Menschen verunsichert – Physiotherapeut Jens Foerdermann setzt auf Aufklärung
„Wir sind für die Patienten da“

Hiddenhausen (WB). Jens Foerdermann führt eine Physiotherapie-Praxis in Eilshausen. Er selbst, seine Frau Anja und acht Therapeuten sind für die Patienten da. Mit Beginn der Corona-Krise kam der Einbruch. Etwa 40 Prozent weniger Behandlungen, so schätzt der Physiotherapeut.

Dienstag, 28.04.2020, 14:00 Uhr
Jens Foerdermann zeigt hier an seiner Mitarbeiterin, dass er auch Behandlung in der Nähe des Kopfes durchführt. Therapeuten und Patienten tragen immer einen Mundschutz. Foto: Koteras-Pietsch
Jens Foerdermann zeigt hier an seiner Mitarbeiterin, dass er auch Behandlung in der Nähe des Kopfes durchführt. Therapeuten und Patienten tragen immer einen Mundschutz. Foto: Koteras-Pietsch

„Den ersten Erlass Mitte März haben wir sofort gemerkt“, erinnert sich Foerdermann. „Das Telefon in der Praxis stand nicht mehr still. Die Patienten waren verunsichert, viele sagten ihre Termine ab. In einem weiteren Erlass hatte Angela Merkel davon gesprochen, dass auch Massage-Praxen geschlossen bleiben.

„Diese Ansage war die schlimmste, die Frau Merkel für uns machen konnte“, meint der Physiotherapeut. Viele Menschen hätten nicht zwischen Physiotherapie- und Massage-Praxen unterschieden. Erst in einem Nebensatz hatte Merkel erwähnt, dass Gesundheitseinrichtungen weiter geöffnet blieben. „Viele haben das nicht wahrgenommen“, meint Foerdermann.

Größtmögliche Hygiene-Maßnaßnahmen

Dabei haben er und sein Team weitergemacht. Unter den größtmöglichen Hygiene-Maßnahmen. „Wir tragen Mundschutze und desinfizieren wie verrückt“, erzählt er. Patienten wie Therapeuten müssen sich vor jeder Behandlung die Hände gründlich Waschen. Desinfektionsmittel für die Hände stehen bereit. Um sich wenig zu begegnen, betreten die Menschen die Praxis durch den vorderen Eingang und verlassen sie durch den hinteren.

Als der Einbruch kam, setzte Foerdermann auf Aufklärung. Er erläuterte allen Anrufern exakt, dass und wie eine Behandlung weiterhin möglich sei. „Wir haben auch von uns aus viele Patienten angerufen und aufgeklärt.“

Verordnung nur im Notfall

Behandelt werden dürfen die Menschen nur mit einer ärztlichen Verordnung. Foerdermann: „Das Problem ist, dass die Ärzte auch weniger Rezepte ausstellen. Nur noch im Notfall.“ Ein Krankenhaus beispielsweise stelle für Patienten mit Multiple Sklerose gar keine Rezepte mehr aus mit der Begründung, dass diese Patienten zur Risikogruppe zählten. Dabei hätten sie alle Behandlungen dringend nötig. Das gleiche gelte für die alten Menschen in den Pflegeheimen. Diese sind seit Wochen für Besucher tabu. „Ich denke hier zum Beispiel an die Schlaganfall-Patienten, die keine Behandlung bekommen dürfen“, bedauert der Physiotherapeut.

„Fatale gesundheitliche Folgen“

Fehlende Behandlungen würden für viele Menschen fatale gesundheitliche Folgen haben, ist sich Foerdermann sicher. Als weiteres Beispiel nennt der Krebspatienten, die dringend auf Lymphdrainage angewiesen sind. „Viele dieser Patienten sind aber weiterhin gekommen“, sagt Foerdermann. Es gebe auch keine Behandlung, die er und sein Team derzeit nicht anbieten würden. Und trotz des Einbruchs habe er auch noch keine Kurzarbeit anmelden müssen. Mit Urlaub und Überstunden-Abbau wird versucht, die Krise zu überstehen.

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