450 Mitglieder: Vorsitzender Knickmeier appelliert an Politiker – Teilnahme an Sitzung
„Aqua-Fun-Schließung gefährdet DLRG“

Kirchlengern (WB). Die DLRG-Ortsgruppe Kirchlengern ist geschockt und sieht den Fortbestand des 450 Mitglieder starken Vereins in Gefahr. Grund ist die Sitzungsvorlage für den nächsten Hauptausschuss. Die Politiker sollen darüber entscheiden, das alte Aqua Fun möglicherweise nicht wieder zu eröffnen. Es musste im März wegen Legionellen-Problemen geschlossen werden. Derzeit läuft der Neubau hinter dem alten Bad. „Ursprünglich war vorgesehen, dass der Betrieb während der kompletten Bauarbeiten weitergeht. Das ist wichtig für unsere Arbeit – vor allem mit den 350 Kindern und Jugendlichen“, sagt DLRG-Vorsitzender Frank Knickmeier.

Dienstag, 16.06.2020, 20:00 Uhr
Die Gemeinde überlegt, das alte Aqua Fun nach den Legionellen-Problemen möglicherweise nicht wieder zu eröffnen. Foto: Daniel Salmon
Die Gemeinde überlegt, das alte Aqua Fun nach den Legionellen-Problemen möglicherweise nicht wieder zu eröffnen. Foto: Daniel Salmon

Natürlich habe er versucht, in Nachbarkommunen wie Bünde oder Löhne Zeiten in den dortigen Bädern zu bekommen. Außer ganz vereinzelten Angeboten sei das aber so gut wie nicht möglich.

Große Herausforderung

Die jetzige Situation sei die größte Herausforderung für den Verein in der 50-jährigen Geschichte. Müsse der Betrieb eingestellt werden, sorgt sich Knickmeier vor allem darum, dass den Kindern keine Schwimmangebote vor Ort geboten werden können. „Noch größer aber ist das Problem, nach so einer Pause neue Übungsleiter zu finden. Alle Vereine haben zu kämpfen, um Ehrenamtliche zu gewinnen. Unsere Übungsleiter brechen uns dann weg. Es ist fraglich, ob wir uns danach überhaupt wieder neu aufstellen können“, ist Knickmeier skeptisch.

Die DLRG nutzt das Aqua Fun für Anfängerschwimmen, Schwimmtraining, Ausbildung von Rettungsschwimmern, Sport- und Tauchausbildung sowie für Schwimmkurse für Menschen mit Behinderung. Wöchentlich treffen sich dabei 200 Mitglieder im Bad.

Viele Nutzer

Neben der DLRG wird das Aqua Fun vom Reha-Sport-Verein, für Schwimmkurse und vom Sportbildungswerk als größtem Nutzer in Anspruch genommen. Das Sportbildungswerk hat jährlich 40 verschiedene Kurse mit bis zu 700 Teilnehmern im Programm.

Der DLRG-Ortsverein hatte sich direkt nach der Schließung Gedanken gemacht, sich kurzfristig an den Reparaturkosten zu beteiligen – jeder Nutzer könnte pro Besuch einen Euro zahlen. „Wir sind enttäuscht und können nicht verstehen, dass unser Vorschlag keine Erwähnung in der Vorlage zur Sitzung findet“, sagt Knickmeier. Auch sei dem Verein kein weiterer Gesprächstermin, um über Möglichkeiten der Unterstützung zu sprechen, vorgeschlagen worden.

Eine Anfrage zu dem Thema, ob das Sportbildungswerk so einem Vorschlag folgen könnte, sei nach Informationen des Vereins ausgeblieben. Mit der Umsetzung des Vorschlages könnten die Reparaturkosten um etwa 21.000 Euro gesenkt werden, da mehr als 500 Sondergäste das Bad jede Woche nutzten.

Was passiert mit Schulschwimmen

Für den Verein seien viele Fragen mit der Vorlage nicht beantwortet. „Wird das Schulschwimmen ausgesetzt oder hat die Verwaltung eine Alternative für die 200 Grund-, Gesamt-, und Förderschüler? Welche Kosten ergeben sich aus der Anmietung von Schwimmbahnen und dem Transport der Schüler?“ Das Land NRW fordere, dass jedes Kind nach der vierten Klasse sicher schwimmen kann. „Das muss doch weiter gesichert sein“, so der Vorsitzende. „Die Lücke, die eine Schließung des Bades ohne Alternativen reißt, kann dazu führen, dass Kinder nie oder nur schlecht das Schwimmen lernen. Es kann verstärkt zu Ertrinkungsunfällen kommen“, warnt Knickmeier.

Corona-Konzept

Auch zum Thema Corona hat sich der Verein Gedanken gemacht und ein Grundkonzept erarbeitet. Das würde nach Stand vom 16. Juni einen Schwimmbetrieb in neun Schichten mit jeweils zwei Gruppen à zehn Teilnehmern vorsehen.

Teilnahme an Sitzung

Der Vorstand des Vereins weist darauf hin, dass er nur mit Mitgliedern aus dem Vorstand bei der Hauptausschusssitzung vertreten sein wird. „Wir können und wollen in Zeiten von Corona nicht hunderte Mitglieder mobilisieren. Dann müsste die Sitzung in der Mehrzweckhalle aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Das wollen wir nicht“, sagt Knickmeier.

Er hoffe, dass die Ratsmitglieder die Fakten, die der Verein anführt, berücksichtigt. „In Zeiten des Kommunalwahlkampfes frage ich mich auch, wie die einzelnen Bürgermeisterkandidaten zu einer eventuellen Schließung des Aqua Funs stehen“, meint Knickmeier, der selber schon für die CDU im Rat der Gemeinde gesessen hat.

Vorschlag der Verwaltung

Inzwischen wurden seitens der Verwaltung Überlegungen angestellt, welche Maßnahmen wegen der Legionellenproblematik im Aqua Fun getroffen werden müssten, um das Bad wieder öffnen zu können. Auch eine dauerhafte Schließung ist im Gespräch.

Als denkbare Lösung käme der Einbau einer UV-Filtration im Trinkwasserkreislauf in Frage oder aber der Einbau von zwei UV-Filtrationen in den Freibad- und Hallenbadkreislauf. Kosten: bis zu 55.000 Euro. Die Hersteller und Lieferanten sähen große Erfolgschancen, gäben aber keine Garantie für den dauerhaften Rückgang der Legionellenbelastung. „Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass das Bad bei Rückkehr der Legionellenprobleme wieder geschlossen werden muss“, heißt es in der Vorlage.

Zusätzlich zu der Legionellenproblematik müsse man aber auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie im Blick haben. So dürften sich gemessen an der Wasserfläche maximal 37 Personen pro Stunde im Becken aufhalten.

Schließung denkbar

„Diese Gesamtsituation mit der nicht risikofreien Lösung für das Legionellenproblem und den coronabedingten Einschränkungen für einen relativ kurzen Betriebszeitraum hat die Verwaltung veranlasst, auch darüber nachzudenken, das Hallenbad eventuell nicht wieder zu öffnen und diese Situation zu nutzen, um den Abriss des alten Bades vorzuziehen“, heißt es in der Vorlage. Dann könnte der Bauablauf so optimiert werden, dass dann bis zur Eröffnung 2021 des neuen Bades sowohl die Straße Am Hallenbad und die kompletten Außenanlagen inklusive der Herrichtung der Abrissfläche mit Behindertenparkplätzen und Fahrradabstellanlage hergestellt wäre.

Eröffnung bedeutet Defizit

„Insgesamt sei damit zu rechnen, dass sich das Betriebsergebnis für 2020 und 2021 bei Wiederaufnahme eines eingeschränkten öffentlichen Badebetriebes insgesamt um 350.000 Euro schlechter darstellt, als bei Beibehaltung der Schließung“, heißt es weiter in der Vorlage.

Über eine mögliche Nicht-Wiedereröffnung des Bades wird der Hauptausschuss der Gemeinde in seiner Sitzung am Donnerstag, 18. Juni, beraten.

 

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