Mo., 19.08.2019

In Hagedorn kündet ein Gedenkstein von einem Mord vor 414 Jahren Nebenbuhler aus Eifersucht erschlagen

Aus Eifersucht: Der Sühnestein aus dem Jahre 1605 erinnert an den jungen Meier, der vom Bauernsohn Kellermeier mit einem Pflugeisen erschlagen wurde. Die beiden Bauernsöhne und Nachbarn Kellermeier und Meier lagen wegen einer jungen Frau ständig im Streit.

Aus Eifersucht: Der Sühnestein aus dem Jahre 1605 erinnert an den jungen Meier, der vom Bauernsohn Kellermeier mit einem Pflugeisen erschlagen wurde. Die beiden Bauernsöhne und Nachbarn Kellermeier und Meier lagen wegen einer jungen Frau ständig im Streit. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Von Karl-Hendrik Tittel

Kirchlengern  (WB. Im dichten Grün Hagedorns, im alten Siek »Löschengrund« gelegen, kündet ein Stein von einer schaurigen Begebenheit, die sich dort vor über 400 Jahren zugetragen hat. Aus Eifersucht wurde ein junger Mann zum Mörder. Die Sage erzählt man sich noch heute im Kirchlengeraner Ortsteil.

Zwischen Linathsweg, Hagedorner Straße und Grüner Weg, etwa 300 Meter westlich des alten Hofes Große Löscher, ist er zu finden – der Sühnestein, der zum mahnenden Gedenken an die grausame Tat aufgestellt wurde. Früher verlief ein schmaler Weg entlang dieser Stelle, der den benachbarten Acker »Ieselsbrink« und den Siepen »Löschen Sump« voneinander trennte. Heute steht das steinerne Zeugnis auf Weidegrund an einer abfallenden Böschung neben einer mächtigen Eiche vor einem Maisfeld und ist von der Straße aus nicht zu sehen. Der wuchtige Sandstein trägt die Darstellung eines griechischen Kreuzes, das mit schwarzer Farbe nachgezogen worden ist, die stark verblasst ist. Einige sehen darin gar ein stilisiertes Pflugeisen als Hinweis auf die Mordwaffe. Über dem Kreuz wurde die Jahreszahl 1605 eingemeißelt, die nur noch mit etwas Mühe zu erkennen ist.

In eben diesem Jahr hat sich der Mord zugetragen. Die beiden Bauernsöhne und Nachbarn Kellermeier und Meier lagen wegen einer jungen Frau ständig im Streit. Wie auch in jener schicksalhaften Nacht, in der Kellermeier seinem Nebenbuhler auf dem Nachhauseweg zugerufen haben soll: »Lässt du nicht von meinem Mädchen, werde ich dich zu finden wissen.« Auch diesmal wollte keiner der eifersüchtigen Streithähne nachgeben und von dem Mädchen ablassen, so gingen beide hasserfüllt auseinander in Richtung ihrer elterlichen Höfe. Kurz darauf soll ein lauter Pfiff ertönt sein, und da jeder der Bauernsöhne glaubte, der andere wollte ihn provozieren, stürmten sie voller Wut aufeinander los. Der Sage nach soll es geklungen haben als wenn »zwei röhrende Hirsche einen Kampf austragen«.

Ein am Wege liegendes Pflugeisen diente Kellermeier – blind vor Eifersucht – als willkommene Waffe, mit der er den jungen Meier zu Boden streckte. Als dieser leblos liegen blieb, kam der Täter zur Besinnung und flüchtete ins dichte Tannengehölz auf das Gebiet des heutigen »Honigbeutels«, wo er ohnmächtig zusammenbrach. Als Kellermeier in der Morgendämmerung erwachte, wollte er fliehen, doch Tannenzweige umschlossen ihn so fest, dass er sich nicht rühren konnte. Drei Tage musste er so ausharren. Dann kam auf dem Weg zum Kirchhof nach Kirchlengern der Leichenzug für sein Opfer genau an dem Gehölz vorbei. Der Mörder hielt die Augen geschlossen, und erst als er schließlich hinsah, gaben ihn die Zweige wieder frei. Auf Meiers Hof hat er dann die Tat gestanden und Abbitte getan. Dann verschwand er auf Nimmerwiedersehen.

Diese Sage, wie andere heimische Gruselgeschichten auch, war zu Großmutters Zeiten noch recht lebendig in Hagedorn. So sagte man sich, dass um Mitternacht in der Nähe des Sühnesteins ein großer schwarzer Hund mit glühenden Augen sein Unwesen treiben würde.

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