Fr., 15.11.2019

Kinder loben und tadeln mit der Polizei Autofahrer auf der Elsestraße Schüler haben Temposünder im Visier

Logisch, dass auch die Grundschüler selbst mal einen Blick durch das Lasermessgerät werfen dürfen.

Logisch, dass auch die Grundschüler selbst mal einen Blick durch das Lasermessgerät werfen dürfen. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Kirchlengern (WB). Statt im Klassenraum zu pauken, haben die Erstklässler der Grundschule Südlengern am Freitagmorgen Temposünder zur Rede gestellt. Gemeinsam mit der Polizei führten sie an der Else­straße eine Aktion zur Schulwegsicherung durch.

Mit seiner Kelle winkt Polizeioberkommissar Andreas Liedtke den weißen Kastenwagen in eine Nebenstraße. Hinterm Steuer des Transporters sitzt Jörg Kirchner. »Ich war erst etwas geschockt, habe gedacht: Verdammt, war ich etwa zu schnell?«, gesteht der 50-Jährige später. Als er aber sein Fenster herunterkurbelt streckt ihm zu seiner Überraschung Erstklässlerin Haylee ein rote Rose aus Pappe entgegen. »Danke, dass du dich so schön an die Geschwindigkeit gehalten hast«, sagt die Sechsjährige und Kirchner lächelt erleichtert.

Rose oder Zitrone?

Der Löhner ist einer von mehreren Autofahrern, die sich an diesem Morgen ein Lob der Schüler abholen dürfen. »Rose/Zitrone« nennt sich die Aktion, die die Polizei gemeinsam mit den Schülern durchführt. »Auf der Elsestraße gilt Tempo 50. Autofahrer, die zu schnell waren, bekommen eine Zitrone aus Pappe. Die, die angemessen fahren, eine Rose«, erklärt Verkehrssicherheitsberater Dieter Linnenbeker. Der Beamte fährt fort: »Auf diese Weise wollen wir als Polizei mit Hilfe der Kinder die Verkehrsteilnehmer dahingehend sensibilisieren, dass sie in angemessenem Tempo an Schulen vorbeifahren. Uns geht’s in der Sache primär um Prävention.«

Projekt lief schon in Herford

Im Juli hatten die Beamten das Projekt bereits in Herford durchgeführt. Dieses Mal nehmen sie mit ihrem Laser-Messgerät die Autos auf der viel befahrenen Straße in Kirchlengern ins Visier – und einige von ihnen sind tatsächlich etwas zu flott. So auch eine Dame in einem Kombi, bei der nach Abzug der Toleranz 54 km/h gemessen werden. »Du warst zu schnell«, sagt Schülerin Davina und drückt ihr eine gelbe Pappfrucht in die Hand. Die Frau sieht ihren Fehler rasch ein. »Das mache ich echt nie wieder. Die Zitrone lege ich mir als Erinnerung auf’s Armaturenbrett«, verspricht sie. Am Ende der rund einstündigen Aktion resümiert Dieter Linnenbeker: »Grobe Tempoverstöße hatten wir nicht. Und alle, die eine Zitrone bekommen haben, zeigten sich am Ende einsichtig.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7067814?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2645482%2F