Lockdown trifft Gebrauchshundesportverein und Hundeschule in Hiddenhausen hart
Trübe Aussichten für Zwei- und Vierbeiner

Hiddenhausen (WB) -

Rüde Zeus ist kaum zu halten, als er mit Frauchen Nicola Bauer am Übungsplatz des Gebrauchshundesportvereins Hiddenhausen eintrifft. Voller Vorfreude rennt er auf den Rasen – doch nur fürs Zeitungsfoto. Dann heißt es wieder zurück ins Auto.

Freitag, 15.01.2021, 05:30 Uhr
Nicola Bauer, Geschäftsführerin des Gebrauchshundesportvereins Hiddenhausen, ist mit ihrem Schäferhund Zeus zum Übungsplatz gekommen. Doch auf das gewohnte Training wird der Rüde wohl noch etliche Wochen warten müssen.
Nicola Bauer, Geschäftsführerin des Gebrauchshundesportvereins Hiddenhausen, ist mit ihrem Schäferhund Zeus zum Übungsplatz gekommen. Doch auf das gewohnte Training wird der Rüde wohl noch etliche Wochen warten müssen. Foto: Sonja Töbing

Der zweite Lockdown bedeutet das Aus für sämtliche Trainingsstunden, Versammlungen und Wettkämpfe. Sehr zum Verdruss der insgesamt 118 Mitglieder. Geschäftsführerin Nicola Bauer kann den Unmut vieler Hundehalterinnen und -halter nur allzu gut verstehen, schließlich sind sie und ihr Mann Marco selber stolze Besitzer von zwei Schäferhunden und einem Yorkshire-Terrier.

„Wenn wir sehen, dass unsere Kinder in vollkommen überfüllten Bussen zur Schule fahren müssen oder die Menschen an Skiliften Schlange stehen, verstehen wir nicht, warum unser Sport nicht erlaubt ist. Immerhin ist unser Platz groß genug, um ausreichend Abstand halten zu können“, betont Nicola Bauer.

Angesichts sich ständig ändernder Regeln und Vorschriften sei die Verwirrung groß, zumal jede Kommune diese anders auslege und handhabe. „In Löhne beispielsweise durften die Hundeschulen öffnen, hier in Hiddenhausen nicht“, berichtet Nicola Bauer.

Wir verstehen nicht, warum unser Sport nicht erlaubt ist.

Nicola Bauer

Zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr sei das Training draußen mit Wahrung des Abstands möglich gewesen, im Vereinsheim habe natürlich die Maskenpflicht gegolten, Getränke durften nicht verkauft werden. „Dann kam der erste Lockdown, der uns zur Absage sämtlicher Termine zwang. Wir durften nur ab und zu hier im Vereinsheim nach dem Rechten schauen, die Post abholen und den Platz pflegen.“

Im Sommer wurde alles wieder etwas lockerer gesehen, das Training fand statt – wenn auch mit Abstrichen. „Wir durften nur für Mitglieder, nicht für Außenstehende öffnen, Gruppen konnten nicht stattfinden. Das hat uns Trainer dazu animiert, kreative Übungsvideos per Whatsapp zu verschicken“, erzählt Nicola Bauer.

Für jede Veranstaltung mussten Hygiene-Konzepte eingereicht werden, das 90-jährige Bestehen des Traditionsvereins inklusive der Austragung nahezu aller Landesvereinsmeisterschaften musste abgesagt werden. „Als klar wurde, dass die Regelungen wieder verschärft werden und wir als Verein den Betrieb wieder einstellen müssen, kam einigen unserer Mitglieder der Gedanke, unsere Arbeit als Individualsport anerkennen zu lassen, sodass wir in abgespeckter Weise mit den Hunden trainieren können.“

Tatsächlich akzeptierte das Ordnungsamt Hiddenhausen das Konzept. Mittels Doodle-Liste registrierten sich interessierte Mitglieder, der Platz wurde in mehrere Parzellen unterteilt, um ausreichend Abstand gewährleisten zu können. „Viele Mitglieder sind mit ihren Tieren aber auch einfach ins Feld oder in den Wald gegangen, um das Training nicht vollständig zu vernachlässigen“, betont Nicola Bauer.

Elke Bokermann (links) und Sabine Jährling betreiben seit zehn Jahren die Hundeschule Mensch & Hund-Team an der Lippinghauser Straße. Momentan dürfen sie keinen Unterricht anbieten. Doch aufgeben kommt für das Duo nicht in Frage.

Elke Bokermann (links) und Sabine Jährling betreiben seit zehn Jahren die Hundeschule Mensch & Hund-Team an der Lippinghauser Straße. Momentan dürfen sie keinen Unterricht anbieten. Doch aufgeben kommt für das Duo nicht in Frage. Foto: Sonja Töbing

Auch Sabine Jährling und Elke Bokermann, Inhaberinnen der Hundeschule Mensch & Hund-Team, dürfen seit dem 14. Dezember keinen Unterricht mehr anbieten. „Wenn wir sehen, dass andere Hundeschulen im Kreis Herford öffnen dürfen und wir nicht, dann macht einen das unglaublich wütend“, gibt Sabine Jährling zu. Der Kontakt zum Ordnungsamt Hiddenhausen sei trotz allem gut, bei Fragen dürfe man jederzeit anrufen. „Die Holschuld liegt aber bei uns“, betont Jährling.

Bis Ende Februar halten wir das finanziell noch durch, dann sieht es düster aus.

Sabine Jährling

Sie und ihre Kollegin sind dankbar für die große Solidarität unter den Trainern im Kreis. „Einige haben uns angeboten, bei ihnen auf dem Platz zu unterrichten. Aber da es meist identische Trainingszeiten gibt, ist das schwierig. Online-Angebote lehnen die beiden Hunde-Expertinnen ab. „Ohne den Kontakt mit anderen Artgenossen kann ein Hund nicht sozialisiert werden“, betont Bokermann.

Unter den gut 70 Kursteilnehmern gebe es zudem viele Anfänger, die nur wenig Erfahrung mit der Hundeerziehung hätten. „Am Telefon Fehler zu erkennen oder zu korrigieren, ist so gut wie unmöglich. Das geht eben nur hier vor Ort.“ Auf dem 3000 Quadratmeter großen Grundstück gebe es Möglichkeiten, die Unterrichtseinheiten mit dem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand anzubieten. Aber solange das Ordnungsamt kein grünes Licht gebe, sei die Hundeschule geschlossen. „Bis Ende Februar halten wir das finanziell noch durch, dann sieht es düster aus“, sagt Sabine Jährling.

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