Blaues Kreuz Eilshausen feiert am Sonntag sein 120-jähriges Bestehen
Für ein Leben ohne Alkohol

Hiddenhausen (WB). Menschen aus der Sucht helfen und sie auf dem Weg in einen Alltag ohne Alkohol begleiten – das ist das Ziel des Ortsvereins Eilshausen des Blauen Kreuzes Deutschland. An diesem Sonntag feiert der Ortsverein sein 120-jähriges Bestehen.

Samstag, 28.09.2019, 17:00 Uhr
Traugott (links) und Vorsitzender Hermann Hägerbäumer, hier vor dem Vereinshaus an der Meierstraße in Eilshausen, engagieren sich seit vielen Jahren im Ortsverein Eilshausen des Blauen Kreuzes Deutschland. Foto: Koteras-Pietsch
Traugott (links) und Vorsitzender Hermann Hägerbäumer, hier vor dem Vereinshaus an der Meierstraße in Eilshausen, engagieren sich seit vielen Jahren im Ortsverein Eilshausen des Blauen Kreuzes Deutschland. Foto: Koteras-Pietsch

Zwei Pfarrer in der Schweiz wagen es 1877, die Menschen um völlige Abstinenz zu bitten. 27 Menschen gehen damals ein Alkohol-Enthaltsamkeits-Versprechen ein. »Alkoholsucht ist eine Krankheit, die im Körper steckt. Einfach weniger trinken, geht nicht. Wenn ein abstinenter Alkoholiker einen Schluck trinkt, ist er wieder voll drin«, sagt Hermann Hägerbäumer (75), Vorsitzender des Eilshauser Vereins.

Blau steht für Treue

Diese Erkenntnis gilt damals wie heute. 1883 erhält die Bewegung in Anlehnung an das Rote Kreuz den Namen Blaues Kreuz. »Blau wie Treue, treu bleiben, auf Alkohol verzichten«, erklärt Hägerbäumer. 1885 bringt der Schweizer Pfarrer Arnold Bovet die Bewegung nach Deutschland. 1887 tritt Oberstleutnant a.D. Curt von Knobelsdorff (48), selbst ein Betroffener, dem Blauen Kreuz bei und wird durch seine Vortragsreisen zum Wegbereiter der Arbeit in Deutschland. Inzwischen werden alle Christen, die sich engagieren möchten, gebeten, auf Alkohol zu verzichten. »Süchtigen helfen kann nur jemand, der selbst ein Vorbild ist«, sagt Traugott Hägerbäumer (80), Bruder des Vorsitzenden.

36 Mitglieder zu Beginn

1897 wird der Blaukreuz-Verein in Herford gegründet, Menschenaus Hiddenhausen holen sich hier Rat und Hilfe. Zwei Jahre später, 1899, gründen einige junge Männer des Posaunen- und Jünglingsvereins dann den Blaukreuz-Verein in Eilshausen. Friedrich Hartmann übernimmt die Leitung. 1900 findet die erste Sitzung statt. Der Verein zählt zu Beginn 36 Mitglieder, 20 von ihnen sind Betroffene. Anfangs treffen sich die Gruppen in der Brandhorster Schule an der Bünder Straße, 1907 baut der Verein in Eigenleistung sein kleines Vereinshaus in der Schulstraße, das heute ein Wohnhaus ist. »Der Zuspruch war aber so groß, dass das Haus zu klein wurde und der Verein vor 90 Jahren sein heutiges Vereinshaus an der Meierstraße 18 baute«, erzählt Hermann Hägerbäumer.

Ältester Verein Eilshausens

Das Blaue Kreuz ist der älteste Verein in Eilshausen, aktuell zählt er 108 Mitglieder. »Anfangs waren nur CVJMler dabei, Christen, die für alle da sind«, erzählen die Hägerbäumers. Jeder habe kommen können, es sei stets um das Evangelium und um Enthaltsamkeit gegangen. »Es gab zudem Kinder- und Jugendgruppen, Gesprächskreise zu biblischen Themen oder Chöre«, erzählt Traugott Hägerbäumer, der seit vielen Jahren Daten und Beiträge des Ortsvereins sammelt.

Selbsthilfegruppe

Er und sein Bruder Hermann sind seit ihrer Kindheit über ihre Eltern und Großeltern, die bereits ehrenamtlich beim Blaukreuz mitarbeiteten, beim Blauen Kreuz dabei, Mitglied sind sie seit ihrem 16. Lebensjahr. Während Traugott Ehrenamtler in Eilshausen geblieben ist, war sein Bruder Hermann, der eine sozialtherapeutische Ausbildung hat, als hauptamtlicher Mitarbeiter in Wuppertal, Bad Salzuflen und als Jugendreferent im Verein tätig.

Vor 52 Jahren begann die Selbsthilfe-Gruppenarbeit. In die Gruppe, die sich jeden Freitag um 19.30 Uhr in der Meierstraße trifft, kommen aktuell 159 Besucher, 89 von ihnen sind Suchtkranke (Alkohol, Medikamente, Drogen), 40 Angehörige. »Insgesamt«, so hat Hermann Hägerbäumer ausgerechnet, »zählen wir bei den Suchtkranken, die zu uns kommen und nicht mehr trinken, 835 Jahre Trockenheit.« Nach einem gemeinsamen Einstieg teilen sich die Teilnehmer in kleinere Gruppen auf, die sich für intensive Gespräche in einzelne Räume zurückziehen. Zudem bietet Hägerbäumer auch therapeutische Einzelgespräche an.

Jubiläumsfeier am Sonntag

Zudem gibt es den Kreis für Glaubens- und Lebensfragen, der sich einmal im Monat trifft. Die Haus-Gesprächskreise finden nach Vereinbarung statt. Suchtkranke, die im Leben weiterkommen und sich mit biblischen Themen auseinander setzen wollen, kommen hier zusammen. Die Kindergruppe trifft sich alle zwei Wochen in Kooperation mit der Stephanus-Gemeinde an der Meierstraße oder im Gemeindehaus. »Und dann machen wir natürlich noch Sachen, die jeder andere Verein auch macht: Grillen, Ausflüge oder Seminare«, sagen die Hägerbäumers.

Die Jubiläumsfeier beginnt am Sonntag um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst in der ev. Kirche Eilshausen. Nach einem Mittagessen startet um 14 Uhr die Festversammlung im Gemeindehaus.

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