Plausch mit Merkel und Stippgrütze mit dem Männerkreis: Ulrich Rolfsmeyer blickt zum Abschied zurück
16 Jahre rund um die Uhr im Einsatz

Hiddenhausen (WB). „Es geht mir gut. Ich bin gesund und zuversichtlich.“ Hiddenhausens Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer strahlt zufrieden, wenn er über seine letzten Arbeitstage spricht. 16 Jahre hat er von seinem Bürgermeisterbüro in der ersten Etage des Rathauses aus gewirkt. Am 31. Oktober ist Schluss, dann wird er seinen Schreibtisch für Andreas Hüffmann frei machen.

Sonntag, 25.10.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 25.10.2020, 05:20 Uhr
Der Freund der Städtepartnerschaft: Hier empfängt Ulrich Rolfsmeyer im Mai 2016 eine Delegation aus dem schwedischen Kungälv. Foto:
Der Freund der Städtepartnerschaft: Hier empfängt Ulrich Rolfsmeyer im Mai 2016 eine Delegation aus dem schwedischen Kungälv.

Wehmut und Freude

„Ich gehe an meinen Abschied mit Wehmut und Freude ran“, meint Rolfsmeyer. Wehmut wegen dem, was er loslasse, und Freude auf das, was kommt. Bei dem, was er loslässt, fällt ihm gleich einiges ein. In 16 Jahren Bürgermeister-Dasein ist eine Menge passiert.

Glücklicherweise sei er ja 2004 kein Neuer mehr im Rathaus gewesen. Von 1973 bis 1975 absolvierte Rolfsmeyer zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse, entschied sich anschließend aber für die Verwaltung. Nach einer Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt bei der Bezirksregierung begann 1978 sein Einsatz in der und für die Gemeinde Hiddenhausen – zunächst als Gemeindein­spektor, später als Amtsleiter im Schul-, Sport- und Kulturamt sowie im Haupt- und Personalamt.

Rolfsmeyer war fünf Jahre lang der allgemeine Vertreter des damaligen Bürgermeisters Klaus Korfmeier, bevor er 2004 selbst als Bürgermeister antrat. Mit 56,1 Prozent gewann er damals die Wahl. Und er steigerte sich: 2009 setzte er sich mit 65,7 Prozent und 2014 mit 67,5 Prozent gegen seine Mitbewerber durch.

Lob für Kultur im Rat

Die ersten ein/zwei Jahre als neuer Bürgermeister seien nicht leicht gewesen. „Alle schauen auf den Neuen. Sie schauen, was er kann, und testen aus“, erinnert sich Rolfsmeyer. „Und ich musste alle kennen lernen. Die Menschen in der Verwaltung, die Ratsmitglieder und die Bürger.“ Und dann habe man ja auch immer bei allem, was an einen herangetragen werde, abwägen müssen zwischen dem Eigeninteresse des Einzelnen und dem gemeinschaftlichen Interesse.

Große Probleme habe es aber nie gegeben. „Zudem war die Arbeit im Rat ja immer von hoher Sachlichkeit geprägt. 98 Prozent aller Beschlüsse haben wir einstimmig gefasst.“ Rolfsmeyer spricht von einer guten Kultur im Rat, jeder spreche dort mit jedem – „ein faires Miteinander“. So ist seine Erinnerung an seine Tätigkeit durchweg positiv.

Ein besonderes Highlight sei das NKF, das Neue Kommunale Finanzmanagement, gewesen. Hier sei Hiddenhausen eine von sechs Pilotkommunen für dieses Projekt gewesen. Man habe 2000 bis 2003 von der doppischen Buchführung auf die kaufmännische Buchführung umgestellt. Und weil das in Hiddenhausen so gut geklappt hat, hat das Land NRW 2004 den Gesetzesentwurf eingebracht. In dessen Folge haben alle Kommunen in NRW ihre Buchführung umgestellt. Als Erinnerung daran hängt das Gesetz- und Verordnungsblatt hinter Glas gerahmt an der Wand in Rolfsmeyers Büro.

Ein weiterer Höhepunkt in seiner Laufbahn sei das Projekt Jung kauft Alt gewesen. „Klar müssen wir Altenheime bauen. Aber wenn man die Zukunft gestalten will, dann muss man auch etwas für die Demographie tun“, meint Rolfsmeyer. Und dank Jung kauft Alt habe man viele junge Familien in die Gemeinde geholt.

Freund der Stippgrütze

Mit Stolz blickt Rolfsmeyer aber auch darauf, dass fast alle Straßen in der Gemeinde „top in Schuss“ sind, dass es inzwischen drei Kunstrasenplätze gibt, zweimal Dorfwerkstätten stattgefunden hätten und dass große Firmen wie Peter Lacke, Remmers, Heckewerth oder Budich erweitert hätten, was natürlich auch für Gewerbesteuer sorge.

Daneben gibt es aber auch Rolfsmeyers ganz persönliche Highlights: die Rekommunalisierung der Stromversorgung, der Besuch von Kanzlerin Angela Merkel, aber auch das Stippgrütze-Essen beim Männerkreis Hiddenhausen.

„Bei der Rekommunalisierung durfte ich in der kommunalen Verhandlungsgruppe dabei sein. Ein spannender Prozess, da habe ich viel gelernt“, erzählt der 64-Jährige. Die Kanzlerin habe sich nach einem Besuch der Jugendhilfe Schweicheln eine halbe Stunde Zeit für ein Gespräch genommen, erinnert sich Rolfsmeyer. „Sie kann zuhören, kam nicht mal eben nur schnell vorbei. Das fand ich sehr wertschätzend.“

Mit dem Stippgrütze-Essen verbinde er besondere private Erinnerungen: „Meine Großeltern haben immer selbst geschlachtet und dann gab es bei einem Schlachtefest, bei dem die ganze Familie am Tisch saß, immer alles vom Schwein – eben auch Stippgrütze.“ Beim Männerkreis hat Günter Wörmann jedes Jahr im November für 50 Leute Stippgrütze gekocht. „Und die schmeckte dann eben auch so wie bei meinen Großeltern.“

Ein guter Zuhörer

In diesem Jahr wird es wohl keine Einladung geben. „Das Essen fällt wegen Corona aus, schade“, bedauert Rolfsmeyer, der immer sehr gerne Repräsentationstermine wahrgenommen hat. „Man trifft Menschen und erfährt eine Menge.“ In diesem Zusammenhang geht auch ein dickes Lob an seine beiden Stellvertreter Monika Schwannecke und Erwin Steffen: „Wir haben uns immer sehr gut ergänzt. Die Verlässlichkeit der beiden war immer ein großes Geschenk.“

Bei all den positiven Erfahrungen gibt es aber auch eine Schattenseite: Man trägt immer Verantwortung. „Bürgermeister bist du an sieben Tagen 24 Stunden. Bei allem, was man sieht und hört, ist da auch Arbeit.“ Deshalb freut er sich, diese Verantwortung nicht mehr tragen zu müssen. „Das ist ein Stück Erleichterung.“ Das Mehr an Zeit soll künftig vor allem seiner Ehefrau, seinen zwei Töchtern, den Schwiegersöhnen und den vier Enkeln zugute kommen, seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Kreistag und dem Sport. „Wenn ich mir viel mehr vorgenommen hätte, hätte ich ja auch weiter arbeiten können...“

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