Projekt in Oetinghausen: CDU und SPD lehnen Vorstoß der Grünen ab
Solardächer statt Windkraftanlage

Hiddenhausen (WB). Den Vorstoß der Grünen, die Pläne für eine Windkraftanlage am Kirchweg in Oetinghausen aus dem Jahr 2013 neu zu bewerten und gegebenenfalls auch umsetzen, beantworten CDU und SPD in Hiddenhausen mit einem klaren Nein.

Dienstag, 26.05.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 10:08 Uhr
Windräder in Wohngebieten sorgen vielerorts für Proteste. Entsprechend ablehnend stehen CDU und SPD in Hiddenhausen daher einem Plan der Grünen gegenüber, über eine bereits 2013 diskutierte Anlage am Kirchweg in Oetinghausen neu nachzudenken. Foto: dpa
Windräder in Wohngebieten sorgen vielerorts für Proteste. Entsprechend ablehnend stehen CDU und SPD in Hiddenhausen daher einem Plan der Grünen gegenüber, über eine bereits 2013 diskutierte Anlage am Kirchweg in Oetinghausen neu nachzudenken. Foto: dpa

2013 habe sich der Gemeinderat auch mit dem Votum der Grünen-Fraktion gegen die Windkraftanlage ausgesprochen, erinnert Ulrich Hempelmann, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat der CDU. Dass die Grünen auf ihrer Internetseite nun der Kirchengemeinde „den schwarzen Peter zuschieben“, sei „nicht die feine Art“.

280 Meter zum ersten Wohnhaus

1000 Meter müsse laut aktuellem Landesentwicklungsplan der Abstand eines Windrades zur Wohnbebauung betragen. „An der geplanten Errichtungsstelle in Oetinghausen sind es gerade einmal 280 Meter zum ersten Wohnhaus. Das ist aus unserer Sicht unzumutbar“, formuliert Hempelmann.

Windkraftanlagen stellten außerdem erhebliche gesundheitliche Stör- und Risikofaktoren dar, das belege eine aktuelle Studie der Universität Mainz von Herzchirurg Dr. Christian-Friedrich Vahl. Für die heimische Vogelwelt seien die Rotoren zudem eine akute Lebensgefahr, so Hempelmann.

Auch die SPD sieht Windräder in Hiddenhausen nicht als Mittel der Wahl, um sauberen Strom zu erzeugen. Zwar sei der Oetinghauser Standort rechtlich zulässig, werde aber vom Großteil der Bevölkerung abgelehnt. „Dieser Auffassung sind wir auch und sprechen uns im Interesse der Anwohner gegen das Windrad an dieser Stelle aus“, sagt Gabi Arndt, Vorsitzende des Oetinghauser SPD-Ortsvereins.

Solarenergie

CDU und SPD halten als Alternative zur Windenergie die Solarenergie für die wesentlich verträglichere Variante in einer dicht besiedelten Gemeinde wie Hiddenhausen. „Das große Potential liegt auf den Hiddenhauser Dächern“, meint Andreas Hüffmann, Bürgermeister-Kandidat der Sozialdemokraten. „Nur drei Prozent der Energieverwertung in Hiddenhausen werden bisher aus alternativen Stromquellen gespeist. Da ist reichlich Luft nach oben.“

Während Hempelmann sich auch die Ausstattung von ungenutzten Brachflächen für kleine Solarparks vorstellen kann – beispielsweise an der Autobahnabfahrt der A30 – sieht Hüffmann dafür keine Notwendigkeit: „Solaranlagen auf Wohnhaus- und Firmendächern zu installieren, geht wesentlich schneller und ist unproblematischer als eine große Anlage genehmigt zu bekommen.“

So genannte Plug-in-Module seien außerdem eine gute Ergänzung, um auch auf Balkonen eigenen Strom zu produzieren und sich ein stückweit unabhängig von Großanbietern zu machen. Mit der Installation würden Eigentümer nicht nur grünen Strom produzieren sondern darüber hinaus heimische Dienstleister stärken, meint Hüffmann.

Alternativenergien

Passende Anreize für Eigentümer zu schaffen, können sich sowohl Christ- als auch Sozialdemokraten vorstellen. „Da wäre ein Programm nach dem Vorbild von ‚Jung kauft alt‘ denkbar“, regt Hüffmann an.

Um den Gedanken der Alternativenergien konsequent umzusetzen, sieht Ulrich Hempelmann stromerzeugende Anlagen vor allem auch in Industriegebieten – „halt dort, wo der Strom gebraucht wird“. Es mache aus ökologischer Sicht wenig Sinn, hunderte von Kilometern Kabel zu verlegen, um Energie aus norddeutschen Offshore-Parks in andere Regionen zu schaffen.

Eindruck von der Lärmbelästigung

Um sich einen Eindruck von der Lärmbelästigung durch ein Windrad zu machen, hat Grünen-Politiker Bernhard Weil die Kirchlengeraner Anlage besucht. „Ich halte die Geräuschkulisse wirklich für zumutbar, auch bei 24-stündigem Betrieb“, sagt er. Was den Schattenwurf angehe, so sehe er keine Wohnbebauung betroffen, gibt aber zu bedenken: „Man kann die Rotoren auch zeitweise abschalten, sollte der Schatten wirklich ungünstig fallen und Anwohner beeinträchtigen.“

In Deutschland würden zur Erreichung der international vereinbarten Klimaschutzziele bis 2030 circa 12.500 neue Windräder an Land gebraucht, das sage die Agora-Energiewende. Das wäre ein Windrad pro 25 Quadratkilometer – und damit auch eines in Hiddenhausen, so Weil.

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