Di., 26.03.2019

Möbelbeschlag-Spezialist will andere Geschäftsfelder ausbauen – mit Video Hettich knackt die Milliarde

Mit dem »Comfort Spin«-System (weißes Tablett im Kühlschrank) will die Hettich-Unternehmensgruppe im Bereich Nachrüstung zulegen. Die Geschäftsleitung (von links): Sascha Groß, Dr. Andreas Hettich und Jana Schönfeld.

Mit dem »Comfort Spin«-System (weißes Tablett im Kühlschrank) will die Hettich-Unternehmensgruppe im Bereich Nachrüstung zulegen. Die Geschäftsleitung (von links): Sascha Groß, Dr. Andreas Hettich und Jana Schönfeld. Foto: Jan Gruhn

Von Jan Gruhn

Kirchlengern (WB). Erstmals hat die Hettich-Unternehmensgruppe im vergangenen Jahr beim Umsatz die Milliarden-Grenze geknackt. 2019 will der Spezialist für Möbelbeschläge sein Portfolio weiter ausbauen.

Marcel Zimmermann von Brakeforce One präsentiert den Roller »Flynn. Foto: Jan Gruhn

Mit sichtlicher Freude vermeldete Dr. Andreas Hettich, Vorsitzender der Geschäftsleitung, die Rekordbilanz: 1,059 Milliarden Euro Umsatz. Das entspricht einem Plus von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (975 Millionen Euro) – »trotz zum Teil hoher Verunsicherung auf dem Markt«, sagte Hettich gestern am Firmensitz in Kirchlengern (Kreis Herford).

Aus seiner Sicht ändere sich die Stimmung in der Branche mitunter täglich angesichts krisenhafter Entwicklungen weltweit, aber auch in Europa. Nicht zuletzt der Brexit bereite den Marktteilnehmern Kopfzerbrechen. »Dennoch gehen wir grundsätzlich von einem Wachstum aus«, sagt Hettich mit Blick aufs laufende Jahr.

Etwa 6700 Mitarbeiter waren 2018 nach Angaben der Geschäftsleitung in der Unternehmensgruppe beschäftigt, davon 3600 in Deutschland und 2800 an den Standorten in OWL. Weltweit seien etwa 119 Millionen Euro investiert worden, 80 Prozent davon in Deutschland.

Bauteile seien deutlich leichter als Konkurrenzprodukte

Hettich ist einer der größten Hersteller von Möbelbeschlägen weltweit. Doch neben dem Kerngeschäft arbeitet das familiengeführte Unternehmen daran, weitere Arbeitsbereiche zu erschließen. Über die Geschäftseinheit Castwerk – eigentlich auf Autoteile spezialisiert – wollen Andreas Hettich und seine Kollegen in der Geschäftsleitung das Thema E-Mobilität verstärkt angehen. So produziert Castwerk mit Sitz in Frankenberg (Hessen) derzeit aus Magnesium die tragenden Elemente für einen E-Scooter mit dem Namen »Flynn«. »Magnesium zu verarbeiten ist nicht einfach«, sagt Sascha Groß aus der Geschäftsleitung. Doch die Bauteile seien deutlich leichter als Konkurrenzprodukte etwa aus Aluminium. »Mit unserer Technologie rennen wir offene Türen ein.«

So auch bei der Tübinger Firma Brakeforce One, die den Roller konzipiert hat. Acht Kilogramm wiegt das Gefährt, das vor allem für die sogenannte »letzte Meile« zum Arbeitsplatz gedacht ist. Für 1400 Euro verkauft Brakeforce One seinen Flitzer, an dem sieben von Castwerk hergestellte Einzelteile verbaut sind. Nach Angaben der Hettich-Unternehmensführung sei man derzeit dabei, die strategische Geschäftseinheit Castwerk in eine eigenständige Firma unzuwandeln.

Neue Wege will Hettich auch mit seinem System »Comfort Spin« gehen: Mit diesem Dreh-Ausziehsystem für Kühlschränke oder den Badezimmereinsatz wagt sich das Unternehmen an das Geschäftsfeld Nachrüstung. »Das ist für uns eine Expedition in unbekanntes Land«, formuliert es Andreas Hettich. Das gelte besonders für den Vertriebsweg: Denn das System soll ab Mai über Amazon angeboten werden. Der Preis werde bei etwa 50 Euro liegen.

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