Junge findet neues Zuhause bei Familie im Kreis Herford
Vom Pflegekind zum großen Bruder

Hiddenhausen (WB). Stefanie (31) legt ein Fotobuch auf den Tisch. „Das war unser erster gemeinsamer Urlaub“, sagt die junge Frau. Auf den Bildern ist ein kleiner Junge zu sehen – Noah. Damals ist er gerade drei Jahre alt. Er lacht in die Kamera, stiefelt über einen Sandstrand am Ijsselmeer, sitzt auf dem Schoß von Stefanies Ehemann Martin.

Montag, 30.12.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 30.12.2019, 07:10 Uhr
Vor vier Jahren zog Pflegekind Noah in seinem neuen Zuhause ein. Heute ist die junge Familie zu viert. Foto:
Vor vier Jahren zog Pflegekind Noah in seinem neuen Zuhause ein. Heute ist die junge Familie zu viert.

„Da ist er noch ganz schön klein“, sagt Stefanie. Vier Jahre ist das her, als die drei innerhalb von wenigen Wochen zu einer Familie wurden. Noah ist ein Pflegekind. Heute ist Noah (7), der wie alle anderen Mitglieder der Familie eigentlich anders heißt, ein aufgeweckter Grundschüler. „Wir haben uns lange ein Kind gewünscht, aber es hat nicht geklappt“, erklärt Stefanie. Daraufhin hätten sie und ihr Mann (37) sich das erste Mal mit dem Gedanken befasst, ein Pflegekind aufzunehmen. Unterstützung bei ihrem Wunsch fand das junge Ehepaar, das im Kreis Herford lebt, bei der Evangelischen Jugendhilfe Schweicheln. Stefanie und Martin wurden zu einer sogenannten Westfälischen Pflegefamilie.

Ein auf Dauer angelegtes Vollzeit-Pflegeverhältnis

„Manche Kinder können aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihrer leiblichen Familie leben“, sagt Claudia Tielker, zuständige Bereichsleiterin bei der Jugendhilfe Schweicheln. Sie seien vernachlässigt oder bereits früh in ihrem Leben seelisch verletzt worden. „Diese Kinder brauchen dann ein stabiles Umfeld und feste Bezugspersonen, die sie weiter begleiten“, erklärt Tielker. Die Westfälischen Pflegefamilien sind ein auf Dauer angelegtes Vollzeit-Pflegeverhältnis.

„Noah ist bei uns angekommen“, sagt Stefanie. „Er sagt zu uns Mama und Papa.“ Es sei zwar ein großes Abenteuer gewesen, als damals die Anfrage kam. Schließlich war das „Elternsein“ völliges Neuland. Aber als sie und Martin den Jungen das erste Mal gesehen hätten, habe der Entschluss festgestanden. Zudem sei die zuständige Familienberaterin eine große Hilfe gewesen. „Wir wussten immer, dass wir uns Unterstützung holen können.“ Zu seiner leiblichen Mutter hat Noah regelmäßige begleitete Besuchskontakte. Sie könne sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um das Kind kümmern, erklärt Stefanie.

Geschwisterchen kein Problem

Dass Noah vor zwei Jahren doch noch ein Geschwisterchen bekam, war aus Stefanies Sicht nie ein Problem. Er genieße die Rolle als älterer Bruder. „Er darf jetzt der Große sein“, sagt die gelernte Erzieherin. Für den kleinen Max gebe es sowieso keinen Unterschied. Er bestehe sogar darauf, dass er seinem großen Bruder abends „Gute Nacht“ sagen kann.

Wenn die eigene Familie um ein Mitglied wächst, dann sei es immer eine kleine emotionale Achterbahnfahrt, sagt Stefanie. Egal, ob es sich um leiblichen Nachwuchs oder ein Pflegekind handele. Beides haben sie und ihr Mann in den vergangenen Jahren erlebt. „Und wir würden es immer wieder machen“, ist sich Stefanie sicher.

Westfälische Pflegefamilien

Westfälische Pflegefamilien (WPF) können für Kinder ein neues Zuhause werden, wenn sie dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Bei diesem Prozess werden die Eltern und Kinder von professionellen Beratern unterstützt. Gesetzliche Grundlage für die WPF ist das achte Sozialgesetzbuch (SGB), § 33.

Die Evangelische Jugendhilfe Schweicheln kümmert sich dabei gemäß Satz 2 um die besonders entwicklungsbeeinträchtigten Kinder. Weitere Informationen gibt es hier.

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