CDU erwartet von SPD sachliche Diskussion über Schließung des Altbaus
Aqua-Fun-Streit geht in nächste Runde

Kirchlengern  (WB/hr). Soll im alten Freizeitbad Aqua Fun eine Desinfektionsanlage für etwa 36.000 Euro eingebaut werden – obwohl das Bad im kommenden Jahr abgerissen wird? Diese Frage bewegt derzeit nicht nur die Kommunalpolitiker in Kirchlengern. Während der letzten Ratssitzung hatte sich eine Mehrheit gegen den Einbau ausgesprochen, was von der SPD kritisiert worden war.

Donnerstag, 09.07.2020, 09:00 Uhr
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Das Aqua Fun ist aufgrund eines Legionellenproblems geschlossen. Eine Ratsmehrheit hat den Einbau einer Desinfektionsanlage abgelehnt – unter anderem deshalb, weil das alte Bad im kommenden Jahr abgerissen wird. Foto: Hilko Raske
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Das Aqua Fun ist aufgrund eines Legionellenproblems geschlossen. Eine Ratsmehrheit hat den Einbau einer Desinfektionsanlage abgelehnt – unter anderem deshalb, weil das alte Bad im kommenden Jahr abgerissen wird. Foto: Hilko Raske

Die CDU reagiert auf diese Äußerungen aus den SPD-Reihen zur dauerhaften Schließung und möchte das Thema nochmals sachlich betrachten. „Ich kann mir das Gezeter nur mit großer Nervosität und fehlender Einigkeit innerhalb der SPD-Fraktion erklären“, sucht Torsten Henke, Pressesprecher der CDU-Fraktion und des Gemeindeverbandes, Gründe für das Verhalten. „Natürlich ist Wahlkampf bissig und emotional, aber man sollte doch versuchen, sich an Fakten zu orientieren und ein gewisses Niveau zu halten. Unserem Fraktionsvorsitzenden Christian Bobka wurde öffentlich von SPD-Fraktionschef Oliver Lücking Erpressung vorgeworfen, und nun von SPD-Ratsherr Ingo Scheiding auch noch bewusste Irreführung des Gemeinderates. Diese Vorwürfe sind unhaltbar und unter der Gürtellinie. Das politische Niveau der SPD-Fraktionsspitze und deren Sprecher ist unterirdisch“, empört sich Henke.

Nach der Entscheidung zur dauerhaften Schließung des Aqua Fun zeige sich die SPD erneut als schwieriger Mitstreiter in Kirchlengern, meint Henke. „Argumente zu Gesundheitsrisiken werden von den Sozialdemokraten beiseite gewischt und ignoriert. Das Risiko des Verlustes der Reparaturkosten in Höhe von rund 36.000 Euro will die SPD aber eingehen, obwohl die Fachleute der Instandsetzung kaum eine Chance geben.“

Das Einsparpotenzial von etwa 350.000 Euro Betriebskosten sehe man auch nicht, weil das Geld sowieso im Haushalt eingestellt gewesen sei. „Wie kann die SPD mit dem Geld des Steuerzahlers so leichtfertig umgehen?”, fragt sich Michael Steffen, der für CDU zur Kommunalwahl antritt. „Corona ist noch längst nicht vorbei. Die Gemeinde hat 2019 und 2020 gut gewirtschaftet. Die erreichten Überschüsse werden aber durch die zu erwartenden geringeren Gewerbeeinnahmen aufgefressen, 350.000 Euro sind dann viel Geld. Da kann die SPD doch nicht sagen, das die eh schon verplant waren und somit abgeschrieben sind“, ergänzt Steffen.

Zur technischen Bewertung der Instandsetzungsmaßnahmen äußert sich CDU-Ratsmitglied Dieter Bentrup: „Christian Bobka hat in der Ratssitzung richtig gesagt, dass die Fachfirma für die Lösung des Legionellenproblems keine Gewährleistung übernimmt und auch Fachplaner nicht hundertprozentig von der Wirkungsweise überzeugt sind.“

Belastetes Wasser werde durch eine UV-Anlage geführt und mittels UV-Strahlung entkeimt. Im Anschluss an die UV-Filtration würden kilometerlange, sehr marode Rohrleitungen zu den einzelnen Verbrauchern wie Schwimmbecken, Duschen und Waschbecken kommen. Es sei also blauäugig zu glauben, dass sich trotz der UV-Filtration nicht wieder Legionellen bildeten. Zusätzlich müssten die Rohrleitungen mit aggressiven Chemikalien gespült werden – Leckagen seien programmiert.

SPD-Ratsmitglied Ingo Scheidung habe behauptet, dass Bobka die Erfolgsaussichten in der Sitzung falsch dargestellt und die anderen Ratsmitglieder in die Irre geführt habe. „Bobka hat sich aber auf die Instandsetzung als Ganzes bezogen, nicht auf einen technischen Baustein im System. Das war jedem Anwesenden klar und ging auch aus der Stellungnahme der Verwaltung hervor. Wenn dem so gewesen wäre, wäre das doch auch den anderen anwesenden Ratsmitgliedern aufgefallen, doch dem war nicht so. Die Behauptung von Ingo Scheiding ist schlichtweg falsch“, stellt Henke klar, der selbst in der Ratssitzung anwesend war.

Die Unzufriedenheit innerhalb der SPD bekomme auch die Verwaltung der Gemeinde Kirchlengern zu spüren, sagt der Südlengeraner. „Oliver Lücking wirft der Gemeinde vor, die letzten vier Monate nichts gegen das Legionellenproblem getan zu haben“, zitiert Henke einen Facebookbeitrag Lückings. „Das Problem mit den Legionellen ist doch kein neues, sondern beschäftigt die Gemeinde und das Gesundheitsamt schon seit rund zehn Jahren. Deswegen musste doch auch eine Alternative, also ein neues Bad her“, sagt Henke dazu. „Die Verwaltung hat sich neben der Suche nach Instandsetzungsmöglichkeiten auch darum bemüht, Alternativen für die DLRG und den Schulschwimmsport zu finden. So versicherte Fachbereichsleiter Michael Höke in der Ratssitzung, Alternativen gefunden zu haben, selbst der Bürgermeister hat sich dazu mit anderen Kommunen ausgetauscht.“

Henke hofft, das sich die SPD-Mitglieder wieder auf den Kern der Sache besinnen würden. „Kommunalpolitiker sind gewählte Vertreter des Volkes. Wir haben eine Aufgabe, die es zu erfüllen gibt. Darauf sollte sich der Mitbewerber wieder konzentrieren, damit Kirchlengern auch weiterhin zukunftssicher bleibt“, sagt der CDU-Sprecher.

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