Fr., 12.10.2018

Vortrag der VHS Löhne über die Sicherheit im Land zeichnet »deprimierendes Bild« Rückkehr nach Afghanistan?

Friederike Stahlmann zählt den Teilnehmern die zahlreichen Gefahren einer Rückkehr nach Afghanistan auf.

Friederike Stahlmann zählt den Teilnehmern die zahlreichen Gefahren einer Rückkehr nach Afghanistan auf. Foto: Eva-Lotta Dehne

Von Eva-Lotta Dehne

Löhne (WB). »Die Rückkehrer haben ein enormes Risiko, verfolgt zu werden«, sagt Friederike Stahlmann. In einem Vortrag zu Afghanistan hat sie den Teilnehmern von der aktuellen Sicherheitslage und den Überlebenschancen von abgeschobenen Geflüchteten, so genannten Rückkehrern, im Land berichtet.

»Die Taliban sind immer noch in jeder Region in Afghanistan vertreten und verfolgen die Rückkehrer gnadenlos«, sagte die Referentin. So würden die Geflüchteten von den Taliban als illoyale Deserteure angesehen oder würden als »verwestlicht« und somit als ungläubig bezeichnet. Wenn dann noch Fotos von Rückkehrern auf einem Weihnachtsmarkt in deutschen Lokalzeitungen oder im Internet auftauchten, könne das auch schnell zu einem weiteren Sicherheitsrisiko für die Abgeschobenen werden.

Polizei in Afghanistan kann die Bürger nicht schützen

Mit Hilfe von Fallbeispielen hat sie den Teilnehmern in ihrem Vortrag erklärt, warum Abschiebungen nach Afghanistan für die Abgeschobenen so gefährlich sind. Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit und die Gefahr, das Opfer organisierter Kriminalität (beispielsweise von Entführungen) zu werden, seien oft Alltag für die Abgeschobenen, sagte die Expertin.

Die Polizei in Afghanistan könne die Bürger auch nicht schützen, sagte Stahlmann. »Wie sollen dich Sicherheitskräfte schützen, die sich nicht einmal selbst schützen können?«, fragt sie in die Runde. Laut Stahlmann seien die Sicherheitskräfte vor Ort nämlich nicht mit der deutschen Polizei zu vergleichen. »Vor allem finden dich die Taliban durch die engen sozialen Netze überall«, fügt sie hinzu.

Friederike Stahlmann weiß, wovon sie spricht. Jahrelang hat sie selbst in Afghanistan gelebt und geforscht. Sie erzählt, dass bei ihrem ersten Aufenthalt binnen eines Tages jeder gewusst habe, in welchem Haus sie übernachtet habe. Zurzeit promoviert sie am Max-Planck-Institut über die afghanische Provinz Bamyan. Zudem arbeitet sie als Sachverständige in Asylverfahren vor Gericht.

Nach der Veranstaltung ist die Stimmung bedrückt

Etwa eine Stunde konnten die Teilnehmer der Expertin im Anschluss ihre Fragen stellen. So war eine Frage, wie denn das Land ein Stück zum Frieden kommen könne. Stahlmann antwortete: »Indem die Konflikte der Mächte mit Interessen in den einzelnen Regionen beendet werden.« Es würde nämlich ein Stellvertreterkrieg verschiedener Länder in vielen Regionen ausgefochten. Auch versuchten die Parteien ihre Macht zu demonstrieren, indem sie das alltägliche Leben ohne Rücksicht auf die Bevölkerung unmöglich machten: »Anschläge in afghanischen Städten sind so alltäglich geworden, dass sie zum Großteil weder im Ausland noch im Inland im TV ausgestrahlt werden.«

Nach der Veranstaltung war die Stimmung eher bedrückt. »Das ist ja deprimierend«, war von vielen Seiten zu hören. Das Fazit von Friederike Stahlmann und von den Besuchern: keine Abschiebungen nach Afghanistan!

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