Prozessauftakt nach spektakulärem Raub im Penny-Markt Südlengern
Trieb sie die Sucht zum Überfall?

Kirchlengern/Bielefeld (WB). War der Raubüberfall auf den Penny-Markt in Südlengern ein Fall von Beschaffungskriminalität? Die Finanzierung ihrer Drogen-, Alkohol- und Spielsucht könnte die 36 und 48 Jahre alten Männer aus Lübbecke bewogen haben, am Abend des 21. Januar den Supermarkt an der Elsestraße zu überfallen oder zumindest dabei eine Rolle spielen.

Donnerstag, 18.06.2020, 08:00 Uhr
Während sein mutmaßlicher Komplize (36) Anfang April aus der Untersuchunghaft entlassen wurde, sitzt ein 48 Jahre alter Lübbecker – hier im Bild mit seinem Anwalt Martin Mauntel – noch hinter Gittern. Seit Mittwoch müssen sich beide vor Gericht verantworten. Foto: Bexte
Während sein mutmaßlicher Komplize (36) Anfang April aus der Untersuchunghaft entlassen wurde, sitzt ein 48 Jahre alter Lübbecker – hier im Bild mit seinem Anwalt Martin Mauntel – noch hinter Gittern. Seit Mittwoch müssen sich beide vor Gericht verantworten. Foto: Bexte

Das legen nach Informationen dieser Zeitung zwei Gutachten nahe, die ein Sachverständiger am zweiten Verhandlungstag am heutigen Donnerstag vor der XX. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld erläutern wird. So sollen die Angeklagten vor der Tat viel Alkohol getrunken haben. Dem 36-Jährigen, der zwei Stunden nach der Tat mit dem erbeuteten Geld in einem nahen Gebüsch festgenommen worden war, sei eine Blutprobe entnommen worden, die noch einen erheblichen Restalkohol bestätigte. Aber auch illegale Drogen sowie ein Hang zum Glücksspiel sollen die Tat befördert haben.

Nach Informationen dieser Zeitung strebt der ältere Angeklagte eine Therapie an. Er war nach der Tat geflüchtet und erst knapp drei Wochen später bei seiner Wiedereinreise am Flughafen Hannover gefasst worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der Haftbefehl gegen seinen Komplizen war am 2. April aufgehoben worden, unter anderem wegen nicht bestehender Fluchtgefahr. Seitdem ist der gebürtige Lübbecker wieder auf freiem Fuß.

Mit Beil und Vorschlaghammer bewaffnet

Sein Kompagnon war 1996 aus der Türkei nach Deutschland gekommen, spricht aber nur unzulänglich Deutsch, sodass ihm während des Prozesses eine Dolmetscherin zur Seite steht.

Die beiden Männer, die sich in Lübbecke kennen gelernt hatten, haben sich bereits ausführlich gegenüber der Polizei zu den Vorwürfen geäußert und wollen dies auch im Prozess tun. Die Tat an sich streiten sie demnach nicht ab. Unklar ist offenbar nur, wer welchen Anteil an Planung aus Ausführung hatte.

Zum Prozesssauftakt am Mittwoch verlas Staatsanwalt Leenert Klattenberg lediglich die Anklage. Demnach hatten die Männer am Tattag gegen 20.50 Uhr den Penny-Markt betreten. Der 36-Jährige trug einen aufgespannten Regenschirm, um sich vor Videoaufzeichnungen zu schützen, sowie ein Beil. Der 48-Jährige war mit einem Vorschlaghammer bewaffnet. Beide waren maskiert und trugen Handschuhe. Mit dem Ausruf „Achtung Überfall!“ forderten sie eine Kassiererin und drei Kundinnen auf, sich auf den Boden zu legen.

4500 Euro erbeutet

Gemeinsam führten sie die Frauen dann in einen Lagerraum, wo sich eine weitere Mitarbeiterin befand, die über den Schlüssel zum Tresorraum verfügte. Der jüngere Täter ging mit ihr zum Tresor und ließ sich knapp 4500 Euro aushändigen. Der andere Täter blieb bei den anderen, auf dem Boden liegenden Geiseln. Einer Frau, die sich nicht sofort seinen Anweisungen gefügt habe, soll er den Vorschlaghammer in den Nacken gedrückt und als Mahnung mit dem massiven Werkzeug auf den Boden geschlagen haben.

Dass die Tat so schnell aufgeklärt werden konnte, ist auch dem Zufall zu verdanken: Just in dem Moment, in dem die maskierten Täter mit ihren Waffen den Supermarkt betraten, fuhr eine Polizeistreife vorbei, die umgehend Verstärkung und ein Spezialeinsatzkommando anforderte. Das Anrücken der Einsatzkräfte muss der 48-Jährige Täter bemerkt haben. Denn als sein Komplize mit der Beute aus dem Tresorraum kam, war er bereits geflüchtet. So wurde im Rahmen des größten Polizeieinsatzes seit Jahren in Kirchlengern zunächst nur der 36-Jährige festgenommen.

Bis zum 26. Juni sind noch vier Verhandlungstermine angesetzt.

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