Sa., 08.12.2018

Aqua Fun: Kostenberechnung vorgestellt – jährliches Defizit von mehr als einer Million Euro Neubau kostet fast 11 Millionen Euro

So könnte der Bereich für Kinder aussehen. Die Entwurfsplanung und die Kostenberechnung für die Sanierung und den Neubau des Hallen- und Freibades stellte nun Architekt Rembert Middendorf (Geising + Böker Architekten, Hamburg) vor.

So könnte der Bereich für Kinder aussehen. Die Entwurfsplanung und die Kostenberechnung für die Sanierung und den Neubau des Hallen- und Freibades stellte nun Architekt Rembert Middendorf (Geising + Böker Architekten, Hamburg) vor. Foto: Geising + Böker Architekten

Von Hilko Raske

Kirchlengern (WB). Der Neubau des Freizeitbades Aqua Fun in Kirchlengern wird teurer als bislang geschätzt. Das wurde bei der Vorstellung der Entwurfsplanung und der Kostenberechnung am Donnerstagabend im Hauptausschuss der Elsegemeinde deutlich. Und auch das jährliche Defizit wird sich nicht – wie vom Rat einstimmig beschlossen – auf 800.000 Euro deckeln lassen.

Wie wird da Aqua Fun künftig aussehen? Die Entwurfsplanung und die Kostenberechnung für die Sanierung und den Neubau des Hallen- und Freibades stellte Architekt Rembert Middendorf (Geising + Böker Architekten, Hamburg) vor. Bislang orientierte man sich hinsichtlich der Kosten an bekannten Vergleichszahlen. So war die Gemeindeverwaltung von einem Projektbudget für Planung und Bau in Höhe von 10,3 Millionen Euro ausgegangen.

»Die Abweichung kann allerdings bis zu 20 Prozent betragen – immerhin ist das ein kompliziertes Projekt«, betonte Beigeordneter Stefan Junkermann, der in der Verwaltung für die Projektkoordination zuständig ist. Jetzt liege eine Berechnung vor, die auch mögliche Mehrkosten durch die Marktentwicklung beinhalte. Und die gehe davon aus, dass Planung und Bau 10,975 Mio. Euro kosten werden, informierte Architekt Middendorf. »9,35 Millionen Euro entfallen davon auf das Hauptgebäude, 884.000 Euro auf die Sauna und 742.000 Euro auf die Rutsche«, so Junkermann.

Öffnung 2021 möglich

Middendorf ging zudem auf bauliche Details, aber auch den Zeitplan ein. Optional seien zwei Sauna-Gebäude im Außenbereich. Beim Kinderbecken soll es eine interessante Neuerung geben: es wird tiefer liegen, um eine bessere Übersicht zu ermöglichen. Freuen dürfte die Besucher, dass die geplante Rutsche insgesamt 75 Meter lang sein soll.

Auch hinsichtlich des Zeitplans wurden konkrete Termine genannt. So kann mit der Genehmigungsplanung frühestens am 8. Februar 2019 begonnen werden. Mit dem Bauvorhaben könne im September des kommenden Jahres gestartet werden. Wenn es zu keinen Verzögerungen kommen sollte, könnte die Baumaßnahme im Mai 2021 abgeschlossen sein. Als Termin für die Eröffnung des Freibades nannte der Architekt den 10. Mai 2021, das Hallenbad dann Mitte Juli 2021.

Betriebskonzept erläutert

Mit welchen Besucherzahlen kann das neue Aqua Fun rechnen? Dieser Frage ging Kim Adam, (Unternehmensberatung Adam & Partner) nach. Sie stellte ein mögliches Betriebskonzept vor, mit dem Besucherzahlen optimiert werden könnten. Eine wichtige Rolle spielt dabei natürlich das Einzugsgebiet. Nach Aussage der Unternehmensberaterin gehe man bei einem Sportbad von einer maximalen Anfahrtszeit von 30 Minuten aus.

Bei einem Freizeitbad – vorausgesetzt, es hat ansprechende Attraktionen – würden Besucher eine maximale Anfahrtszeit von 40 Minuten in Kauf nehmen. Innerhalb dieses Bereiches, so Adam, habe das Aqua Fun 26 Mitbewerber. Allein in der näheren Umgebung (10 Minuten Anfahrtszeit) seien es schon drei. Positiv bewertete es die Fachfrau, dass sich das Aqua Fun in einer Region mit hoher Bevölkerungsdichte befinde. Mit Blick auf das künftige Angebot rechne sie mit etwa 128.700 Besuchern. Das wären etwa 22.200 mehr als 2017. Würden Angebote wie Rutsche und Sauna wegfallen, seien es jedoch nur 111.630 Besucher.

Rutsche und Sauna empfohlen

Eine klare Aussage gab es von Kim Adam hinsichtlich des jährlichen Defizits. Das sollte 800.000 Euro eigentlich nicht übersteigen. Dieses Ziel sei aber nicht erreichbar. Im ersten Jahr müsse man von einem Defizit in Höhe 938.000 Euro ausgehen. Und selbst wenn die Politik entscheide, auf ein Modul zu verzichten – was die Investitionskosten senken würde – hätte das nicht zwangsläufig zur Folge, dass auch das jährliche Defizit verringert werde.

Sie empfahl, den neuen Aqua-Fun-Komplex inklusive Rutsche und Sauna zu realisieren. Dennoch gehe sie davon aus, dass das Defizit künftig mehr als eine Million Euro betragen werde.

Zum Defizit hat auch Stefan Junkermann eine klare Meinung: »Schon 2017 betrug der Deckungsbetrag 900.000 Euro – und das, obwohl das Bad jetzt fast vollständig abgeschrieben ist. Eine neues Bad hingegen ist mit einem höheren Kredit- und Abschreibungsaufwand verbunden, und das zieht zwangsläufig auch eine höheres Defizit nach sich. Das Defizit wird auch deshalb steigen, weil die Erträge nicht mithalten mit dem Aufwand.«

Die Kommunalpolitiker nahmen diese Ausführungen zur Kenntnis. Die Entscheidung darüber trifft nun der Gemeinderat in seiner Sitzung am 7. Februar.

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