Fr., 13.09.2019

Übergang in Kirchlengern bis auf weiteres gesperrt Bahn-Chaos nach Schranken-Unfall

Nachdem sie die Stromleitung vor und hinter der Unglücksstelle »bahngeerdet« haben, entfernen DB-Mitarbeiter die defekten Schranken vom 15.000-Volt-Kabel. Ein Notfallmanager der Bahn aus Minden beaufsichtigt die Arbeiten.

Nachdem sie die Stromleitung vor und hinter der Unglücksstelle »bahngeerdet« haben, entfernen DB-Mitarbeiter die defekten Schranken vom 15.000-Volt-Kabel. Ein Notfallmanager der Bahn aus Minden beaufsichtigt die Arbeiten. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Kirchlengern (WB). Dieser Freitag der 13. wird zahlreichen Zugreisenden in der Region in schlechter Erinnerung bleiben: Ein Unfall auf dem Bahnübergang an der Lübbecker Straße in Kirchlengern hat am Freitag ein Chaos im Schienenverkehr zur Folge gehabt.

Auslöser soll nach ersten Erkenntnissen der Polizei der Fahrer eines Busses mit Anhänger gewesen sein. Gegen 14.45 Uhr habe der Mann mit seinem Gefährt aus Fahrtrichtung Bünde kommend in die Ravensberger Straße – sie befindet sich direkt hinter dem beschrankten Bahnübergang – einbiegen wollen.

»Fast wie eine Explosion«

Während sich die Bahnschranken senkten, soll sich der Anhänger nach Zeugenaussagen noch mitten auf der Querung befunden haben. Eine Schranke habe sich an dem Anhänger verkeilt, der Bus sei dennoch losgefahren. Daraufhin sei der Metallpfosten wieder in die Höhe gefahren, habe sich verdreht und sei in die 15.000-Volt-Oberleitung über den Schienen geraten.

Durch das Gewicht der Schranken riss die Leitung auf der gegenüberliegenden Seite und fiel auf die Fahrbahn. »Eine Zeugin hat berichtet, dass das ganz schön gefunkt hat«, so ein Polizist vor Ort. Ein Anwohner der Bahnstrecke will einen lauten Knall gehört haben. »Das war fast wie eine Explosion«, erklärte der Mann gegenüber dieser Zeitung. Laut Polizei soll der Busfahrer zunächst weitergefahren, sich aber später telefonisch bei den Beamten gemeldet haben.

Schienenverkehr zwischen Osnabrück und Hannover eingestellt

Die umgehend alarmierte Feuerwehr sperrte den Bahnübergang sofort mit Flatterband ab, der Straßenverkehr wurde großräumig umgeleitet. Auch der nördliche Bahnsteig am Bahnhof Kirchlengern wurde geräumt: Hier war die Oberleitung wegen der fehlenden Spannung bis auf Kopfhöhe abgesackt. »Zum Glück ist niemandem etwas passiert, als die Oberleitung runterfiel. Wir reden hier von 15.000 Volt und nicht von 230. Das hätte böse ausgehen können«, so Einsatzleiter Klaus Westerholz von der Kirchlengeraner Feuerwehr.

Zeitgleich wurde der Schienenverkehr in dem viel befahrenen Bereich auf der Bahnstrecke zwischen Osnabrück und Hannover eingestellt. Es kam zu zahlreichen Zugausfällen und Verspätungen, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet, wie ein Notfallmanager der Deutschen Bahn berichtete. Der DB-Mann war aus Minden mit einem Mitarbeiter-Team angerückt, um den Schaden in Kirchlengern zu begutachten. Zunächst musste dafür der Strom an der Oberleitung abgestellt werden.

»Der Schrankenbaum muss wahrscheinlich komplett ersetzt werden. Auch die Technik am Bahnübergang ist beschädigt«, so das Urteil des Notfallmanagers. Er ordnete daher um 16.10 Uhr eine Komplettsperrung des Übergangs bis mindestens kommenden Dienstag an. Mitglieder der Feuerwehr und Arbeiter des Kirchlengeraner Bauhofs sicherten die Querung daraufhin mit Absperrgittern.

50.000 Euro Schaden

Gegen 17 Uhr rückte ein Spezial-Fahrzeug der Bahn – ein so genannter Turmtriebwagen – auf den Gleisen an. Die DB-Mitarbeiter machten sich daran, die defekte Schranke zu demontieren und den Schaden an der Oberleitung zu beheben. Der Notfallmanager ging zu diesem Zeitpunkt davon aus, das der Zugverkehr auf dem südlichen Gleis wieder gegen 21 Uhr rollen könnte, auf dem nördlichen gegen Mitternacht.

Allein der Schaden an der Schrankenanlage und der Bahntechnik sowie die Kosten für den Einsatz sollen sich vorsichtigen Schätzungen zufolge auf etwa 50.000 Euro belaufen. »Die Zugausfälle und Verspätungen sind da noch gar nicht eingerechnet«, so der DB-Mitarbeiter. Ob der mutmaßliche Verursacher oder das Busunternehmen dafür geradestehen müssen, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Polizei zum genauen Hergang des Unfalls dauern an.

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