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Do., 23.07.2015

Mutmaßlicher Täter der Prügelattacke vor dem Löhner Bahnhof muss sich bald vor Gericht verantworten Anklage lautet auf Totschlag

Nachdem Harun Aydurmus an seinen schweren Verletzungen gestorben war, war die Anteilnahme in der Bevölkerung sehr groß. Vor dem Bahnhof, wo die Prügelattacke am 14. Mai geschehen ist, legten sie Blumen nieder und stellten Lichter auf.

Nachdem Harun Aydurmus an seinen schweren Verletzungen gestorben war, war die Anteilnahme in der Bevölkerung sehr groß. Vor dem Bahnhof, wo die Prügelattacke am 14. Mai geschehen ist, legten sie Blumen nieder und stellten Lichter auf. Foto: Sonja Gruhn

Von Sonja Gruhn

Löhne (WB). Die tödliche Prügelattacke vom 14. Mai vor dem Löhner Bahnhof wird zum Fall für das Schwurgericht in Bielefeld. Staatsanwalt Christoph Mackel hat jetzt gegen den mutmaßlichen Täter Mikhail. Z (26) Anklage wegen Totschlag erhoben. Ein Termin zum Prozessbeginn ist noch nicht anberaumt. Spätestens im Oktober ist aber damit zu rechnen.

Der tragische Tod des 49-Jährigen Familienvaters Harun Aydurmus hatte in Löhne eine große Welle der Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst. Des Totschlags angeklagt ist Mikhail Z. (26). Der Bad Salzufler sitzt seit dem 15. Mai in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede.

Staatsanwalt Mackel wirft Mikhail Z. vor, dass er am Abend des Tattages erheblich angetrunken und in Begleitung von vier weiteren Männern Harun Aydurmus an der Fahrt vom Bahnhofsparklatz gehindert habe. Der Familienvater (49) hatte zuvor seine Tochter Selma mit dem Auto dort abgesetzt, damit diese mit dem Zug zurück nach Bielefeld fahren konnte.

Zwischen ihm und den fünf Männern soll es zu einem lautstarken Streit gekommen sein, in dessen Verlauf sich die Gruppe vor Harun Aydurmus aufgebaut haben und auf ihn zugegangen sein soll. Der 49-Jährige hatte daraufhin einen abgebrochenen Spatenstiel aus dem Kofferraum seines Fahrzeuges geholt. Er soll diesen dann abwehrend vor sich haltend rückwärts in Richtung Bahnhofsgebäude gegangen sein. Ob Harun Aydurmus selbst mit dem Stiel auf Mitglieder der Gruppe eingeschlagen hat, sei noch unklar.

Mikhail Z. soll es dann gelungen sein, ihm den Spatenstiel zu entwinden und damit mindestens zweimal ausgeholt und gezielt das Opfer seitlich stark am Kopf getroffen haben. Damit habe der Beschuldigte tödliche Verletzungen in Kauf genommen. Auch Tritte gegen den schließlich am Boden liegenden Familienvater soll es gegeben haben. Dieser musste mit einem Rettungshubschrauber in die neurochirurgische Abteilung des Bielefelder Krankenhauses Gilead I gebracht werden, wo er trotz Operationen starb.

Vor dem Vorfall in Löhne soll sich die Gruppe in einer Gaststätte in der Nähe des Bahnhofes aufgehalten haben. »Mein Mandant hatte gefeiert und ziemlich viel getrunken«, sagte Rechtsanwalt Dr. Lutz Klose auf Anfrage dieser Zeitung. Dass Mikhail Z. zur Tatzeit zurückgerechnet einen Blutalkohol von mehr als 2,3 Promille gehabt habe, sei auch keine Entschuldigung. »Mein Mandant bedauert zutiefst, was geschehen ist. Aber ich muss auch sagen, dass er nicht kriminell ist und bislang einen vernünftigen Lebensweg hatte. Er hat eine Ausbildung absolviert, ist übernommen worden und hat als Handwerker seinen Job gemacht«, sagte der Rechtsanwalt.

Ein Termin für den Prozessbeginn sei noch nicht anberaumt. »Ich rechne aber damit, dass spätestens im Oktober Verhandlungsbeginn sein wird«, sagte der Rechtsanwalt.

Über den genauen Hergang gibt es unterschiedliche Zeugenaussagen, die sich in einigen Punkten aber decken. Fest steht, dass Harun Aydurmus laut der Untersuchung durch die Rechtsmediziner an einem Schädel-Hirn-Trauma gestorben ist. Er hatte Blutergüsse an beiden Oberarmen sowie am Ellenbogen und Oberschenkel durch Schläge oder Fußtritte, ebenso auf beiden Seiten des Kopfes. Zudem wurden Hirnblutungen und ein Bruch der Schädelbasis festgestellt, der durch das Aufschlagen des Kopfes auf die Plastersteine verursacht worden sein soll.

Nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich bei Mikhail Z. um einen in Kirgisien geborenen Mann, der in Königsberg aufgewachsen und dort bis zur achten Klasse in die Schule gegangen ist. Vor zwölf Jahren ist er mit seiner Mutter nach Deutschland gekommen, wo er seinen Abschluss nach der neunten Klasse an der Hauptschule und eine Ausbildung zum Heizungs- und Sanitärbauer gemacht hat. Von seinem Arbeitgeber ist er unbefristet übernommen worden. Sein Vater ist vor 23 Jahren tödlich verunglückt. Mikhail Z. ist ledig und hat keine Kinder.

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