Sa., 16.03.2019

Brigitte Küchen in Hiddenhausen blickt nach turbulenten Jahren optimistisch in die Zukunft – mit Video Mit Individualität punkten

Der Firmensitz von Brigitte Küchen in Hiddenhausen.

Der Firmensitz von Brigitte Küchen in Hiddenhausen. Foto: Moritz Winde

Von Bernhard Hertlein

Hiddenhausen (WB). Die Insolvenz von Alno im Juli 2017 war die größte Herausforderung in der jüngeren Geschichte der deutschen Küchenindustrie. Von den Einkaufsverbänden des Möbelhandels gedrängt haben einige Produzenten ihre Kapazitäten in kurzer Zeit hochgefahren. Dazu gehört auch das Familienunternehmen Brigitte Küchen aus Hiddenhausen.

Andre Schieritz leitet das Hochregallager. Foto: Winde

Der damalige Geschäftsführer Klaus Windhövel sah darin die Chance, das Unternehmen nachhaltig nach vorne zu bringen. Schließlich befand sich das zu Alno gehörende Wellmann-Werk in unmittelbarer Nähe zu Brigitte Küchen. Windhövel war dort selbst bis 2007 Geschäftsführer.

Was er nicht oder zu wenig bedacht hatte: Brigitte Küchen war auf ein plötzliches Wachstum nicht vorbereitet. Die Umstellung auf ein neues, branchenübliches Rastermaß war noch in Gang, die Einführung eines neuen SAP-Systems nicht weit genug vorangebracht. Trotzdem lief zuvor alles reibungslos, weil jeder Mitarbeiter auch so wusste, was zu tun war.

Doch auf die große Ausweitung der Produktion, die Integration von 150 ehemaligen Wellmann-Beschäftigten – ein Plus von 56 Prozent – sowie die Ausdehnung vom Ein- auf einen Zwei-Schichtbetrieb war das Unternehmen nicht vorbereitet.

»Es herrschte Chaos«

Blick in die Produktionshalle. Foto: Moritz Winde

In der Beschreibung dessen, was danach folgte, lässt es die heute verantwortliche Geschäftsführung nicht an Klarheit mangeln: »Es herrschte Chaos.« Zugesagte Liefertermine konnten immer häufiger nicht eingehalten werden.

Da zog der Eigentümer Rolf Frickemeier die Reißleine. Windhövel verließ das Unternehmen offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Frickemeier übernahm im Alter von 86 Jahren selbst wieder Verantwortung und holte sich mit Stephan Gittel von der Ulmer Pluta Management GmbH einen Sanierungsprofi als Generalbevollmächtigten an die Seite.

Zunächst einmal wurde die Produktion wieder auf ein Maß zurückgefahren, das für die Unternehmensorganisation verträglich ist. Ein großer Teil der Zeitarbeitsverträge wurde nicht verlängert. Gleichwohl hat Brigitte Küchen heute noch 340 Mitarbeiter, 70 mehr als vor dem Alno-Abenteuer. Mit einer Lieferzeit von fünf Wochen seit Ende November bewegt sich das Unternehmen wieder im branchenüblichen Rahmen.

 

 

Trend geht zu dunklen Farben

2017 habe Brigitte Küchen einen Umsatz von 60 Millionen Euro erwirtschaft, 40 Millionen mehr als 2016. Auch in Zukunft solle das Unternehmen wachsen, allerdings in einem verträglichen Rahmen. Hauptziel für 2019 sei die Rückkehr in die Rentabilität.

Vor allem im Export, auf den etwa ein Drittel des Umsatzes entfällt, sieht Gittel mittelfristig gute Chancen. Im Inland setzt Marketing- und Produktleiterin Ulrike Wessel darauf, durch Individualität zu punkten. Die moderne Produktion sei in der Lage, auf Kundenwünsche flexibel einzugehen. Was die Dekors betreffe, gehe der Trend zu dunkleren Farben. Besonders Schwarz sei gefragt.

Nach der Neuaufstellung steht jetzt ein Team an der Spitze von Brigitte Küchen. Neben Frickemeier selbst sowie Gittel und Wessel gehören ihm Vertriebschef Jens Uhe, der technische Leiter Andreas Maske und Finanzchefin Silvia Frömelt an. Rolf Frickemeier vertritt die dritte Generation des Familienunternehmens.

Nach der Neuaufstellung steht jetzt ein Team an der Spitze von Brigitte Küchen. Neben Rolf Frickemeier sowie Stephan Gittel und Ulrike Wessel gehören ihm Vertriebschef Jens Uhe, der technische Leiter Andreas Maske und Finanzchefin Silvia Frömelt an. Foto: Moritz Winde

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