Branchenumsatz 5,6 Prozent über Vorjahr – Neue Alno stellt in Löhne aus
Küchenindustrie fängt sich

Löhne  (WB). Vor einem Jahr schwankte die Stimmung bei den Hausmessen der Küchenhersteller in OWL zwischen hoffnungsfroh und gedrückt. Kurz danach war die Insolvenz des Alno-Konzerns nicht mehr abzuwenden. Anders heute. Die Branche hat sich gefangen; die Konjunktur zeigt nach oben. Selbst Alno ist zurück – wenn auch auf einem noch viel kleineren Niveau.

Dienstag, 18.09.2018, 16:00 Uhr
Geschäftsführer Thomas Kresser im neuen Studio in Löhne: »Die Küchenmarke Alno hat weiterhin einen guten Klang. Daran knüpfen wir mit der Neuen Alno an.« Foto: Bernhard Hertlein
Geschäftsführer Thomas Kresser im neuen Studio in Löhne: »Die Küchenmarke Alno hat weiterhin einen guten Klang. Daran knüpfen wir mit der Neuen Alno an.« Foto: Bernhard Hertlein

Mit einem Umsatz von 522 Millionen Euro belegte Alno 2015 Platz 2 hinter Nobilia. Natürlich bemühten sich die anderen Hersteller, die plötzlich ausgefallenen Aufträge ins eigene Unternehmen zu ziehen. Dies gelang nur bedingt. Der Umsatz der gesamten Branche ging von September bis Dezember deutlich zurück. Am Ende wies die Statistik der deutschen Küchenindustrie erstmals seit 15 Jahren ein Minus von 3,75 Prozent für das Gesamtjahr auf.

Ganz anders präsentiert sich das Ergebnis nach dem ersten Halbjahr 2018, das der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK, Herford) Lucas Heumann gestern auf der »Area 30« in Löhne vorstellte. Der Umsatz stieg in den ersten sieben Monaten des aktuellen Geschäftsjahres um 5,59 Prozent auf 2,86 Milliarden Euro. Dabei legten die Verkäufe ins Ausland sogar um 8,4 Prozent zu. Erstmals überschritt die Exportquote die 40-Prozent-Marke. Sie liegt Heumann zufolge aktuell bei 40,82 Prozent. Im Inland erwirtschafteten die Hersteller ein Plus von 3,73 Prozent.

Lucas Heumann spricht für die Küchenindustrie.

Lucas Heumann spricht für die Küchenindustrie. Foto: Bernhard Hertlein

Nach China legten die Ausfuhren zweistellig zu – allerdings auf relativ niedrigem Niveau. »Noch immer erzielen deutsche Hersteller in Belgien einen fünfmal höheren Umsatz als in China«, sagte Heumann. Rückgänge gab es nur bei den Exporten in die Schweiz (minus 5,9 Prozent), Großbritannien (2,3) und USA (8,7). Umgekehrt tut sich vor allem die italienische (minus 20,8 Prozent) und französische Konkurrenz (30,6) auf dem deutschen Markt schwer. Dagegen konnten polnische Küchenhersteller um 12,7 und ungarische um 9,6 Prozent zulegen – aus Sicht Heumanns das »zwingende Ergebnis offener Grenzen in der EU und der Globalisierung in der Küchenmöbelindustrie«.

Zufrieden zeigte sich der Verbandssprecher, dass einige Möbelhäuser die Preise für Küchen anhoben. Wegen der Anforderungen an die Beratung geht der Sprecher der Küchenhersteller nicht davon aus, dass der Online-Anteil in größerem Maße steigen wird.

Gegenüber vom Messezentrum »Area 30« in Löhne präsentiert sich die Neue Alno GmbH gemeinsam mit dem österreichischen Hersteller Walden dauerhaft in einer eigenen Ausstellungshalle. Nach Angaben von Thomas Kresser wurde ein Mietvertrag über fünf Jahre abgeschlossen. Das Studio in Löhne ist neben dem Fabrikverkauf am Stammsitz im baden-württembergischen Pfullendorf das einzige der Neuen Alno GmbH, die jetzt der britischen Investmentgesellschaft River Rock gehört. Kresser führt nach dem Ausscheiden von Mitgeschäftsführer Andreas Sandmann das Unternehmen allein. Gegen Sandmann laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart wegen Insolvenzverschleppung im Zusammenhang mit der Pleite von Alno und etlicher Tochterfirmen.

320 Mitarbeiter bei der Neuen Alno

Die Neue Alno beschäftigt Kresser zufolge wieder 320 Mitarbeiter. 2015 waren es noch 2200. Darunter waren gut 500 im ehemaligen Wellmann-Werk in Enger. Dort ruht die Produktion seit der Insolvenz ganz. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, werden die fast 100 Mitarbeiter, die vorübergehend einen Zeitvertrag bei dem benachbarten Unternehmen Brigitte-Küchen in Hiddenhausen erhielten, nun doch ein Jahr nach der Insolvenz arbeitslos.

Vor diesem Hintergrund vermeidet Kresser großspurige Ankündigungen. Neben dem nicht unproblematischen Ruf des Un­ter­nehmens habe die Küchenmarke Alno noch einen guten Klang. An ihn will er anknüpfen. Zusätzlich zu den Hauptabsatzmärkten Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich und England setzt er dabei vor allem auf das Objektgeschäft bei großen Neubauzentren in China, Taiwan, Korea, Indien und anderen asiatischen Ländern.

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