Auflagen kosten viel Geld und auch die Trockenheit macht Obstbauer Otte zu schaffen
Schwierige Erdbeer-Ernte in Corona-Zeiten

Hiddenhausen (WB). Leuchtend rot, süß und saftig hängen die ersten Erdbeeren der Saison an den Pflanzenreihen. Karsten Otte grüßt die Saisonarbeiter, die auf seinen Feldern die Ernte einbringen. „Das ist die gelbe Gruppe“, erklärt der Obstbauer. Alle 115 Erntekräfte, die er erst kürzlich aus Rumänien hat einfliegen lassen, seien streng aufgeteilt.

Montag, 18.05.2020, 07:04 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 08:26 Uhr
Beim Obsthoffe Otte wird ohne Chemie für Ordnung zwischen den Erdbeerreihen gesorgt. Abstandsgebote einzuhalten, ist dabei kein Problem. Foto: Daniela Dembert
Beim Obsthoffe Otte wird ohne Chemie für Ordnung zwischen den Erdbeerreihen gesorgt. Abstandsgebote einzuhalten, ist dabei kein Problem. Foto: Daniela Dembert

Sie arbeiten und wohnen zusammen in Kleingruppen und unterscheiden sich während der Arbeit auf den Feldern durch verschiedenfarbige Schirmmützen von den anderen Gruppen. „Wir nehmen das mit dem Infektionsschutz schon wirklich ernst“, betont Otte. Während der Arbeit herrsche Maskenpflicht, in den Pausen behielten Vorarbeiter die Abstandshaltung im Blick.

Um den Infektionsschutz-Richtlinien gerecht zu werden, müsse der Landwirt tief in die Tasche greifen. „Unsere Unterkünfte können wir nur zur Hälfte belegen. Wir mussten noch zusätzlich Wohnraum anmieten. Ein weiterer Bus, der die Helfer zu den Feldern fährt, war notwendig, um die Abstandsgebote einhalten zu können.“ Auch die Verköstigung müsse jetzt zentral organisiert werden.

„Billigbieterei muss aufhören“

Um auf schwarze Zahlen zu kommen, müssten diese Kosten auch auf den Handel und den Endverbraucher umgelegt werden, spricht Otte Klartext und stellt eine klare Forderung an die „mit wahnwitzigen Schnäppchen“ lockenden Discounter: „Diese ganze Billigbieterei muss aufhören, sonst können wir die heimische Agrarwirtschaft nicht halten.“

500 Gramm Erdbeeren zu 1,10 Euro, eingeflogen aus Spanien – das mache nicht nur die regionalen Anbieter sondern auch das Klima kaputt. Hier sei Solidarität gefragt, auch vom Verbraucher.

Und weil in diesem Jahr offenbar wirklich alles anders sein soll, hat auch Petrus dem Obstbauern einen Streich gespielt. „Wir müssen das, was die Natur uns sonst gratis liefert, bezahlen: das Wasser.“ Einfach viel zu trocken sei der April gewesen. Und ungewöhnlich warm.

„Die Ernte hat ganze zwei Wochen früher als sonst begonnen“, sagt Otte. Das warme Wetter habe den Pflanzen einen ordentlichen Entwicklungsschub verschafft. Klingt gut, ist aber nicht unproblematisch: „Die Blüten und erst recht die Früchte sind wesentlich empfindlicher als die Knospen, so dass die Nachtfröste im Mai den Pflanzen noch mal zugesetzt haben“, erklärt der Obstbauer.

Keine größeren Frostschäden

Es galt, die langen Pflanzenreihen auf den Feldern so gut wie möglich abzudecken. Auch das bringt Probleme: Eine kleine Windhose, die über zwei seiner elf Erdbeerfelder hinweg wirbelte, sei zwar ein tolles Naturschauspiel gewesen, aber ein Ärgernis für das Abdeckvlies, von dem Teile hoch in die Luft gerissen und an anderer Stelle wieder ausgespuckt wurden. Zum Glück seien keine größeren Frostschäden zu beklagen.

Anders als die Launen der Natur seien Hundehinterlassenschaften an den Feldern ein durchaus vermeidbares Phänomen. „Hier werden Lebensmittel produziert“, ärgert sich Karsten Otte und hat deshalb präventiv an neuralgischen Punkten Hinweisschilder aufgestellt.

Insgesamt, resümiert der Landwirt vorsichtig, hätten die Erdbeeren trotz aller Widrigkeiten einen recht ordentlichen Start. Selbstpflücker dürfen wohl schon Ende des Monats ran und sich mit Erdbeeren und Himbeeren eindecken. Bis dahin seien die regionalen Leckereien im wertorientierten Lebensmittelhandel und an den Erdbeerhäuschen in Herford, Hiddenhausen und Bünde erhältlich, wirbt Otte für seine Produkte aus der Nachbarschaft.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7413146?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514616%2F
So geht das nicht weiter!
Hier wird kein Umsatz gemacht (Symbolbild).
Nachrichten-Ticker