Hochseilartist Alexi Kuby erzählt im Hiddenhauser Café Miteinander aus seinem Leben
Ohne Netz und doppelten Boden

Hiddenhausen (WB). Wie kommt man eigentlich dazu, Hochseilartist zu werden? Dies war wohl mit Abstand die am häufigsten gestellte Frage, die Hans-Werner Kubica alias Alexi Kuby in seinem Leben beantworten musste – bei seiner jüngsten Lesung in Hiddenhausen beantwortete er die direkt. „Viele denken, man kommt nur in den Beruf, wenn man aus einer Artistenfamilie stammt. Da das bei mir nicht der Fall war und ich keine Lust mehr hatte, diese Frage zu beantworten, habe ich meine Biografie geschrieben“, scherzt der ehemalige Artist.

Montag, 28.09.2020, 16:47 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 09:22 Uhr
Yvonne Kielsmeier-Seele lud in ihr Café Miteinander zur Lesung des ehemaligen Hochseilartisten Alexi Kuby (Mitte) ein. Neben seinen Erzählungen spielte er zusammen mit Michael Grübner (rechts) Lieder aus seiner neu erschienenen CD „Balance“. Musik war ebenfalls ein wichtiger Teil seines Lebens. Foto: Julia Günter
Yvonne Kielsmeier-Seele lud in ihr Café Miteinander zur Lesung des ehemaligen Hochseilartisten Alexi Kuby (Mitte) ein. Neben seinen Erzählungen spielte er zusammen mit Michael Grübner (rechts) Lieder aus seiner neu erschienenen CD „Balance“. Musik war ebenfalls ein wichtiger Teil seines Lebens. Foto: Julia Günter

In gemütlicher Wohnzimmer- Atmosphäre mit Knabbereien, Kaffee und Kerzenschein gewährte Kuby während seiner Lesung im Café Miteinander spannende Einblicke in seine Vergangenheit als Hochseilartist. „Das soll keine typisch versteifte Veranstaltung sein, bei der ich den Leuten irgendwas vorlese. Ich fange lieber einfach an zu erzählen, an was ich mich so erinnere und verweise dann auf die entsprechenden Passagen“, so Kuby.

Aufregendes Leben auf 196 Seiten

In seiner 2007 erschienen Biografie „Ohne Netz und doppelten Boden“ lässt Alexi Kuby in 196 Seiten sein aufregendes Leben noch einmal Revue passieren. Schon als Achtjähriger begann seine Faszination für die Höhenakrobatik. Er soll damals bei einem Auftritt von Hochseilartistin Sonja Traber, die in 60 Metern in der Nacht elegant über ein Hochseil spazierte, erstaunt mitgefiebert haben.

„Zwei Tage nach diesem magischen Moment habe ich bereits meine ersten Tricks draufgehabt“, erinnert er sich. „Ich wurde von da an von Klettergerüsten und allem, was mir die Möglichkeit von Höhe und Balance gab, angezogen. In der Pubertät brachten mir meine Tricks auf einer 20 Meter hohen Stahlbrücke die Bewunderung meiner Freunde ein. Ich war da zwar nicht nüchtern, aber stets sicher.“

Musik als Leidenschaft

Als Jugendlicher habe das Anknüpfen an diesen waghalsigen Beruf nicht geklappt und Kuby entschied sich seiner zweiten Leidenschaft nachzugehen. Bis zu seinem 30. Lebensjahr war er Teil der Musikergruppe „Teller bunte Knete“, zu der auch Wolfgang „Wölli“ Rohde (früherer Schlagzeuger der „Toten Hosen“) gehörte.

Kubys Gruppe war in den 1970ern schnell Kult in der alternativen Szene des geteilten Berlins. Nach der Bandauflösung im Jahr 1984 entschied sich Alexi Kuby, der Musik vorerst wieder den Rücken zukehren, als er durch eine eher zufällige Begegnung wieder zum Seil fand. „Ich habe einen Freund besucht, der in einer großen Fabriketage gewohnt hat und da war es plötzlich: mein Seil“, las Kuby aus einer Passage vor. Durch die Mitbewohnerin, die zufällig Artistenschülerin war, lebte die Leidenschaft für die Hochseilkunst in Kuby wieder auf und er merkte, dass er die meisten Tricks nicht verlernt hatte. „Auch als meine Freunde mich für verrückt hielten – ich fasste schnell den Entschluss von nun an damit mein Geld zu verdienen“, erzählte der Rentner.

„Mit 30 gab ich dann meinen ersten erfolgreichen Auftritt. Auf einem Stadtfest habe ich 30 Minuten auf dem Seil mit Feuer gespuckt und Gitarre gespielt, wobei die Einlage als tollpatschiger Laie am besten ankam“, erinnert sich Kuby.

Auftritte bei Wind und Wetter

Ungefähr zwei Stunden hörten die insgesamt 20 Besucher dem ehemaligen Artisten gespannt zu, während er sich an mutige Auftritte bei Wind und Wetter oder das allgemeine Artistenleben erinnerte, bei dem der Tod für Momente manchmal näher gewesen sei als das Leben.

Denn nicht jeder seiner Auftritte verlief reibungslos. „Nach einem Unfall im Jahr 2013 kehrte ich der Hochseilakrobatik dann den Rücken“, erklärte der 66-Jährige. Heute ist er als Künstler und auch wieder als Musiker tätig.

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