Mo., 03.06.2019

Deutsch-Libanese in Falle gelockt? – Freunde und Angehörige legen Blumen nieder Bluttat an Bäckerei: Verdächtiger in Haft

Freunde und Familienangehörige des getöteten Deutsch-Libanesen haben Blumensträuße, Herzen und Briefe an der Stelle abgelegt, an der der 31-Jährige am späten Donnerstagabend verstorben ist. Immer wieder finden sich dort Trauernde ein – wie hier ein enger Freund.

Freunde und Familienangehörige des getöteten Deutsch-Libanesen haben Blumensträuße, Herzen und Briefe an der Stelle abgelegt, an der der 31-Jährige am späten Donnerstagabend verstorben ist. Immer wieder finden sich dort Trauernde ein – wie hier ein enger Freund. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Hiddenhausen (WB). Blumensträuße, Herzen aus Holz und rote Kerzen stehen auf dem Parkplatz des Backhauses Hensel in Eilshausen – genau an der Stelle, an der am Donnerstagabend der Deutsch-Libanese Raschad A. (31) starb.

Inzwischen sitzt der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Ein 30-Jähriger aus Herford – die Polizei spricht von einem Türken, Bekannte bezeichnen ihn als jesidischen Kurden – hat sich der Polizei gestellt. Ein Richter erließ am Samstag Haftbefehl wegen Mordes.

Ein guter Freund des Verstorbenen aus Vlotho, der mit seiner Frau am Sonntag Blumen auf dem Parkplatz des Backhauses ablegt, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: »Er war ein Zwei-Meter-Mann. Einer alleine kann ihn nicht überfallen haben, es müssen mehrere gewesen sein.«

Es kann aber auch anders gewesen sein, denn das Opfer soll von dem Angriff überrascht worden sein. Nach Angaben von Hinterbliebenen wurde Raschad A. von mehreren Messerstichen in den Rücken getroffen.

Tatverdächtiger mit Nasenbeinbruch

Die Vorgeschichte könnte ein Streit sein, der vor einer Woche eskaliert sein soll. Raschad A. und der Tatverdächtige sollen sich geschlagen haben. Der jetzt Tatverdächtige soll einen Nasenbeinbruch davongetragen haben. »Er soll von Rache gesprochen haben«, sagt ein Bruder des Mordopfers.

Am Donnerstag hielt sich Raschad A. in der Wohnung in Hiddenhausen auf, in der er mit seiner deutschen Freundin lebte, nicht weit vom späteren Tatort entfernt. Ein Bruder des Opfers: »Er bekam einen Anruf und wurde gebeten, nach draußen zu kommen, um etwas zu besprechen.« Die Freundin habe ein ungutes Gefühl gehabt und dem 31-Jährigen geraten, die Polizei zu rufen. Doch Raschad A. ahnte offenbar nichts Böses.

Raschad A. (rechts) mit Rapper Al-Gear. Der Deutsch-Libanese war auf dem Konzert in Osnabrück als Sicherheitsmitarbeiter tätig.

Ein Muslim habe Raschad A. später lebensgefährlich verletzt auf dem Bürgersteig gefunden, sagt ein jüngerer Bruder. »Er hat versucht, erste Hilfe zu leisten und Verse aus dem Koran zitiert. Er hat mir erzählt, dass währenddessen viele Autofahrer einfach vorbeigefahren sind.« Als der Notarzt ankam, war der 31-Jährige tot.

Beisetzung am Mittwoch

Ob der Anrufer, der Raschad A. nach draußen lockte und der nicht der Mörder gewesen sein soll, auch am Tatort war, ist offenbar noch nicht geklärt. Die Polizei soll aber bereits den Namen des mutmaßlichen Anrufers kennen.

In Tatortnähe erinnern weiße Kreise an die Arbeit der Spurensicherung. Der Vlothoer sagt, sein Freund sei ein fröhlicher Mensch gewesen und habe immer ein Lächeln im Gesicht gehabt. Er soll zu seinen engsten Freunden immer »Habibi« gesagt haben. »Das heißt so viel wie ›mein Schatz‹«, sagt der trauernde Freund. Der getötete Deutsch-Libanese hatte früher die Hauptschule in Bünde besucht. »Später ging er immer arbeiten – zuletzt in der Küchenmöbelindustrie«, erzählt der Freund weiter.

An dieser Stelle verstarb Raschad A. Foto: Ruth Matthes

Nach der Obduktion ist der Leichnam per Flugzeug auf dem Weg in den Libanon. Die Eltern des Opfers sind bereits dort, seine Geschwister und andere Verwandte aus aller Welt wollen nachkommen. Am Mittwoch soll der Tote, der in Bünde zur Welt kam, im libanesischen Hula beigesetzt werden, der Heimat seiner Eltern im Süden des Landes.

Nachbarn weinen mit der Familie

»Die Anteilnahme an Raschads Tod ist einfach überwältigend«, sagt der älteste Bruder (33), der am Sonntag mit vielen Trauergästen zusammen im Garten der Familie in Bünde saß. »Deutsche Nachbarn sind vorbeigekommen und haben mit uns geweint. Auch Menschen, die wir nicht kennen, kondolieren uns.«

Er sei allerdings traurig, dass nach dem Mord Gerüchte von Clankriminalität die Runde gemacht hätten, sagt der 33-Jährige. »Nur weil wir eine libanesische Familie sind? Das kann es ja wohl nicht sein!«

 

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