Etwa die Hälfte der Kinder besucht aktuell die Kitas in Hiddenhausen – Einrichtungen wünschen sich klare Vorgaben vom Land
„Wir sind im Pandemie-Betrieb“

Hiddenhausen (WB) -

„Die Kitas sind geschlossen.“ So ist es immer wieder in den Medien zu lesen. „Das stimmt einfach nicht“, betonen Erzieherinnen in Hiddenhausen und Herford mit Nachdruck

Freitag, 05.02.2021, 05:20 Uhr
Kitas sind aktuell im Pandemie-Betrieb. Dennoch bringen meist mehr als die Hälfte der Eltern ihre Kinder in die Kita.
Kitas sind aktuell im Pandemie-Betrieb. Dennoch bringen meist mehr als die Hälfte der Eltern ihre Kinder in die Kita. Foto: Karin Koteras-Pietsch

Die Mitarbeitervertretung der katholischen Kitas im Erzbistum Paderborn, zu denen auch die Herforder Kitas St. Marien, St. Joseph und St. Paulus zählen, haben sich jetzt in einem Brief an den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet und seinen Stellvertreter Joachim Stamp, Familienminister NRW, gewandt, den die Vertreter vieler Hiddenhauser Kitas auch so unterschreiben würden.

In dem Brief drückt die Mitarbeitervertretung ihre Verärgerung darüber aus, dass die Kindertagesstätten nicht geschlossen, sondern in einem Pandemie-Betrieb seien. Im Frühjahr 2020 habe es noch eindeutige Vorgaben für einen Notbetrieb gegeben. Zurzeit gebe es aber nur einen halbherzigen Appell an die Erziehungsberechtigten.

„Durch diese politisch unklaren Vorgaben wird der Druck an die Mitarbeitenden vor Ort einfach weiter gegeben, die sich täglich mit den Eltern auseinander setzen müssen. Die dringend empfohlenen Kontaktbeschränkungen können so gar nicht eingehalten werden“, heißt es in dem Brief weiter.

In den meisten Kitas der Gemeinde Hiddenhausen sorgt genau dieses Problem für Unverständnis. Ein Appell an die Eltern reiche eben manchmal nicht aus. Denn nicht immer sei die Betreuung notwendig, wissen die Erzieherinnen. Die Mutter müsse auch mal die Füße hochlegen können, sei da unter anderem zu hören gewesen. Ein Vorwurf sei sogar dahin gegangen, dass Erzieherinnen sich die Maßnahmen ausgedacht hätten.

„Jetzt im Februar rechnen wir mit noch mehr Kindern“, meint Silke Heller, Leiterin der Evangelischen Kita Hiddenhausen. Anfragen von Eltern würden darauf hindeuten. Die Eltern seien es eben auch leid, sagt eine andere Erzieherin. „Ich denke, so manches Mal müsste es nicht sein. Aber wir hinterfragen das nicht. Die Eltern müssen das selbst verantworten“, meint Silke Heller.

Ganz anders als im Notbetrieb kommen heute 50 Prozent und mehr der Kinder tatsächlich in die Kitas der Großgemeinde. „Wir wünschen uns wieder eine Notbetreuung. Damals gab es klare Ansagen vom Land. Da kamen deutlich weniger Kinder als heute“, sagt Stefanie Lehrke, Erzieherin in der Evangelischen Kita Oetinghausen, und spricht damit Kolleginnen anderer Kitas aus dem Herzen.

„In die Notbetreuung kamen Kinder, deren Eltern tatsächlich arbeiten mussten“, meint Tatjana Witte, Leiterin der Kita Sternenhimmel in Oetinghausen. 20 der 33 Kinder seien täglich in ihrer Kita. Die Kolleginnen arbeiteten ungeschützt, die Belastung nehme zu. Und Appelle an die Moral der Eltern reichten manchmal nicht aus.

Mehr als die Hälfte der Kinder kommen aktuell auch ins Taka-Tuka-Land in Lippinghausen. „Wir versuchen das ein bisschen zu steuern. Wenn wir sehen, dass ein Elternteil einfach nur frei haben möchte, dann reden wir mit ihm. Meistens sind die Eltern aber verantwortungsvoll“, sagt Nadine Kerber, die das Taka-Tuka-Land leitet.

Die höchste Belegungsquote bei den Kitas im Kirchenkreis Herford hat aktuell die Kita in Sundern. 65 Prozent der Kinder werden jeden Tag gebracht. „Ich gehe davon aus, dass die meisten der Eltern auch arbeiten müssen. Und wir werten das auch nicht, wer kommt, der kommt“, sagt Kita-Leiterin Janina Collmeier.

Man wisse nicht , welche Schicksale dahinter steckten, wenn eine Mutter ihr Kind bringe, auch wenn sie nicht arbeiten müsse. „Wir hoffen einfach, dass wir nicht ausgenutzt werden“, so Collmeier. Auch sie ärgere sich sehr über die schwammigen Vorgaben vom Land. Vor den Feiertagen hätten viele Eltern noch die Betreuung regeln können, das funktioniere heute meist nicht mehr so. „Heute weisen wir ganz klar auf den Pandemie-Betrieb hin für Kinder, die Betreuung brauchen. Wir schicken aber auch kein Kind weg“, betont die Kita-Leiterin.

Fast alle Mitarbeitenden in den Kitas aber wünschten sich, dass sie bei der Impfung besser bedacht worden wären. Ihnen würde die große Belastung einer möglichen Ansteckung genommen. „Dann könnten wir den Kindern noch mehr Normalität bieten, als wir es jetzt schon versuchen“, sagt Nadine Kerber.

Maria Dargel, Leiterin der Kita St. Marien in Herford, betont, dass der Brief ihrer Mitarbeiter-Vertretung gut verfasst sei. Auch sie beklagt mangelnde Vorgaben. Sie gibt aber auch zu bedenken, dass es in dem einen oder anderen Fall auch gut sei, dass ein Kind die Kita regelmäßig besuche.

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