Verlustrückträge, Stundungsanträge, Ratenanpassung – Steuertipps in Coronatagen
Betriebe können auch Zuschüsse zahlen

Herford/Hiddenhausen (HK). Bis zum 30. September haben Soforthilfe-Bezieher noch Zeit, um auf die von Finanzämtern angeforderten Abrechnungen zu reagieren. Im schlimmsten Fall droht ihnen eine teilweise oder vollständige Rückerstattung jener Summe, mit der eigentlich ihre Existenz gerettet werden sollte.

Samstag, 15.08.2020, 05:10 Uhr
Niemand muss warten, bis das Wirtschaftsministerium entschieden hat, zu welchen Bedingungen man Soforthilfe beziehen durfte. Steuerberater Helmut Roeder gibt Tipps, welche Anträge schon jetzt gestellt werden können. Foto: Stephan Rechlin
Niemand muss warten, bis das Wirtschaftsministerium entschieden hat, zu welchen Bedingungen man Soforthilfe beziehen durfte. Steuerberater Helmut Roeder gibt Tipps, welche Anträge schon jetzt gestellt werden können. Foto: Stephan Rechlin

Wegen massiver Proteste aus Handwerk, Gastronomie und Industrie prüft das NRW-Wirtschaftsministerium derzeit die Voraussetzungen, unter denen die Hilfe auf dem Höhepunkt des Lockdowns ausgezahlt wurde. Dabei geht es vor allem um die Frage, inwieweit Personalkosten bei der Berechnung der Betriebsausgaben einbezogen werden dürfen. Doch niemand muss das Ende der Prüfungen im Ministerium zitternd abwarten. Der Herforder Steuerberater Helmut Roeder zeigt auf Nachfrage weitere Möglichkeiten auf, wie die Umsatzeinbrüche der Corona-Einbrüche schon jetzt abgefedert werden können.

Zum Beispiel durch einen Verlustrücktrag. Roeder: „Der Steuerpflichtige muss dem Finanzamt die Höhe seines Einnahmeausfalles in diesem Jahr darlegen.“ Auf schriftlichen oder elektronischen Antrag hin könne dieser Verlust dann auf den steuerpflichtigen Gewinn des Jahres 2019 angerechnet werden. Roeder: „Dadurch entfällt oder verringert sich eine Einkommens- oder Körperschaftssteuer-Nachzahlung für 2019.“

Möglich, aber riskant

Ebenfalls möglich, aber riskanter sei ein Antrag auf eine Anpassung oder Erstattung der Einkommens-, Körperschafts- und Gewerbesteuervorauszahlungen für die Jahre 2020 und 2019 und der Umsatzsteuer-Sondervorauszahlung für 2020. Das sorge zwar erst einmal für eine Entlastung. Allerdings bedeute „Anpassung“ keinen Verzicht auf die Steuerzahlungen. Roeder: „Der Gastwirt, Friseur, Handwerker oder Metallverarbeiter setzt sich damit der Gefahr aus, die Schlusszahlungen später aufgrund fehlender Vorauszahlungen nicht mehr stemmen zu können.“

Solch ein Risiko würden auch Anträge auf Steuerstundungen bergen. Auf ein formloses Schreiben hin sei das Finanzamt jedoch bereit, auf Säumniszuschläge zu verzichten, die zwischen dem 19. März und 31. Dezember wegen verspäteter Steuerzahlungen oder Einreichung der Steuererklärung anfallen würden. Erst einmal entlastend wirke auch ein Vollstreckungsaufschub für Steuern, die in diesem Jahr zu zahlen wären.

Höherer Steuersatz

Den laut Arbeitsagentur 47.156 Menschen, die im Kreis Herford seit April Kurzarbeitergeld beziehen, rät Roeder, etwas Geld für die nächste Steuererklärung beiseite zu legen. Grund sei ein möglicherweise höherer Steuersatz, dem ihr verbliebener Netto-Lohn unterworfen werde. Roeder: „Damit gleicht der Staat den Vorteil jener Menschen, die steuerfreies Kurzarbeitergeld bekommen, gegenüber anderen Menschen aus, die nichts weiter bekommen.“ Ob tatsächlich etwas nachgezahlt werden müsse, hänge unter anderem vom jeweiligen Ausmaß der Kurzarbeit ab und vom zusätzlichen Verdienst des Ehepartners.

Übrigens kann ein Arbeitgeber, der sich für Last, Unsicherheit und Einkommenseinbußen seiner Mitarbeiter bedanken möchte, ihnen bis zum 31. Dezember einen steuerfreien, 1500 Euro hohen Corona-Zuschuss gewähren. Darüber hinaus kann er außergewöhnliche Leistungen für die Betreuung von Kleinkindern (unter 14 Jahren) und Pflegebedürftigen mit maximal 600 Euro im Jahr erstatten.

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