Corona-Krise: Tagespflegestellen geschlossen – schon Einkaufengehen kann schwierig sein
Pflegende auf sich alleine gestellt

Hiddenhausen/Spenge (WB). Sie versucht ihr Homeoffice einzurichten – wegen der Corona-Krise. Unterbrochen wird sie immer wieder von ihrer demenzkranken Mutter. „Was machst du da?” – „Ich habe Durst!“ – „Ich muss auf die Toilette!“ Situationen wie diese spielen sich aktuell vielerorts ab. Ein entsprechender Erlass des Landes sieht die Schließung der Tagespflegestellen vorerst bis zum 19. April vor.

Samstag, 21.03.2020, 14:00 Uhr
Pflegende Angehörige, die bisher auf Tagespflege gesetzt haben, müssen die komplette Arbeit nun vorerst selber übernehmen. Foto: dpa
Pflegende Angehörige, die bisher auf Tagespflege gesetzt haben, müssen die komplette Arbeit nun vorerst selber übernehmen. Foto: dpa

„Pflegende Angehörige, die auf Tagespflege setzen, um ihrem Beruf nachzugehen oder einfach auch mal Zeit für sich brauchen, sind nun weitestgehend auf sich alleine gestellt”, sagt Christiane Schröter, Leiterin der AWO-Tagespflege in Schweicheln. Viele Betroffene bräuchten rund um die Uhr Pflege. „Da wird es schon schwierig, einfach nur mal einkaufen zu gehen”, weiß Schröter. Abgesehen davon bräuchten die Angehörigen einfach mal eine Auszeit. „Pflege ist eine enorm schwierige und durchaus belastende Aufgabe. Die Pflegenden geben gern alles für ihre Angehörigen. Es ist aber auch wichtig, auf sich selber zu achten, sich mal Ruhe, einen Kaffee oder ein Treffen mit Freunden zu gönnen”, betont die 55-Jährige.

Christiane Schröter

Christiane Schröter

Zwölf Tagespflege-Plätze hält die AWO in Hiddenhausen vor. Im Schnitt kommen die 59- bis 95-Jährigen zwischen drei- und fünfmal in der Woche. Betreut wird von 8 bis 16.30 Uhr.

Bereits in den Tagen vor dem Erlass hat Schröter mit den Angehörigen gesprochen, wie es weitergehen könne, wenn die Tagespflege geschlossen wird. Viele betreuen nun komplett zu Hause. „In einem Fall war dies aber aus beruflichen Gründen absolut nicht möglich. Wir haben alles in Bewegung gesetzt und noch einen Platz in der Kurzzeitpflege bekommen”, berichtet Schröter. Anders als bei der Tagespflege, wo die zu Betreuenden zu Hause leben, bleiben sie in der Kurzzeitpflege über einen bestimmten Zeitraum dauerhaft in der Einrichtung. Dieses Angebot läuft derzeit trotz Corona-Krise weiter.

Auch für Demenzkranke eine Umstellung

„Es ist aber nicht nur für die Pflegenden eine immense Umstellung. Auch für die Demenzkranken ändert sich der Tagesablauf enorm”, meint Dr. Matthias Kramer, Leiter des St.-Martins-Stifts in Spenge. Auch dort werden zwölf Tagespflege-Plätze angeboten. Vom gemeinsamen Essen über Spiele, Unterhaltung, Musik bis hin zu leichter Bewegung wird den Senioren Programm geboten. „Bei uns gehört das Vorlesen aus der Tageszeitung auch dazu”, sagt Christine Schröter. In den vergangenen Wochen hätten sie das aber nahezu eingestellt. „Es gibt so viele schlechte Nachrichten, die Tagesgäste machen sich Sorgen – um ihre Gesundheit, aber auch um die ihrer Liebsten oder um die wirtschaftlichen Probleme, wenn die eigene Familie eine Firma besitzt. Einige Senioren haben sogar geweint”, berichtet die AWO-Mitarbeiterin. Wenn sie nun etwas aus der Zeitung vorlese, dann nur noch die guten Nachrichten.

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