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Fr., 30.01.2015

Diakonische Stiftung Wittekindshof trennt sich von Immobilie – Vertragsunterzeichnung am Freitagnachmittag Jesiden kaufen Schloss Ulenburg

Seit 1926 befindet sich das Schloss Ulenburg im Besitz des Wittekindshofes. Seit 2007 will sich die Diakonische Stiftung von der Immobilie trennen. Der Kaufvertrag mit Vertretern der jesidischen Glaubensgemeinschaft soll am Freitag unterschrieben werden.

Seit 1926 befindet sich das Schloss Ulenburg im Besitz des Wittekindshofes. Seit 2007 will sich die Diakonische Stiftung von der Immobilie trennen. Der Kaufvertrag mit Vertretern der jesidischen Glaubensgemeinschaft soll am Freitag unterschrieben werden. Foto: Anke Marholdt

Von Malte Samtenschnieder

Löhne (WB). Der Vertrag ist unterschriftsreif: Am Freitagnachmittag will die Diakonische Stiftung Wittekindshof das Schloss Ulenburg in Mennighüffen an die jesidische Glaubensgemeinschaft verkaufen. Diese plant nach eigenen Angaben, in der historischen Immobilie ein europäisches Studienzentrum zu errichten.

»Wir haben lange gesucht, viele Verhandlungen geführt und jetzt einen Käufer gefunden, dessen am Gemeinwesen orientierte Pläne uns überzeugt haben«, sagte Dieter Hakenberg, kaufmännischer Vorstand der Diakonischen Stiftung Wittekindshof, am Donnerstag bei einem Pressegespräch. Er freue sich, dass es gelungen sei, die komplizierten Vertragsverhandlungen erfolgreich abzuschließen. Er wisse das Schloss Ulenburg und den unmittelbar angrenzenden Park beim neuen Besitzer in den besten Händen. Die umfangreichen Ländereien seien nicht Bestandteile des Kaufvertrages.

»Wir wollen Schloss Ulenburg als Zentrum für jesidische Studien und Sitz des europäischen und des deutschen Zentralverbandes der jesidischen Gemeinden nutzen«, erklärte Ibrahim Kus, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Gesellschaft Jesidischer Akademiker, auf Anfrage dieser Zeitung. Der Diplom-Soziologe konnte nicht persönlich an dem Pressegespräch teilnehmen. Er sprach für die in Gründung befindliche Ulenburg-Stiftung als neuer Besitzer des Schlosses. Das Stiftungskapital sei das Resultat aus einer Spendenaktion in allen jesidischen Gemeinden. »Und der Kaufpreis für die Immobilie ist auf jeden Fall vorhanden«, sagte der Wertheraner.

Stillschweigen über Summe vereinbart

Über die Summe, für die das Schloss Ulenburg bei der Vertragsunterzeichnung den Besitzer wechseln soll, vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen. Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich um einen mittleren sechsstelligen Betrag. Während der seit 2007 andauernden Suche nach einem Käufer waren zwischenzeitlich noch Summen von zwei Millionen Euro und mehr im Gespräch gewesen.

»Von außen werden wir das Schloss nicht verändern. Auch der Rittersaal bleibt erhalten«, sagte Ibrahim Kus. Im Erdgeschoss würden aber die Zwischenwände entfernt, um einen größeren Konferenzraum zu schaffen. Im zweiten Obergeschoss bleibe die Raumgestaltung weitgehend erhalten. In den früheren Bewohnerzimmern sollten Gästezimmer für das geplante Studienzentrum entstehen.

Auch die künftige Nutzung des Schlossparks kam zur Sprache. Die Ulenburg-Stiftung plädiere für eine offene Lösung. »Wir wollen keine Mauern um das Schloss und suchen den Kontakt zu Nachbarn, der Löhner Bevölkerung und Mitgliedern verschiedener Religionen und Kulturen«, sagte Ibrahim Kus. Er könne sich gut vorstellen, dass im Schlosspark auch wieder Kulturveranstaltungen und Gottesdienste stattfinden. In diesem Zusammenhang könne sich das geplante Café zum wichtigen Treffpunkt entwickeln.

Der Kontakt zu den Jesiden kam laut Dieter Hakenberg über den vom Wittekindshof mit dem Verkauf des Schlosses Ulenburg beauftragten Makler zustande. Bei mehreren Kontakten im letzten Quartal 2014 habe er den potenziellen Käufer als sehr engagiert und seriös empfunden, sagte der kaufmännische Vorstand. Unlängst habe es auch einen persönlichen Vorstellungstermin bei Bürgermeister Heinz-Dieter Held gegeben. »Da es sich um eine repräsentative Immobilie handelt, wollten wir den Repräsentanten der Stadt im Vorfeld über die Pläne für das Schloss Ulenburg informieren«, erläuterte Dieter Hakenberg.

»Was der Käufer mit der Ulenburg vorhat, entspricht genau dem, was wir uns als Nutzung für die Immobilie wünschen«, sagte Dierk Starnitzke, Vorstandssprecher der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Er hege keine Befürchtungen gegenüber den Jesiden. Es habe zwar in der Vergangenheit gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Jesiden und Anhängern des Islam – sogar im Kreis Herford – gegeben. In der Regel seien negative Befürchtungen aber unbegründet, sagte Dierk Starnitzke. Die Diakonische Stiftung sei bereit, sich – falls erforderlich – einem öffentlichen Diskurs zu diesem Thema zu stellen.

Warum das höhere Gebot eines Unternehmers aus Löhne keine Berücksichtigung fand, sondern die Jesiden den Zuschlag erhielten, erklärte Dieter Hakenberg so: »Das Angebot hat uns erst erreicht, als wir mit den anderen Verhandlungen kurz vor dem Abschluss standen.« Die Regeln des Fair-Plays hätten es in dieser Situation geboten, zur Vereinbarung mit den Jesiden zu stehen.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Textfassung war fälschlicherweise die Rede davon, dass die Gesellschaft Jesidischer Akademiker das Schloss Ulenburg erwirbt. Neuer Eigentümer ist aber die Ulenburg-Stiftung.

Kommentare

the point is

In Deutschland war bis ins späte 20. Jahrhundert üblich, dass junge Frauen bis zum Zeitpunkt ihrer Heirat eine Grundausstattung an Gütern für den zukünftigen Haushalt angesammelt hatten. Man entwickelt sich also

Herrje

Es sind Heilige! Zumindest wenn mann den Kommentar von Ezidi Deutsche liest.
Wer es genauer wissen will,sollte sich im Internet über Ehrenmorde, Brautpreise und Heiratsvorschriften schlau machen. Und das ist keine Volksverhetzung (wie kommt es nur, daß bei bestimmten ethnischen Gruppen diese Propagandawörter so schnell Eingang finden?), sondern gute alte Faktenrecherche zu einem bestimmten Thema.

Danke!

Das ist eine großartige Sache und die Stiftung hat da alles richtig gemacht. Eziden sind friedliebende Menschen. Unsere Waffe war immer der Verstand und das Herz. Wir glauben an Gott und an Gerechtigkeit sowie das Gute. Die im Artikel beschriebenen Auseinandersetzungen sind in einem speziellen Rahmen, da sollte man genau recherchieren. Der ISIS hat ganze Dörfer ausgelöscht und bis heute noch Familienmitglieder unserer Menschen in der Hand. Wir kämpfen gerade um unsere Existenz. Obwohl wir friedlich demonstriert haben, so gab es immer wieder Provokationen und Übergriffe, sogar Tötungen und Schwerverletzte durch ISIS ANHÄNGER. Auf uns wurde JAGD gemacht und auch unsere Vereine wurden angegriffen. Das sind Faktoren, die man berüchtigten sollte, weshalb es zu Auseinandersetzungen kam. Wir leben teilweise zwischen 40 und 20 Jahren hier und sind integriert, halten uns an die Gesetze, haben nie eine dominante Politik angestrebt uns in Deutschland "breit zu machen" und wollen es jetzt auch nicht. Unser Volk ist vom Ausrotten bedroht und unsere Geschichte wird stark manipuliert von anderen. ES ist höchste Zeit, dass Êzîden selbst ihre Geschichte erzählen. Ich gehe soweit und fordere sogar meine Volksmenschen insbesondere die Intellektuellen, Akademiker auf, dass sie gegen Falsche Lektüre vorgehen, da dies absolute Volksverhetzung ist!

Viel Erfolg

3 Kommentare

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