Sa., 26.01.2019

Selbst an Rennstrecken hat Zeltmacherin Laura Anthony (60) aus Gohfeld schon gearbeitet Mit ihren Segeln fliegt der Holländer

Mit einer speziellen Nähmaschine verarbeitet Laura Anthony (60) schwere Stoffe, wie sie für Segel verwendet werden. 27 Meter Reißverschluss hat die gebürtige Kanadierin damit zum Beispiel in ein Segelmastkleid eingenäht.

Mit einer speziellen Nähmaschine verarbeitet Laura Anthony (60) schwere Stoffe, wie sie für Segel verwendet werden. 27 Meter Reißverschluss hat die gebürtige Kanadierin damit zum Beispiel in ein Segelmastkleid eingenäht. Foto: Lydia Böhne

Von Lydia Böhne

Löhne-Gohfeld (WB). Laura Anthony (60) hat in ihrem beruflichen Leben viel erlebt. Obwohl die Tätigkeiten vielseitig waren, gab es eine Konstante: die Arbeit mit Stoffen aller Art. Inzwischen ist die gebürtige Kanadierin in Gohfeld sesshaft geworden und arbeitet dort als Zeltmacherin.

1978 hatte es Laura Anthony mit 19 Jahren als Reiseleiterin nach Bayern verschlagen. Als Andenken an die vielen Jahre in Süddeutschland hat sie einen zu erahnenden bayerischen Dialekt beibehalten, der sich charmant mit leichtem kanadischen Akzent mischt. Nach Zwischenstationen in Oldenburg und an der Nordsee führte ihr Weg sie Anfang 2000 nach Braunschweig. »Ich habe dort Sattlerarbeiten erledigt und Oldtimer restauriert«, erläutert Laura Anthony. Das Wissen darüber, wie man beispielsweise Autotüren von innen verkleidet, habe sie sich durch Arbeitserfahrung angeeignet. »Ich war sogar ab und zu an der Rennstrecke. Angst und Aufregung lagen immer nah beieinander«, erinnert sie sich. In der Werkstatt habe Laura Anthony gelernt, qualitativ hochwertig zu arbeiten, wie sie selbst sagt.

Neun Jahre am Staatstheater in Braunschweig

Besonders geprägt habe sie allerdings ihre neunjährige Tätigkeit als Großstücknäherin

Früher hat die Schwergewebetechnikerin auf dem Fußboden gearbeitet. Ihr Mann, ein gelernter Zimmermann, hat ihr eine Eigenkonstruktion entworfen. Darauf können Zeltplanen komplett ausgebreitet werden. Foto: Lydia Böhne

am Staatstheater in Braunschweig. »Es gab immer Herausforderungen, für die ich mir eine Lösung überlegen musste«, erläutert Laura Anthony. Die Stacheln großer Deko-Kakteen habe sie zum Beispiel aus den Borsten eines Besens gefertigt. »Für das Stück ›Der fliegende Holländer‹, das unter freiem Himmel auf dem Burgplatz aufgeführt wurde, sollten sich Schiff und Schauspieler aus dem Sand erheben. Ich habe Segel- und Tauwerk genäht und die unterirdischen kleinen Tunnel unter dem Sand für die Schauspieler ausgekleidet«, erzählt die dreifache Mutter. »Weil es so warm und stickig war, mussten sie mir dort einen Ventilator installieren«, fügt sie mit einem Lachen hinzu.

Schon während ihrer Zeit beim Staatstheater lernte sie Hans-Ulrich Rasche kennen und lieben. Der Löhner bot ihr an, in der alten Tischlerei seines Bestattungsunternehmens an der Koblenzer Straße eine eigene Werkstatt einzurichten. 2015 erfüllte sich Laura Anthony diesen Traum, verlegte ihren Lebensmittelpunkt nach Löhne und bereitete damit auch der Fernbeziehung ein Ende. Im November vergangenen Jahres heirateten sie und Hans-Ulrich Rasche nach zehnjähriger Beziehung.

Sperrige Zeltplanen wiegen mehrere Kilos

Unter dem Namen »EinzigART­ig« betreibt sie nun seit vier Jahren die Werkstatt für Schwergewebe. Als Schwergewebetechnikerin näht sie Neubezüge, Zelte für Pavillons und Abdeckhauben oder verleiht Zelten aller Art neuen Glanz. »Am Staatstheater habe ich gelernt, mit Herausforderungen umzugehen, deshalb gibt es für mich keine Grenzen«, sagt Laura Anthony. Allerdings hat sie die anstrengenden Polster- und Sattlerarbeiten aufgegeben. Leichter ist ihr Beruf deshalb aber nicht unbedingt. Mehrere Kilogramm sperriger Zeltplanen werden beim Nähen oder Ausbessern auf der Arbeitsfläche gedreht und gewendet. »Manchmal habe ich abends lange Arme«, gibt die Zeltmacherin zu. Trotzdem lohne sich die Schufterei. »Für mich ist es das Schönste, wenn ich einem Kunden mit meiner Arbeit eine Freude bereiten kann«, sagt Laura Anthony zufrieden.

Auch der Kreativität sind bei ihrer Arbeit keine Grenzen gesetzt. Erst kürzlich hat die Löhnerin auf Wunsch eine Trage­tasche für eine Urne kreiert. »Die Dame wollte sie im Flugzeug nach Thailand transportieren«, erläutert sie. Die Tasche musste mehreren Ansprüchen genügen. »Sie musste zum Beispiel Gewicht aushalten, durfte beim Tragen nicht auf den Boden hängen und musste für den Zoll schnell zu öffnen sein«, fügt Laura Anthony hinzu.

Mit ihrem Leben in Deutschland ist die gebürtige Kanadierin sehr zufrieden. »Ich genieße sehr, dass man keine weiten Wege in Kauf nehmen muss, um mal etwas anderes zu sehen«, sagt sie. »Mein Mann und ich fahren gerne Motorrad, dafür eignet sich das Wiehengebirge natürlich sehr«, fügt die Zeltmacherin hinzu. Mehr Informationen gibt es im Internet.

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