Wie Hiddenhauser Gastronomen mit dem Lockdown umgehen und was man beim Abholservice beachten sollte
„... aber jammern hilft nicht“

Hiddenhausen (WB) -

Gepflegtes Ambiente, zuvorkommende Bedienung und ein auf den Punkt gegartes Steak: Es gibt verschiedene Gründe, die für den Besuch eines Restaurants sprechen. Wie aber versuchen die ansässigen Gastronomen sich während des Lockdowns über Wasser zu halten, wenn ein wichtiger Teil ihres Kerngeschäfts wegbricht?

Donnerstag, 26.11.2020, 11:30 Uhr
Tatjana (von links) und Ben Böselt halten ihren Restaurantbetrieb derzeit mit viel Fantasie und leckeren Gerichten zum Abholen am Gang. Unterstützung gibt es von den Mitarbeiterinnen Stefanie Launert und Bianca Strathmann.
Tatjana (von links) und Ben Böselt halten ihren Restaurantbetrieb derzeit mit viel Fantasie und leckeren Gerichten zum Abholen am Gang. Unterstützung gibt es von den Mitarbeiterinnen Stefanie Launert und Bianca Strathmann. Foto: Daniela Dembert

„Wir haben uns am Anfang viele Gedanken gemacht, was man anbieten kann“, berichtet Tatjana Böselt, Chefin vom Alt Hiddenhausen und gibt zu bedenken: „Mit Rumpsteak und Ähnlichem tut man sich keinen Gefallen, wenn man es in einem Abholservice anbietet.“ Viele Gerichte seien für den Transport schlicht ungeeignet: Schnitzelpanade wird in der Styroporbox labberig, weicht durch. Mit Pommes sehe es ähnlich aus und medium Gegartes sei schnell auch mal durch, bis es daheim auf den Teller kommt.

Kein Angebot zu machen und auf die Unterstützung vom Bund zu warten, ist jedoch für die wenigsten Gastronomen ein gangbarer Weg. Nicht selten sind komplette Familien im Betrieb beschäftigt, so dass gleich mehrere Einkommen ausfallen, und noch ist nicht sicher, wann öffentliche Gelder fließen.

„Außerdem will man den Gästen ja in Erinnerung bleiben“, argumentiert Tatjana Böselt. Diese seien zum Glück sehr treu. „Das sind wirklich rührende Momente, wenn Stammgäste anrufen und fragen, wie sie uns unterstützen können“, sagt die Restaurantbetreiberin.

Da die Gastronomen derzeit gezwungen sind, mit den etablierten Lieferdiensten zu konkurrieren, mit Service und Ambiente ihrer Restaurants aber nicht punkten können, ist Einfallsreichtum gefragt, wenn man sich abheben und behaupten will.

Das Alt Hiddenhausen setzt auf frische Salate, Nudelvarianten und Schmorfleischgerichte mit saisonalen Gemüsebeilagen wie Rotkohl und Pilze, um die Gaumen der Kunden zu verwöhnen. Auf der Abhol-Speisekarte stehen Wild, Rinderrouladen und Gulasch, aber auch Spareribs und Gambas.

Derzeit läuft der Betrieb nur am Wochenende. „Das ist für alle eine schwierige Zeit, aber jammern hilft nicht. Dass die Lage bei manchem familiengeführten Restaurant durchaus zum Verzweifeln ist, kann sie sich gut vorstellen. „Uns wurden in diesem Jahr mehr als 60 Familienfeiern abgesagt“, das müsse man erstmal auffangen können.

Weil Tatjana und Ben Böselt wenig zuversichtlich auf das Weihnachtsgeschäft blicken, ist das Paar bereits fleißig am Tüfteln. Ein dreigängiges Festtagsmenü wird kreiert, das den letzen Schliff beim Kunden zuhause bekommen soll.

„Frisch zubereitet schmeckt es einfach am Besten. Deshalb schauen wir momentan, inwieweit wir Speisen vorbereiten können, die man in der eigenen Küche mit geringem Aufwand finishen kann.“ Ein stressfreies Festtagsschmausen wünscht sich doch schließlich jeder...

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