Lachnacht: Organisator geht in Ruhestand – Gäste hoffen auf weitere Veranstaltungen
Eine Hiddenhauser Sehenswürdigkeit

Hiddenhausen (WB). Von Berlinern, die wahnsinnig unfreundlich sind, aber es nicht so meinen, und Wienern, die zwar wahnsinnig freundlich sind, aber es eben nicht so meinen, erzählte Kabarettist Roger Stein in messerscharfer Reimtechnik am Freitagabend auf der Kleinkunstbühne der OPG. Neben ihm triumphierten außerdem noch drei weitere Comedians, die von Moderator Lutz von Rosenberg Lipinsky mit ironischem Charme angekündigt wurden.

Montag, 23.09.2019, 20:04 Uhr aktualisiert: 23.09.2019, 20:20 Uhr
Vera Deckers ist eine rheinische Frohnatur und ist zum ersten Mal in Hiddenhausen zu Gast. Foto:
Vera Deckers ist eine rheinische Frohnatur und ist zum ersten Mal in Hiddenhausen zu Gast.

»Die einzige Sehenswürdigkeit in Hiddenhausen ist laut dessen Wikipedia-Eintrag das Kleinkunst-Kulturprogramm hier. Da unser liebster Organisator Christian Grube nach 32 Jahren bei uns in den wohlverdienten Ruhestand geht, gibt es ab 2020 laut Internet dann gar keine Sehenswürdigkeit mehr im schönen Hiddenhausen«, witzelt Moderator von Rosenberg Lipinsky.

Den gebürtigen Herforder hat es nach Hamburg verschlagen – dennoch kehrt er gern zurück in seine Heimat. Er ist auch als »Deutschlands lustigster Seelsorger« bekannt und klärte das Publikum über Probleme in Deutschland auf. Da er seit Jahren die deutschen Ängste erforscht, sorgt er gern für befreiendes Lachen über diese und gibt nicht zuletzt die Politik der Lächerlichkeit preis. Dabei kommen natürlich auch seine Gäste zu Wort.

Vergänglichkeit von Jugendlieben

So bot Roger Stein, der den Anfang machte, ein mitreißendes Musik-Flegel-Entertainment zwischen Comedysongs, satirischen Anekdoten aus dem Leben und Post-Romantik. Der Schweizer hat nach seiner Zeit in Zürich zwölf Jahre in Wien und zwölf Jahre in Berlin gelebt und weiß, wovon er spricht, wenn es um die Freundlichkeit der Bürger dieser Städte geht.

Er sang von der fehlenden Zeit im Leben, von der Vergänglichkeit von Jugendlieben, von großen Dichtern und Denkern, vom Musikerproblem und von den kleinen Dingen im Leben. Er spielte mit den Reimen und begeisterte die Zuschauer unter anderem mit einer Wurst- beziehungsweise Grillversion des Erlkönigs.

Nachdem die Stimmung bereits nach einem Act am Siedepunkt war, betrat die Psychologin Vera Deckers die Bühne. »Damals wollte ich eigentlich immer ein Filmstar werden, aber leider sehe ich nicht so aus wie einer«, ruft Deckers ins Publikum.

»Gelegenheitstrinker leben länger«

Mit ihrem Helfersyndrom und ihrem Gespür für Menschen beobachtet sie ihre Umgebung und stellte fest: »Zeiten, in denen Helikoptereltern Zucker für das neue Heroin halten, erzeugen Selbstzweifel. Kann Kabarett am Puls der Zeit sein, wenn man nicht mal ’ne Pulsuhr hat?« Aber sie fand auch Beruhigendes. »Wissenschaftliche Studien belegen: Gelegenheitstrinker leben länger als Leute, die gar keinen Alkohol trinken.«

HG Butzko, der Gast in vielen Kabarettsendungen des deutschen Fernsehens und Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2014 ist, ist der »Hirnschrittmacher des deutschen Kabaretts«, wie Kritiker sagen. Denn wenn der Gelsenkirchener zu allem und jedem seine ganz spezielle Meinung äußert und dabei die großen Zusammenhänge so beleuchtet, als würden sie »umme Ecke« stattfinden, dann gelingt ihm das Kunststück, einem Publikum aus dem Herzen zu sprechen. Er traf an diesem Abend den Kern der Sache und das Zwerchfell des Publikums.

Muskelkater im Bauch

Stand-up Comedian und Cartoonistin Ingrid Wenzel aus Berlin begegnete den Gästen mit ihrem trockenen Humor. Sie ist auf Bühnen in Deutschland und den USA zuhause und moderiert in Hamburg ihre eigene Comedy-Show »Stand-up for the Ladies«. »Ich habe bereits auf Kriegsschiffen und auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet – den Unterschied macht bloß die Farbe«, so Wenzel.

Die dritte und vermutlich auch letzte Lachnacht in Hiddenhausen hinterließ wieder mal ihre Spuren. Zum letzten Mal konnte Organisator Christian Grube ein großartiges Repertoire an Künstlern bieten. Mit ein bisschen Muskelkater im Bauch vom Lachen verließen die Gäste fröhlich die Kleinkunstbühne – mit der Hoffnung, dass Hiddenhausens »einzige Sehenswürdigkeit« erhalten bleibt.

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