Mi., 06.05.2015

Jesidischer Glaube ist Thema beim Willkommensabend für die neuen Eigentümer von Schloss Ulenburg Dialog trägt zum Abbau von Vorurteilen bei

Haben am Ende des Willkommensabends Fragen der Besucher beantwortet (von links): Dierk Starnitzke (Wittekindshof), Michael Krause (Kirchenkreis Herford), Ibrahim Kus (Ulenburg-Stiftung), Heinz-Dieter Held (Stadt Löhne), Referent Sefik Tagay und Volker Hegemann (Bündnis für Vielfalt).

Haben am Ende des Willkommensabends Fragen der Besucher beantwortet (von links): Dierk Starnitzke (Wittekindshof), Michael Krause (Kirchenkreis Herford), Ibrahim Kus (Ulenburg-Stiftung), Heinz-Dieter Held (Stadt Löhne), Referent Sefik Tagay und Volker Hegemann (Bündnis für Vielfalt). Foto: Malte Samtenschnieder

Von Malte Samtenschnieder

Löhne (WB). Nicht nur ihr Nutzungskonzept für Schloss Ulenburg haben die neuen Eigentümer am Montag bei einem Willkommensabend in der vollbesetzten Werretalhalle vorgestellt. Referent Sefik Tagay informierte die aufmerksamen Zuhörer außerdem über die Grundlagen des jesidischen Glaubens.

»Wenn Menschen einander begegnen, ist das die beste Basis, um Vorurteile abzubauen«, stellte Sefik Tagay einleitend fest. In seinem 30-minütigen Vortrag arbeitete der Forschungsleiter der Klinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie am LVR-Klinikum Essen ganz unterschiedliche Aspekte des Jesidentums heraus. Zu Beginn entkräftete er mehrere aus seiner Sicht gängige Vorurteile.

»Beim Jesidentum handelt es sich nicht um eine Abspaltung oder Sekte des Islam«, sagte Sefik Tagay. Jesiden seien auch weder Ungläubige noch Anhänger des Bösen. Beim Jesidentum handele es sich um eine mindestens 4000 Jahre alte monotheistische Religion. »Wir glauben an einen allmächtigen Gott«, betonte der Referent. Gleichzeitig werde allerdings die Existenz des Bösen als Gegenspieler von Gott verneint.

Überlieferungen an einem zentralen Ort sammeln

»Unsere meisten Texte und Gebete werden bis heute mündlich weitergeben«, sagte Sefik Tagay. Ein Ziel des jesidischen Studienzentrums, das in der Ulenburg entstehen solle, sei es, zu einer Verschriftlichung dieser Überlieferungen beizutragen und sie an einem zentralen Ort zu sammeln. Beten sei für Jesiden in der Regel Privatsache. Die Glaubensgemeinschaft verfüge über keine eigenen Kirchen wie etwa die Christen.

»Weltweit gibt es derzeit etwa eine Million Jesiden«, erläuterte Sefik Tagay. Kurdistan, das ursprüngliche Hauptsiedlungsgebiet, liege größtenteils im heutigen Nordirak. Bis zum Beginn des Völkermordes durch die Kämpfer des Islamischen Staates im August 2014 hätten dort 800.000 Jesiden gelebt. Die zweitgrößte Gruppe – etwa 100.000 Jesiden – lebe mittlerweile in Deutschland, und dort vor allem in Celle, Bielefeld, Hannover oder auch Oldenburg.

Eine Frage der Toleranz

Mit der Feststellung »Die Familie steht für die Jesiden im Mittelpunkt« provozierte Sefik Tagay eine Nachfrage aus dem Publikum: Ob es richtig sei, dass Jesiden keine Nicht-Jesiden heiraten dürfen. Der Referent beantwortete die Frage mit einem Beispiel aus seiner eigenen Familie: »Von meinen zwölf Geschwistern sind drei mit Nicht-Jesiden zusammen.« Das werde zunehmend innerhalb der eigenen Community akzeptiert. Sefik Tagay: »Vor einigen Jahrzehnten war es ja auch noch unvorstellbar, dass ein evangelischer und ein katholischer Christ vor den Traualtar treten.«

Vertreter der muslimischen Gemeinde in Löhne nutzten die Fragerunde, um die Jesiden ebenfalls in der Stadt willkommen zu heißen: »Wir freuen uns auf das gemeinsame Miteinander.« Eine Botschaft, die um so mehr Gewicht bekommt, vor dem Hintergrund von Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Jesiden im Jahr 2014 in Herford.

Als guten Schritt in die richtige Richtung bezeichnete Volker Hegemann vom Bündnis für Vielfalt gegen Rechtspopulismus den Gedankenaustausch zwischen den Vertretern auf dem Podium und den Besuchern im Saal. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Heinz-Dieter Held in seinem Schlusswort. Er wies darauf hin, dass alle Besucher durch ihr Erscheinen zum Gelingen des Willkommensabends beigetragen hätten. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, stellte er zufrieden fest.

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