Sa., 01.09.2018

Dürre bedeutet für Schäferei Stücke in Löhne viel Arbeit und hohe Kosten Tieren fehlt frisches Gras

Ständig muss Michael Stücke die Elektrozäune umstellen, weil die Schafe auf den Weiden kaum genug zu fressen finden.

Ständig muss Michael Stücke die Elektrozäune umstellen, weil die Schafe auf den Weiden kaum genug zu fressen finden. Foto: Andrea Berning

Von Andrea Berning

Löhne (WB). Schon von weitem sieht Michael Stücke, was auf der Weide nicht stimmt: Ein Schaf hat sich selbstständig gemacht und steht auf der falschen Seite des Elektrozaunes. Ein anderes steckt im Brombeergebüsch fest und kann sich allein aus den Dornen nicht wieder befreien. Was dagegen fehlt, ist leckeres, grünes Gras, das die Tiere beschäftigt und satt macht.

Dabei gehört die Weide noch nicht einmal zu den 32 Hektar Land, die Stücke und sein Partner Jochen Klinge für ihre Schafhaltung gepachtet haben. Dort ist schon alles längst abgegrast. Freundliche Nachbarn haben den beiden eigene Flächen angeboten, auf denen sich ein zweiter Grasschnitt dieses Jahr für die Landwirte nicht lohnte.

»Dort dürfen unsere Schafe nachweiden«, sagt Michael Stücke, der die Schafzucht nebenberuflich an der Häger Straße 23 betreibt. »Ohne diese Hilfe stünden unsere Schafe längst im Stall und würden ihre Wintervorräte aufbrauchen«, sagt er. Zum Glück war es zur Zeit des ersten Grasschnitts noch feucht genug, um einen Wintervorrat für 100 Tage anzulegen. »Das entspricht der durchschnittlichen Zeit, die unsere Tiere jedes Jahr im Stall verbringen«, sagt Michael Stücke.

Kräftezehrender Sommer

Dieser Sommer aber raubt den beiden Schäfern ihre letzten Kräfte. Ständig müssen sie die Schafe auf frisches Grünland umtreiben, und der damit verbundene Arbeitsaufwand ist immens: Gatter auf die Wiese bringen, die Schafe einpferchen und auf den Viehwagen verladen, um sie anschließend Wagen für Wagen auf neue Flächen zu bringen, wo sich dann oftmals auch nur wenig Grün findet.

Alles muss mit umziehen: die bis zu 1,5 Kilometer langen Elektrozaunnetze, das Weidezaungerät, die Erdungspfähle, die Wassertränke und der Mineralfutterleckstein. Der Boden ist so hart, dass die Pfähle mit dem Hammer in den Boden geschlagen werden müssen. »Alles in allem bedeutet das einen erheblichen Mehraufwand von Diesel, Zeit und Menschenkraft. Wir kommen hierbei an unsere eigenen Grenzen«, gibt Michael Stücke zu, der ebenso wie sein Partner die Schäferei nebenberuflich betreibt und als Papiertechnologe in Bielefeld arbeitet.

Keine Entschädigung in Sicht

Was den Löhner Landwirt ärgert: Die Politik hat die Not der Getreidebauern registriert und Hilfe versprochen, und auch die schlechte Ernte bei Rüben, Kartoffeln und Mais wird in der Öffentlichkeit diskutiert und bedauert. »Niemand sieht aber auf die Grünlandbetriebe und Schäfereien, die ebenso unter der Dürre leiden«, klagt Stücke. Dabei werde oft der hohe ökologische Wert der Landschaftpflege durch seine Schafe gelobt. »Ob er dann auch gerecht entlohnt wird, ist aber zu bezweifeln«, sagt Stücke, dessen Schafe gewöhnlich in Naturschutzgebieten in Vlotho und im Enger Bruch weiden.

Er wolle keine Almosen oder Hilfen in Anspruch nehmen, so Stücke. Die Unterstützung der Nachbarn helfe den beiden Schäfern wirklich weiter. »Was ich mir wünsche? Leichten Landregen, und das nicht nur einen Tag lang«, sagt Stücke. Am Donnerstag habe sein neuer Regenmesser, den er sich zum Geburtstag im Juni wünschte und der seither fast immer leer war, zehn Millimeter Niederschlag registriert. Das sei so viel gewesen wie seit Wochen nicht mehr.

Weichenstellung für Deckzeit

Die Sorge des Schäfers: In dieser Jahreszeit beginnt die Deckzeit für brünstige Schafe. Wenn Mutterschafe jetzt gut an Gewicht zunehmen, bilden sich mehr befruchtungsfähige Eizellen – und im Frühjahr werden mehr Lämmer geboren. »Die Folgen einer unzureichenden Energiezufuhr werden 150 Tage später sichtbar, oder eben nicht«, sagt der Schäfer.

»Wie schade, dass Betriebe, die Weidetiere halten, in der Öffentlichkeit so wenig wahrgenommen werden. Bei uns geht es nicht nur um wirtschaftliche Erfolge, sondern auch das Wohl der Tiere«, hebt Stücke hervor. Das wird – abgesehen von der schlechten Ernährungslage – auch durch die vielen Fliegen und Gnitzen beeinträchtigt, die die Tiere in diesem Sommer quälen.

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