Di., 20.11.2018

Kirchenchor Mennighüffen begeistert Zuhörer mit Brahms-Requiem »Ehrfurchtsbezeugung an das Leben«

In der Kirche in Mennighüffen präsentieren der Kirchenchor und die Kantorei St. Martin aus Hannover-Linden das Requiem von Johannes Brahms. Sieben Jahre hatte der Komponist seinerzeit für die Fertigstellung des Werkes gebraucht.

In der Kirche in Mennighüffen präsentieren der Kirchenchor und die Kantorei St. Martin aus Hannover-Linden das Requiem von Johannes Brahms. Sieben Jahre hatte der Komponist seinerzeit für die Fertigstellung des Werkes gebraucht. Foto: Wilhelm Adam

Von Wilhelm Adam

Löhne (WB). Mit dem Requiem von Johannes Brahms ließen der Kirchenchor Mennighüffen und die Kantorei St. Martin aus Hannover-Linden nicht nur ein besonderes Werk erklingen. Zugleich boten die Sänger und Orchestermusiker unter Leitung von Susanne Quellmalz eine überzeugende künstlerische Leistung, die das Publikum in der evangelisch-lutherischen Kirche begeistert hat.

Die Uraufführung des Werks »Ein deutsches Requiem« war am Karfreitag des Jahres 1868 im Bremer Dom und der 33-jährige Johannes Brahms selbst dirigierte. Vorausgegangen war eine fast zehnjährige Schaffensperiode des Künstlers. Bereits seit 1859, drei Jahre nach dem Tod seines Mentors und Freundes Robert Schumann, wollte Brahms ein Requiem komponieren. 1861 schrieb er erste Teile der Partitur, vollendete das Werk jedoch erst 1868, drei Jahre nach dem Tod seiner Mutter. Auch ihr Tod war ein entscheidender Impuls – doch hatte Brahms bis zu diesem Augenblick auch nur eher kleinere Werke geschrieben. Mit seinem Requiem – ursprünglich für bis zu 200 Sänger und Orchestermusiker konzipiert – wollte er Großes schaffen und etwas Vergleichbares seinen Widersachern Franz List und Richard Wagner entgegensetzen, die nichts von ihm hielten.

Brahms komponierte sein Requiem nicht als Totenmesse

Das Werk wurde zu einem der populärsten Stücke des Musikers und für ihn selbst zum Durchbruch. Seine Komposition kann man auch als seine musikalische Antwort auf Reformation und Aufklärung verstehen. Die Reformation unter Martin Luther hatte zuvor die Autorität der Kirche geschwächt – auch die Aufklärung mit dem Philosophen Immanuel Kant als bedeutendem Vertreter stärkte in den Menschen das Verlangen, sich von Autoritäten zu emanzipieren und sie kritisch zu hinterfragen.

Und Brahms komponierte sein Requiem nicht als Totenmesse gemäß der bis dahin geltenden kirchenmusikalischen Tradition in lateinischer Sprache. Er kombinierte nach seinen Vorstellungen aus der Lutherbibel ins Deutsche und übersetzte Texte aus altem und neuem Testament. Vorstellungen von Christus als Erlöser am Tag des jüngsten Gerichts kommen nicht vor: Das Requiem ist eine Ehrfurchtsbezeugung des Musikers an das Leben. Die Lebenden gilt es für Brahms zu trösten und der Toten zu gedenken. Ein Satz aus der Bergpredigt bringt im Werk die Motivation des Komponisten gleich zu Beginn auf den Punkt: »Selig sind die, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden.«

Überzeugende Darbietung

Den großen Publikumserfolg zu Brahms Zeit spiegeln auch Briefe zweier Zeitgenossen wider. Es sei ein »ganz gewaltiges Stück, ergreift den ganzen Menschen in einer Weise wie wenig anderes«, schrieb die Witwe Clara Schumann. Und der renommierte Wiener Kritiker Eduard Hanslick kommentierte: »Seit Bachs H-moll Messe und Beethovens Missa Solemnis« sei nach seiner Überzeugung »nichts geschrieben worden«, dass sich »auf diesem Gebiete neben Brahms deutsches Requiem zu stellen vermag!«

Eine besondere Aufführung dieses Stückes durfte nun auch das Publikum in Mennighüffen erleben. Bariton Michael Jäckel gestaltete seinen Solopart mit schönem Volumen. Musikalisch überzeugend und mit schönem Sopran trug auch Anne Bretschneider ihren Part vor. Dem standen die beiden Chöre nicht nach und beeindruckten mit ausbalancierten Klang aller Stimmen und klarer sprachlicher Verständlichkeit.

In Begleitung des Orchesters »Opus 7« gelang allen Beteiligten in der Mennighüffener Kirche unter Leitung von Susanne Quellmalz eine überzeugende Darbietung, die das Publikum begeistert hat.

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