Mo., 24.06.2019

Kirchlengeranerin beobachtet Tier im Wiehengebirge bei Hüllhorst Ist es ein Wolf?

Esther Widdel zeigt das stark vergrößerte Foto von dem Tier, das sie im Wiehengebirge gesehen hat.

Esther Widdel zeigt das stark vergrößerte Foto von dem Tier, das sie im Wiehengebirge gesehen hat. Foto: Thomas Klüter

Von Christina Bode

Kirchlengern/Hüllhorst (WB). Bei einem Spaziergang durch das Wiehengebirge hat Esther Widdel am Samstagmorgen vermutlich einen Wolf gesichtet. Im Wiehengebirge – etwa in Höhe Hüllhorst – stand das Tier plötzlich nur wenige Meter von ihr entfernt.

Esther Widdel und ihr Mann waren gerade auf dem Ilex-Wanderweg im Wiehengebirge unterwegs, um von Oberbauerschaft nach Bergkirchen zu wandern. »An einer Stelle, an der der Kamm nicht besonders breit ist, sahen wir plötzlich das Tier stehen«, berichtet sie. Zufällig hätte sie gerade ihr Handy in der Hand gehabt, um mit ihrer Tochter zu schreiben. »Ich habe sofort ein Foto und ein kurzes Video gemacht«, sagt die Kirchlengeranerin.

Friederike Wolff, Wolfsberaterin aus dem Regionalforstamt Hochstift, stuft das Foto, das Esther Widdel geschossen hat, zumindest als »wolfsverdächtig« ein. Biologen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) sollen nun bestimmen, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt. Im Zweifel würden auch Spezialisten aus Sachsen hinzugezogen, die das Foto analysieren. Ausgeschlossen sei eine Wolfssichtung im Wiehengebirge nicht, sagt die Expertin. Denn in der Nähe von Stemwede seien bereits des Öfteren Wölfe gesichtet worden. »Es ist gut möglich, dass sie von dort aus ins Wiehengebirge gezogen sind«, sagt sie.

Vermutlich ist es ein Wolf, den Esther Widdel fotografiert hat. Oben links im Bild ist er klein zu erkennen. Foto: Widdel

Angst habe sie keine gehabt, als ihr das Tier begegnete, sagt Esther Widdel. »Meine Tochter hat sich eine Zeit lang sehr intensiv mit dem Thema Wölfe beschäftigt. Daher wusste ich, wie ich mich verhalten muss«, sagt die Mutter von vier Kindern. »Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas hier erleben darf.« Ihr Mann und sie seien ruhig stehen geblieben. Der Wolf habe sie angeschaut und sei dann einfach weitergegangen. Glücklicherweise, sagt Widdel, habe sie ihren Hund nicht dabeigehabt. »Ich weiß nicht, wie er auf das Tier reagiert hätte.«

»Habe keine Gefahr gesehen«

Ein Radfahrer, den Esther Widdel und ihr Mann kurz nach der Sichtung auf ihre Entdeckung aufmerksam gemacht haben, hätte sie nicht ernst genommen und geglaubt, sie wollten ihm Angst machen. »Ich habe von dem Tier aus keine Gefahr gesehen und werde meine Tochter auch weiterhin ruhigen Gewissens in den Wald gehen lassen.«.

Diese Reaktion sei genau richtig gewesen, sagt Friederike Wolff. Wer einen Wolf sieht, solle auf keinen Fall auf ihn zugehen, sondern sich ruhig verhalten, die Nerven behalten und – wenn möglich – ein Foto oder Video machen. »Wir sind erpicht darauf, Bilder von Wölfen zu bekommen – unter anderem auch um Nutztierhalter zu informieren«, sagt Wolff.

72 Rudel in Deutschland

72 Wolfsrudel seien in Deutschland gemeldet. Friederike Wolff vermutet, dass es sich um ein Jungtier gehandelt haben könnte. »Normalerweise ist derzeit keine Wanderzeit für Jungwölfe«, sagt sie. Üblicherweise würden Jungwölfe etwa 18 Monate bei ihrer Mutter bleiben und sich dann trennen, wenn der nächste Nachwuchs kommt. »Manchmal gibt es aber auch Stubenhocker, die zwei bis drei Jahre bei ihrer Mutter bleiben und außer der Reihe auf Wanderschaft gehen.«

Ein Wolfsberater aus dem Kreis Minden-Lübbecke werde sich die genaue Stelle vermutlich in den nächsten Tagen noch einmal mit Esther Widdel anschauen. »Wir bekommen immer wieder Fake-Meldungen. Darum müssen wir das Foto noch einmal genau vor Ort vergleichen«, sagt Friederike Wolff.

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