Mi., 20.02.2019

Kirchlengeraner Ratsmehrheit will 900.000 Euro an Investitionskosten sparen Neues Aqua Fun ohne Sauna

Das Aqua-Fun-Hallenbad soll neu gebaut werden. Allerdings sprach sich eine Mehrheit des Kirchlengeraner Gemeinderates gegen einen Saunabereich aus.

Das Aqua-Fun-Hallenbad soll neu gebaut werden. Allerdings sprach sich eine Mehrheit des Kirchlengeraner Gemeinderates gegen einen Saunabereich aus. Foto: Hilko Raske

Von Hilko Raske

Kirchlengern (WB). Neubau des Hallenbades ja, Sauna nein – auf diese Formel lässt sich die Entscheidung bringen, die der Rat Kirchlengern in seiner Sondersitzung am Montagabend in geheimer Abstimmung gefällt hat. Zuvor hatte die Verwaltungsspitze allerdings eindringlich für eine große Lösung mit Saunabereich plädiert.

Bürgermeister Rüdiger Meier ging zu Beginn der Sitzung auf die Historie des Aqua Funs ein. 1991 habe der Rat für den Ausbau des Freizeitbades in seiner heutigen Form gestimmt. Damals seien von den Planern und Fachleuten 115.000 Besuche jährlich prognostiziert worden – »eine Punktlandung«, wie Meier betonte. »Es macht deshalb durchaus Sinn, auf die Fachleute zu hören.« Und die würden die Ansicht vertreten, dass ein von der Gemeinde betriebener Saunabereich nicht nur die Attraktivität des Aqua Fun deutlich steigern, sondern auch Gewinne erzielen würde.

Blick zum Lindenbad

Unterstützung erhielt Meier dabei vom Beigeordneten Stefan Junkermann. Die Annahme, ein kleineres Bad sei gleich bedeutend mit einem geringeren Subventionsbetrag, treffe nicht zu, so Junkermann. Er verwies auf das Lindenbad in Halle. Das sei vergleichbar mit dem geplanten Neubau des Aqua Fun ohne Sauna. Dennoch liege der aktuelle Zuschussbedarf bei jährlich 1,1 Millionen Euro. »Nicht die Größe eines Bades ist ursächlich für den Zuschussbedarf, sondern seine Attraktivität«, betonte Junkermann.

Pro oder contra Sauna – in den Fraktionen zeichnete sich zu diesem Thema keine einheitliche Meinung ab. Selbstverständlich sei man für den Neubau des Hallenbades, sagte CDU-Chef Detlef Kaase. Die Frage sei nur, in welcher Größe. Eine Mehrheit der CDU habe sich für die große Lösung, also mit Saunabereich, ausgesprochen, da ein Verzicht darauf laut Gutachten die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojektes beeinträchtigen könne.

Eine Minderheit innerhalb der CDU-Fraktion – zu der er auch gehöre – sei jedoch für die Streichung der Sauna, weil man so die Gesamterstellungskosten um 900.000 Euro reduzieren könne. Diese Position von Kaase wurde übrigens von einer Mehrheit innerhalb der SPD-Fraktion getragen. SPD-Fraktionschef Oliver Lüking präsentierte so einen Beschlussvorschlag, der unter anderem vorsieht, auf das Modul Sauna zu verzichten.

Kritik kommt von der UWG

Grundsätzliche Kritik am Hallenbad-Neubau und den Kosten dafür kam von der UWG. Man spreche davon, die weichen Standortfaktoren in Kirchlengern zu stärken – »dabei mangelt es sogar an den harten«, so Fraktionssprecher Michael Schmale. Als Beispiele führte er das nicht vorhandene schnelle Internet im Industriegebiet Oberbehme und den desolaten Zustand mancher Gemeindestraßen an.

Man habe auch die Chance verpasst, ein gemeinsames Bad-Projekt mit Bünde zu realisieren – eine Anregung der UWG, die keine Mehrheit gefunden habe. Bei einem jährlichen Zuschussbedarf von mindestens einer Million Euro – »und das 20 bis 30 Jahre lang« – könne er dem nicht zustimmen.

Auf Antrag von Bernd Klute (CDU) erfolgte anschließend eine geheime Abstimmung. Für die große Lösung sprachen sich 12 Ratsmitglieder aus, 19 votierten dagegen, ein Ratsmitglied enthielt sich.

Bei der folgenden Abstimmung über eine Lösung ohne Sauna sprachen sich 20 Ratsmitglieder für dieses Konzept aus, neun stimmten mit Nein und drei Kommunalpolitiker enthielten sich. Gleichzeitig wurde die Verwaltung beauftragt, für den Neubau und die Sanierung des Aqua Funs ISEK-Fördermittel zu beantragen.

Kommentar von Hilko Raske

Diese Entscheidung haben sich die Kommunalpolitiker nicht leicht gemacht. Mehrere Wochen lang hat man über Parteigrenzen hinweg ausgelotet, was machbar ist, hat den breiten Konsens gesucht. Immerhin betragen die Investitionskosten für die große Lösung – also Hallenbadneubau inklusive Sauna – etwa 11 Millionen Euro. Dass es sich dabei um die größte gemeindliche Investition seit Jahrzehnten handelt, dürfte allen Kommunalpolitikern bewusst sein. Und auch, dass der jährliche Zuschussbedarf bei mindestens eine Million Euro – Tendenz steigend – liegt, spielte in der Diskussion eine gewichtige Rolle. Durch den Verzicht auf den Saunabereich hat die Politik die investiven Kosten zwar um etwa 900.000 Euro senken können. Ob dadurch der jährliche Zuschussbedarf reduziert werden kann, darf aber stark bezweifelt werden. Das bedeutet: In den kommenden Jahrzehnten wird ein großer Teil der frei verfügbaren Haushaltsmittel ins Bad fließen.

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