Zweiter Verhandlungstag: Angeklagte räumen Tat ein – Zeugen sagen Montag aus
Andere Raubserie diente als Vorbild für Penny-Überfall

Kirchlengern/Bielefeld (WB). Die beiden im Südlengeraner Penny-Raub-Prozess vor dem Bielefelder Landgericht angeklagten Männer (36 und 48 Jahre) aus Lübbecke hatten sich für ihre Tat scheinbar eine andere Überfallserie zum Vorbild genommen. Das sagte Lutz Klose, Verteidiger des jüngeren Angeklagten, dieser Zeitung am Donnerstag.

Donnerstag, 18.06.2020, 17:30 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 17:50 Uhr
Die beiden Angeklagten haben eingeräumt, die Penny-Filiale in Südlengern am 21. Januar überfallen zu haben. Foto: Daniel Salmon
Die beiden Angeklagten haben eingeräumt, die Penny-Filiale in Südlengern am 21. Januar überfallen zu haben. Foto: Daniel Salmon

Am zweiten Verhandlungstag vor der XX. Strafkammer hatte das Duo die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft weitgehend eingeräumt. Als Motiv für den Überfall Anfang Januar hätten sie akute Geldnot angegeben. „Mein Mandant schilderte, dass sich die beiden angefreundet und ihren Frust miteinander geteilt hätten“, so der Rechtsanwalt. Irgendwann seien die zwei Männer dann auf die Idee gekommen, ihre finanziellen Probleme mit einem Überfall lösen zu wollen. Klose: „Beide haben erhebliche Schulden.“

1,5 Promille im Blut

Pate für den letztlich missglückten Coup am Abend des 21. Januar dieses Jahres habe eine andere Raubserie gestanden. Denn bereits seit Mitte März vergangenen Jahres hatten mehrere Überfälle auf Verbrauchermärkte und Discounter die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke auf Trab gehalten. Im Internet und in Zeitungen, so Lutz Klose, hätten der 36-Jährige und sein älterer Kompagnon Berichte über die Taten entdeckt. „Und deshalb sind sie wohl auch auf die Idee gekommen, zu dem Überfall einen Vorschlaghammer mitzunehmen.“ Denn in den Veröffentlichungen habe gestanden, dass die Täter bei den anderen Überfällen ähnlich bewaffnet gewesen sein sollen.

Dass sich das kriminelle Duo ausgerechnet die Penny-Filiale an der Elsestraße in Kirchlengern als Ziel ausgesucht habe, sei purer Zufall gewesen. „Mein Mandant fährt an dem Laden immer auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle vorbei. Das Geschäft hat er aber vor dem Überfall nie betreten oder ausbaldowert“, erläuterte Klose. Nach Angaben des Anwalts hätten beide Angeklagte eingeräumt, während der Tat unter Alkoholeinfluss gestanden zu haben. „Sie haben sich vorher mit Whiskey sozusagen Mut angetrunken.“ Tatsächlich soll im Fluchtwagen, den die Polizei am Tatabend auf dem Supermarktgelände aufspürte, eine Whisky-Flasche gefunden worden sein. Laut eines Gutachtens soll der 36-Jährige zum Tatzeitpunkt einen Blutalkoholwert von 1,5 Promille gehabt haben.

Plädoyer am Mittwoch

Wie berichtet, war der jüngere Angeklagte bereits kurz nach der Tat mit der Beute in Höhe von 4500 Euro von der Polizei geschnappt worden. Sein Kumpel ging den Ermittlern einige Wochen später ins Netz.

Der Landgerichtsprozess soll am kommenden Montag, 22. Juni, fortgesetzt werden. Dann sollen die Penny-Mitarbeiterinnen und die Kundinnen, die sich während des Überfalls im Markt aufhielten, vernommen werden. Zudem soll ein Gutachten vorgelegt werden, das den Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert, so Rechtsanwalt Klose. Er geht davon aus, dass die Plädoyers am nächsten Mittwoch gehalten werden. Dann könnte auch ein Urteil fallen. Eigentlich ist der letzte Prozesstag für Freitag, 26. Juni, angesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7456646?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2645482%2F
Merkel ruft zu Tempo bei Bundes-Notbremse auf
Für Bundeskanzlerin Angela Merkel überwiegen die Vorteile der Coronna-Maßnahmen die Nachteile.
Nachrichten-Ticker