Do., 06.12.2018

TV-Beitrag über »Pastoren am Limit« mit Matthias Storck Als der Burnout drohte

Dreharbeiten im Herforder Arbeitszimmer: Pfarrer Matthias Storck spricht über Zweifel, Arbeitsüberlastung und Tränen. Der TV-Beitrag »Bevor es mich zerreißt« kann auch nach der Ausstrahlung noch über die ARD-Mediathek gesehen werden.

Dreharbeiten im Herforder Arbeitszimmer: Pfarrer Matthias Storck spricht über Zweifel, Arbeitsüberlastung und Tränen. Der TV-Beitrag »Bevor es mich zerreißt« kann auch nach der Ausstrahlung noch über die ARD-Mediathek gesehen werden. Foto: NDR/Max von Klitzing

Von Hartmut Horstmann

Kirchlengern (BZ). Pfarrer Storck am Schreibtisch, Pfarrer Storck mit Pfeil und Bogen, Pfarrer Storck, dem der liebe Gott manchmal abhanden zu kommen droht: Ein sehr privates Bild des Geistlichen zeichnet ein Fernsehbeitrag, der am Sonntag ausgestrahlt wurde.

In der ARD-Mediathek zu sehen

Für ein Jahr ist die Sendung noch in der ARD-Mediathek zu sehen. Der Beitrag, in dem es um Geistliche geht, die unter einer großen Arbeitsbelastung leiden, trägt den Titel »Bevor es mich zerreißt – Pastoren am Limit«. Einer dieser Pastoren ist Matthias Storck, der auf der Suche nach Hilfe sechs Wochen im niedersächsischen Kloster Barsinghausen verbrachte. »Inspiratio« heißt die Einrichtung der Kirche, in der Geistliche neue Kraft sammeln.

Kaum war die Sendung am frühen Sonntagabend gelaufen, klingelte bei den Storcks das Telefon – und zwar immer wieder. »Viele Leute, auch Pfarrer, haben sich bedankt«, sagt der 62-Jährige, der von 1988 bis 2006 als Pfarrer in Kirchlengern gewirkt hat.

Anforderungen wachsen

Dabei hatte er beim Schauen der Sendung durchaus ein mulmiges Gefühl. Immerhin bekenne er als Geistlicher, dass er in schwierigen Situationen manchmal Gefahr laufe, dass ihm Gott abhanden komme. Aber gerade der zugegebene Zweifel macht Storck für diejenigen, die angerufen haben, offenbar sympathisch. Überwogen habe der Dank für die offenen Worte, erfuhr der Herforder Marien-Pfarrer auch aus vielen Mails.

Besonders markant ist seine Formulierung in der er auf seine Haftzeit als politischer Gefangener in der DDR zu sprechen kommt. 14 Monate DDR-Knast hätten ihm nicht soviel ausgemacht wie die große Arbeitsüberlastung: »Das gibt mir zu denken.«

Immer mehr Verwaltungsaufgaben, zahlreiche Beerdigungen in einer immer älter werdenden Gemeinde: Die Anforderungen wachsen und der Geistliche sah sich oft nicht mehr in der Lage, Trauernde so zu begleiten, wie er es sich vorstellt. Doch er machte weiter – bis eine seiner Töchter, eine Ärztin, das Heft in die Hand nahm. Sie erkannte den drohenden Burnout und erkundigte sich nach einem Platz in Barsinghausen. Mit Zustimmung des Kirchenkreises hielt sich Storck dort ab Januar 2017 sechs Wochen auf.

Im Wald geweint

In seinen Erinnerungen daran sagt der Herforder, dass er manchmal einfach nur in den Wald gegangen sei und geweint habe. Diese Tränen sind ein Luxus, den er sich im normalen Arbeitsalltag nicht leisten kann. Geradezu philosophisch wird es, wenn der Pfarrer in dem Film mit Pfeil und Bogen hantiert. Ganz wichtig ist hier die volle Konzentration auf einen Punkt: Sich bloß nicht ablenken lassen! Die dazu notwendige innere Ruhe im Alltag zu finden, ist schwierig – denn von einem Pfarrer, der in der Gemeinde wohnt, wird erwartet, dass er immer ansprechbar ist.

Die strukturellen Probleme, die unter anderem mit immer größeren Gemeinde-Einheiten zu tun haben, sind in der Herforder Mariengemeinde geblieben. Dennoch betont Storck, dass ihm die Auszeit in Barsinghausen etwas gebracht habe. Daher habe er in dem Fernsehbeitrag mitgemacht: »Auch andere Pastoren sollen wissen, dass es so etwas gibt.«

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