Do., 15.08.2019

Karin Alex betreut Mittagstisch für Demenzkranke und Angehörige Raus aus der Isolation

Karin Alex, Jennifer Winter und Frauke Burghardt-Oppermann (von links) probieren schon mal eine Kleinigkeit, die demnächst auch beim Mittagstisch der Demenzkranken im Seniorenzentrum Kirchlengern serviert werden soll.

Karin Alex, Jennifer Winter und Frauke Burghardt-Oppermann (von links) probieren schon mal eine Kleinigkeit, die demnächst auch beim Mittagstisch der Demenzkranken im Seniorenzentrum Kirchlengern serviert werden soll. Foto: Carolin Bittner

Von Carolin Bittner

Kirchlengern (WB). Wenn der Lebenspartner unter Demenz leidet, ist das für Angehörige niederschmetternd. Viele wissen sich nicht zu helfen. Die Familientherapeutin Karin Alex will Lösungen und Hilfe anbieten.

Mittagstisch ab September

Karin Alex hat in ihrer Familie bereits Erfahrung mit einer Demenzerkrankung gehabt. Im Rahmen der Pflege hat sie damals »jeden Fehler gemacht, den man machen konnte«. Um anderen Angehörigen zu helfen und ihre Erfahrungen weiterzugeben, hat sie mehrere Projekte ins Leben gerufen – unter anderem die erste Selbsthilfegruppe in OWL und einen Mittagstisch im Haus Stephanus in Hiddenhausen.

Vom 2. September an will sie den Mittagstisch auch im Seniorenzentrum Kirchlengern etablieren. »Einmal in der Woche können die Erkrankten und Angehörigen zu einem gemeinsamen Mittagessen kommen. Danach gehe ich mit den Angehörigen in eine Gesprächsrunde«, so Alex. In dieser Zeit sollen die Erkrankten von Gesellschaftern der AWO betreut werden. Das Angebot soll jeden Montag von 12 bis 14 Uhr stattfinden.

Neue Freundeskreise

Karin Alex ist es wichtig, dass die Angehörigen ihre Probleme offen ansprechen und gemeinsam an der Lösung arbeiten. Das Hauptproblem sieht sie in dem Umgang mit den Patienten. »Viele gehen mit Demenz-Erkrankten um wie mit einem Kind. Diese spüren das, können aber nicht ausdrücken, dass es ihnen missfällt«, so Alex Auch darüber soll der Mittagstisch aufklären.

Ein weiteres großes Ziel ist es, die Menschen aus der Isolation zu holen. Wegen der zeitintensiven Pflege geben Angehörige viele soziale Kontakte auf. Durch das Treffen mit Gleichgesinnten könne ein neuer Freundeskreis aufgebaut werden: »Bei den anderen Treffen habe ich schon von gemeinsamen Urlauben und Weihnachtsfeiern gehört. Es bilden sich viele neue Freundschaften.«

Neue Anlaufstellen schaffen

Auch der Ort der Veranstaltung ist nicht zufällig gewählt. Denn durch den regelmäßigen Besuch des Seniorenzentrums soll die Angst vor dem Heim genommen werden. Frauke Burghardt-Oppermann, Leiterin des Seniorenzentrums, bestätigt dies. »Es ist in Seniorenzentren längst nicht mehr wie früher. Wir sind ein Dienstleister und dementsprechend handeln wir auch. Wir gehen auf die Senioren ein.«

Grundsätzlich möchte Karin Alex in jeder Gemeinde im Kreis Herford eine Anlaufstelle schaffen. Als nächste Standorte stehen Bünde und Herford auf dem Plan. Allgemein liegt ihr Fokus auf der Aufklärung über die Demenzerkrankungen, denn es gibt über 50 Unterarten. Und jede äußert sich anders. Deshalb gestaltet sie am 25. August gemeinsam mit ihrem Enkel einen Gottesdienst bei Pfarrer Sergej Klause im Sinne der Aufklärung. Es wird ein fiktives Gespräch geben: »Wie geht es mir mit meinem demenzkranken Mann/Großvater.«

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