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Mi., 11.02.2015

Ibrahim Kus stellt sich den Fragen der CDU-Fraktion zur neuen Nutzung des Schlosses Ulenburg »Kein religiöses Zentrum geplant«

Ibrahim Kus (rechts) ist der Einladung zur Fraktionssitzung der CDU im Löhner Rathauswahl gefolgt. Interessiert lauschen Bürgermeisterkandidatin Ricarda Hoffmann, Gerhard Kölsch, Herbert Ogiermann und Florian Dowe seinen Ausführungen.

Ibrahim Kus (rechts) ist der Einladung zur Fraktionssitzung der CDU im Löhner Rathauswahl gefolgt. Interessiert lauschen Bürgermeisterkandidatin Ricarda Hoffmann, Gerhard Kölsch, Herbert Ogiermann und Florian Dowe seinen Ausführungen. Foto: Daniel Salmon

Von Daniel Salmon

Löhne (WB). »Die Ulenburg soll auch weiterhin das Wahrzeichen aller Löhner und ein Anziehungspunkt der Region bleiben«: Mit diesen Worten hat Ibrahim Kus, Sprecher der in Gründung befindlichen Ulenburg-Stiftung, ein wichtiges Anliegen der neuen jesidischen Eigentümer des historischen Gebäudes unterstrichen.

Was genau planen die neuen jesidischen Eigentümer mit der Ulenburg? Diese Frage wird in Löhne derzeit heiß diskutiert. Als erste Partei im Löhner Stadtrat hat die CDU jetzt Ibrahim Kus zu einer Fraktionssitzung eingeladen, um mit ihm über die Absichten der jesidischen Gemeinschaft ins Gespräch zu kommen. »Wir wollen einfach etwas mehr über die neuen Besitzer und das Jesidentum im Allgemeinen erfahren – auch um mögliche Vorurteile abzubauen«, sagte der Löhner CDU-Fraktionschef Florian Dowe.

Wie mehrfach berichtet, hatte die jesidische Interessengruppe die historische Immobilie Ende Januar von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof erworben. In dem Gebäude soll ein Bildungs- und Studienzentrum für Jesiden aus ganz Europa entstehen. In sozialen Netzwerken hatten sich daraufhin mehrere Löhner Bürger kritisch über den Verkauf geäußert, ebenso wie die Ratsfraktion der Löhner Bürger-Allianz (LBA).

Stiftung will Schloss erhalten

Laut Ibrahim Kus stehe Erhalt und Pflege des Schlosses für die neuen Eigentümer an oberster Stelle. »Erst danach kommt die Förderung der jesidischen Kultur und Religion. Das soll auch so in der Stiftungssatzung verankert werden«, so der 41-Jährige.

Von Anhängern der Glaubensgemeinschaft sei Kus, der in der Immobilien- und Finanzdiensteistungsbranche tätig ist, vor einiger Zeit mit der Suche nach einem Standort für ein Bildungszentrum beauftragt worden. »Die Ulenburg bot sich an. Sie liegt zentral und ist für Jesiden aus dem ganzen Bundesgebiet gut erreichbar.«
Für die Zwecke der Stiftung werde das Gebäude teilweise umgebaut So müssten im Erdgeschoss einige Zwischenwände entfernt werden. Dort sollen zwei Konferenzräume und ein Café entstehen. Im Obergeschoss sollen Räume des jesidischen Fernsehsenders CIRA untergebracht werden. Unterm Dach werden Gästezimmer eingerichtet. »Die denkmalgeschützte Fassade und der Rittersaal sollen erhalten bleiben. Es wäre eine Schande, wenn man das verändert«, so Kus. Finanziert würden Kauf und Umbau des Schlosses von Spenden der jesidischen Gemeinschaft.

Er betonte: »In dem Konferenzzentrum sollen Führungskräfte der etwa 40 jesidischen Kulturzentren in Deutschland geschult werden.« Mit bis zu 600 Teilnehmern sei zwar zu rechnen, von Massenversammlungen könne aber keine Rede sein. »Die Ulenburg soll auch definitiv kein religiöses Versammlungszentrum werden«, beantwortete Kus eine Frage der CDU-Bürgermeisterkandidatin Ricarda Hoffmann.

Veranstaltungen im Park sind denkbar

Vielmehr sollen das Gebäude und der angrenzende Park auch für andere Veranstaltungen – beispielsweise Gottesdienste oder Feste – offen stehen. Zwar sei die öffentliche Zugänglichkeit des Parks im Kaufvertrag mit dem Wittekindshof schriftlich nicht fixiert worden. »Allerdings haben wir Bürgermeister Held eine mündliche Zusage gegeben«, so der Stiftungssprecher weiter. Demnach sei zudem angestrebt, in Absprache mit der Stadt ein Nutzungskonzept für die Außenanlagen zu erstellen. Über Einladungen zu Gesprächen, um derartige Pläne zu konkretisieren, freue man sich. »Für die Mühle auf dem Grundstück könnten wir uns zudem einen Gastronomiebetrieb vorstellen«, sagte der 41-Jährige.

Auch auf Aspekte der jesidischen Religion sprachen die CDU-Politiker den Diplomsoziologen an. Fraktionsmitglied Tim Schütte wollte wissen, ob Ehen zwischen Jesiden und Nicht-Jesiden immer noch strikt verboten seien. »Wir leben in der westlichen modernen Gesellschaft, und solche Regeln aufrecht zu erhalten, ist ohnehin nicht möglich«, sagte Kus. Zwar sorge dieses Thema in seiner Glaubensgemeinschaft gelegentlich für Irritationen: »Aber wir Jesiden müssen diese gesellschaftlichen Veränderungen akzeptieren.« Der Schlüssel dazu sei Bildung. Mit dieser solle auch die Emanzipation jesidischer Frauen vorangetrieben werden. Denn auch die Gleichberechtigung der Geschlechter werde in der Glaubensgemeinschaft angestrebt, so der dreifache Vater

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