Neue Anlagen auf dem Reesberg in Kirchlengern rufen viele Einwände hervor
Kreis bläst Windkraftpläne ab

Kirchlengern (WB). Auf den ersten Blick wirkt der Reesberg in Kirchlengern wie extra für Windkraftanlagen aufgeschüttet. Auf dem höchsten Punkt Kirchlengerns gibt es nichts außer einer Rasenfläche. Unten wird eine Deponie betrieben.

Dienstag, 06.10.2020, 05:05 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 05:10 Uhr
Oben auf dem Reesberg über der Deponie wäre doch ein idealer Platz für ein paar Windräder. Doch der Kreis nimmt dem Prüfungsantrag der Grünen den Wind aus den Segeln: Der Berg ist keine Vorrangfläche, eine Verankerung im Deponieboden schwierig. Foto: Stephan Rechlin
Oben auf dem Reesberg über der Deponie wäre doch ein idealer Platz für ein paar Windräder. Doch der Kreis nimmt dem Prüfungsantrag der Grünen den Wind aus den Segeln: Der Berg ist keine Vorrangfläche, eine Verankerung im Deponieboden schwierig. Foto: Stephan Rechlin

Darum haben die Grünen im Kreistag auch beantragt, dort den Neubau von Windrädern planungsrechtlich und technisch prüfen zu lassen. Dabei hat Kreis-Dezernatsleiter Helmut Lückingsmeier allerdings herausgefunden, dass es eben doch nicht so leicht ist, auf dem Reesberg mal eben sieben Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen.

Das größte Hindernis ist seiner Vorlage an den Kreisumweltausschuss zufolge der Beschluss des Rates in Kirchlengern, Vorrangflächen für Windräder in der Gemeinde auszuweisen. Mit solchen, speziell für den Bau von Windkraftanlagen vorgesehenen Flächen beugt die Gemeinde Klagen von Anwohnern und möglichen Windkraft-Gegnern vor. Der Reesberg gehört nicht zu diesen Vorrangflächen. Sollte er doch in die Liste aufgenommen werden, müssten in einem Flächennutzungsplan-Verfahren sämtliche windkraftgeeigneten Areale in Kirchlengern noch einmal geprüft werden. Erst wenn sich die Gemeinde entscheidet, dieses Fass noch einmal zu öffnen, hat es der Kreisvorlage zufolge Sinn, alle weiteren Prüfungen vorzunehmen.

Technische Hürde

Denn mit einer neuen Vorrangfläche auf dem Reesberg allein ist es noch nicht getan. Die kreiseigene Fläche wird im Norden begrenzt durch die Autobahn A 30, im Westen durch Wohnsiedlungen, im Süden durch Wald. Im Osten liegt das interkommunale Gewerbegebiet Oberbehme. Zudem überquert eine Hochspannungsleitung das Gelände in Nord-Süd-Richtung. Die technisch höchste Hürde aber werden die Bodenverhältnisse darstellen. Die Deponie Reesberg gliedert sich in einen Altdeponieteil sowie einem neuen Deponieabschnitt, der sich teilweise mit dem Altdeponiekörper überschneidet. Die Altdeponie wurde mit einem aufwändigen Oberflächenabdichtungssystem versehen, das aus einer 50 Zentimeter mächtigen Gasdränageschicht, einer wasserdichten Dichtungsbahn aus Hartpolyethylen (HDPE), einem Entwässerungs-Geotextil und einer ein Meter dicken Rekultivierungsschicht besteht. Im neuen Deponieabschnitt kommt noch eine 60 Zentimeter dicke mineralische Dichtung hinzu. Unterhalb der Oberflächenabdichtung befinden sich ein Entgasungssystem sowie eine Sickerwasserfassung. Auf der gedichteten Deponieoberfläche wird das Regenwasser über ein Grabensystem abgeleitet.

Deponie ist besonders geschützt

Die Systemkomponenten sind den Angaben des Kreises zufolge so ausgelegt, dass sie nachhaltig Bestand haben und die statischen Erfordernisse erfüllen. Ein nachträglicher Eingriff in dieses System sei nicht möglich ohne die Einbauten zu beschädigen. Die Vorkehrungen zur nachhaltigen Sicherung des Altdeponiestandortes zu konterkarieren, sei schwierig. Alle diese Maßnahmen dienen dazu, den Austritt von Gasen und Deponie-Abwässern in die Luft oder ins Grundwasser zu verhindern.

Die Grünen wollen dennoch einen neuen Anlauf unternehmen und mit der Gemeinde Kirchlengern Kontakt aufnehmen. Zum einen gebe es in Deutschland auch Windkraftanlagen, die auf Deponien installiert worden seien. Zum anderen hätten sich die Mehrheitsverhältnisse im Rat von Kirchlengern geändert. Der Beschluss über die Vorrangflächen sei bereits 21 Jahre alt.

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