Di., 17.09.2019

5188 Wahlberechtigte machen beim Bürgerentscheid mit Kirchlengeraner stimmen für neue Aqua-Fun-Sauna

Stolz präsentiert Martina Stade das Ergebnis der Abstimmung. Nun steht fest: Der Aqua-Fun-Neubau soll eine Sauna bekommen

Stolz präsentiert Martina Stade das Ergebnis der Abstimmung. Nun steht fest: Der Aqua-Fun-Neubau soll eine Sauna bekommen Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Kirchlengern (WB). Seit 18.57 Uhr am Dienstagabend steht fest: Der geplante Neubau des Freizeitbades Aqua Fun in Kirchlengern soll auch eine Sauna bekommen. Das Votum eines dazu durchgeführten Bürgerentscheids fiel eindeutig aus.

»Soll in der Gemeinde Kirchlengern – entgegen dem Ratsbeschluss vom 18. Februar 2019 – ein attraktives neues Aqua Fun mit Sauna entstehen?«: Über diese Frage hatten die Bürger per Briefwahl zu entscheiden. 5188 Kirchlengeraner machten mit, reichten fristgerecht ihre Stimmzettel ein. 2882 (55,66 Prozent) von ihnen votierten laut Auszählungsergebnis mit »Ja« – also pro Sauna. 2296 Kirchlengeraner (44,34 Prozent) kreuzten »Nein« an. Zehn ungültige Stimmen wurden registriert. Das benötigte Quorum zur Gültigkeit des Entscheids (20 Prozent der stimmberechtigten Bürger mussten mit »Ja« stimmen) wurde erreicht.

Initiatorin ist zufrieden

Martina Stade hatte mit ihrer Bürgerinitiative die Werbetrommel für eine Sauna gerührt. Bei der Verkündung des Ergebnisses war sie im Rathaus. »Die Abstimmung war bis zum Schluss spannend. Ich bin froh und glücklich, dass die Bürger so entschieden haben«, meinte die 54-Jährige. Nach ihrem Erfolg gönnte sie sich mit ihren Mitstreitern erst einmal ein Pizza.

Auch Bürgermeister Rüdiger Meier bewertete den Ausgang des Bürgerentscheids positiv: »Ein neues Bad mit Sauna ist einfach attraktiver und wirtschaftlicher.« Das Gemeindeoberhaupt geht davon aus, dass bis zum Herbst 60 Prozent der Arbeiten am geplanten Neubau ausgeschrieben sein werden. Über die Auftragsvergabe soll die Lokalpolitik im November entscheiden. Dann wäre auch die letzte Gelegenheit – sollten die Kosten ausufern – das Projekt zu stoppen. Kalkuliert wird mit rund 11 Millionen Euro. 8,7 Millionen davon muss die Kommune stemmen, 2,3 Millionen stammen aus genehmigten Fördermitteln. Geht alles glatt, könnte das neue Freizeitbad im Sommer oder Herbst 2021 in Betrieb gehen.

Darum kam’s zum Entscheid

Im Februar hatte sich eine Mehrheit des Gemeinderates in geheimer Abstimmung dafür ausgesprochen, dass der Neubau des Freizeitbades ohne einen Saunabereich erfolgen soll. Dadurch versprachen sich die Lokalpolitiker eine Kostenersparnis für das Millionenprojekt in Höhe von rund 885.000 Euro.

Mit der Entscheidung waren Stade und ihre Mitstreiter allerdings nicht einverstanden und starteten ein Bürgerbegehren. 1591 Einwohner unterschrieben auf ihren Listen für eine neues Aqua Fun mit Sauna. In der Sitzung am 29. Juni sprach sich eine Mehrheit des Gemeinderates gegen die Forderung der Sauna-Befürworter aus – und machte somit den Weg für den Bürgerentscheid frei.

13.326 Briefe verschickt

Zum Start der Abstimmung am 6. August wurden die Briefwahlzettel an 13.326 Kirchlengeraner Bürger verschickt, die die Kriterien für eine Wahl-Teilnahme erfüllten. Diejenigen, die erst Abstimmungsstart nach Kirchlengern zogen, wurden bis zum 1. September ins Wahlverzeichnis nachgetragen. Kurios: Verstirbt ein Abstimmungsberechtigter, der sich an dem Entscheid beteiligt hat, fließt seine Stimme trotzdem ins Endergebnis ein. Laut Michael Doemke – im Kirchlengeraner Rathaus zuständig für EDV, Wahlen und Statistik – gab es in Kirchlengern seit Versendung der Unterlagen 19 Todesfälle.

Blick in die Historie

Am 5. November 1997 gab’s in Kirchlengern schon mal einen Bürgerentscheid. Damals hatten sich Einwohner aus Kostengründen gegen eine geplante Rathauserweiterung für rund 1,9 Millionen D-Mark ausgesprochen. »Beim Bürgerbegehren zuvor hatten 1939 Kirchlengeraner unterschrieben«, so Michael Doemke. Das Ergebnis des Entscheids fiel damals ziemlich eindeutig aus: 3115 Bürger stimmten gegen die Erweiterung, nur 662 sprachen sich dafür aus.

Kommentar

Sich für irgendetwas einsetzen? Das bringt doch nichts: Das denken zumindest oftmals viele Bürger. Das diese Einschätzung falsch ist, haben Martina Stade und ihre Mitstreiter eindrucksvoll bewiesen. Unermüdlich und mit viel Engagement haben sie sich für ihr Ziel eingesetzt, viel Zeit geopfert und nie aufgegeben. Und jetzt steht fest: Ihr Einsatz wurde auch belohnt. Klar kann man in der Sauna-Frage anderer Meinung sein, dennoch sollte man den Erfolg der Befürworter respektieren.Daniel Salmon

 

Kommentare

Blinde und sehbehinderte fragen sich wieso kein Geld für Leitlinien vorhanden ist?

Das Bad in Kirchlengern wird erneuert, das hat auch seine Berechtigung und alles ist für mich okay.
Was ich nur nicht verstehen kann ist das in Stift quernheim trotz Bauamt und behindertenbeauftragten
Mit denen die Blinden und Sehbehinderten in Kontakt standen nichts bewirkt hat. Es fehlen bei der schön angelegten Straße und bürgersteige die Leitlinien für blinde Menschen.
Teilweise wurden Markierung und Teil Leitlinien angebracht diese sind auch wichtig.
.diese, Leitlinien sind da für da damit sich der Blinde oder Sehbehinderte Mensch sich orientieren kann.
Mir persönlich wurde gesagt dafür ist kein Geld eingeplant gewesen und dem Bürger mehrkosten aufzubürden das wolle man ja auch nicht. Jetzt aber stellt die Kommune über 8 Millionen Euro für ein Bad zur Verfügung, was für die Allgemeinheit ja auch toll ist.
es wird aber den behinderten Menschen erzählt dass für diese Platten und deren Verlegung kein Geld vorhanden ist. Wie passt dieses zusammen? Meiner Meinung nach gar nicht.
die bürgersteige sind wirklich schön und breit angelegt aber da ist das Problem man hat fast keine Möglichkeit sich zu orientieren ,mit einem blindenstock weil die Flächen zu groß sind man stößt dabei auch dann auf Hindernisse wie angelegte Beete.
Meine Frage an den Bürgermeister wäre wann wird dieses nachgebessert?

1 Kommentare

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