt. Die Autorin erzählte von ihrem ersten Tee mit Onkel Mustafa, der ihr erlaubte, so viel Zucker in den Tee zu löffeln, wie sie wollte. Beim vierten ruft der Vater »challas!« (Schluss). Die Schüler sollten raten, was »challas« heißt – ob es richtig war, sagte Roukaya ihnen.

Zunächst stellte Karimé den Kindern Mina vor, die ihre Familie im Libanon besucht, und deren Onkel, Schafhirt Mustafa, den sie dort kennen und gleich lieben lernt. Er hat Wuschelhaare, Katzenbabys und ein Baumhaus – und er erzählt viele fantastische und lustige Geschichten. Wie er den Mond vorm Ertrinken rettete, wollten die Kinder natürlich unbedingt wissen. Und Karimé erzählte es ihnen in ihrer bildhaften Sprache und mit viel Temperament. Doch auch ernstere Töne schlug sie an. Denn als Mina im Libanon ist, bricht der Krieg aus. Ihre Familie nimmt den kauzigen Onkel mit nach Deutschland. »Wie er sich dort zurechtfindet, könnt ihr in der Bücherei nachlesen«, empfahl sie ihren Zuhörern.

Starke Charaktere

Immer wieder band die in Köln lebende Autorin die Jungen und Mädchen mit ein, fragte sie, wie die Geschichte weitergehe oder was sie dazu dachten. So entstand eine lebendige Mischung aus Gespräch, Erzählung und Lesung. Es war nicht zu übersehen, dass da jemand in Aktion war, der seit Jahrzehnten mit Kindern arbeitet – zunächst als Grundschullehrerin, danach bei Geschichtenwerkstätten, bei Lesungen und beim Erzähltheater.

»Die ersten Geschichten habe ich für meine Schüler geschrieben«, erzählt sie im Vorgespräch. »Kinder lieben Geschichten, damit kann man sie hervorragend erreichen«, ist ihre Erfahrung. Von pädagogischem Zeigefinger und Mitleidsprosa zu Flüchtlingsthemen hält die Autorin nichts. Karimé: »Eine gute Kindergeschichte muss starke Charaktere haben, braucht Poesie, muss berühren, regt die Fantasie an und darf ruhig irritieren, damit sie eine Tür im Kopf der Kinder öffnet.«

Lebenslauf

Andrea Karimé, geboren 1963, ist in Kassel als Tochter einer Deutschen und eines Libanesen aufgewachsen. Sie studierte in Kassel Kunst- und Musikerziehung und arbeitete zwölf Jahre in Leverkusen als Grundschullehrerin. Danach machte sie sich als freie Autorin selbstständig. Außerdem absolvierte eine Ausbildung zur Geschichtenerzählerin.

Andrea Karimé lebt in Köln. Sie war 2009 Gründungsmitglied der Autorenvereinigung AURA 09 Köln und hat seit 2012 einen Lehrauftrag an der FH Düsseldorf für Kinderliteratur/Ästhetische Praxis.

Auszeichnungen

Das erste Buch, das Karimé für ihre Schüler geschrieben hat, »Nuri und der Geschichtenteppich«, wurde gleich als Leseempfehlung in die Kollektion des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises aufgenommen. Für »Tee mit Onkel Mustafa« (Picus Verlag 2011) erhielt sie 2012 den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis.

Im November 2018 nahm sie für »King kommt noch« gemeinsam mit Illustrator Jens Rassmus den NRW-Kinderbuchpreis entgegen. Das Buch handelt von einem Jungen, der auf der Flucht seinen Hund zurücklassen muss.

 

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