Di., 19.02.2019

Jesidischer Sender »Cira TV« hat Betrieb im Löhner Wasserschloss aufgenommen Von der Ulenburg aus in die Welt

Aus dem früheren Rittersaal ist während der vierjährigen Umbauzeit ein Studio geworden. Von hier aus strahlt der jesidische Sender »Cira TV« beispielsweise täglich eine Nachrichtensendung aus. Moderatorin ist Leyla Ekinc.

Aus dem früheren Rittersaal ist während der vierjährigen Umbauzeit ein Studio geworden. Von hier aus strahlt der jesidische Sender »Cira TV« beispielsweise täglich eine Nachrichtensendung aus. Moderatorin ist Leyla Ekinc. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Löhne (LZ). Der Anfang 2018 angekündigte Endspurt bei der Renovierung des Wasserschlosses Ulenburg ist etwas verfrüht gewesen. Die baurechtliche Abnahme erwarten die Vertreter der »Ezdai«-gGmbH nun für Ende März/Anfang­­ ­April. Dagegen sendet »Cira TV« bereits seit Herbst von der Ulenburg aus. Über Satellit ist das jesidische Programm in aller Welt zu empfangen.

Die »Ezdai gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Kultur und Wissenschaft« ist, wie berichtet, seit Ende 2017 Betreiberin des 1570 erbauten Wasserschlosses. Verzögerungen habe es nun bei einigen baulichen Veränderungen gegeben. »Für die Abnahme sind zum Beispiel noch Brandschutztüren einzubauen«, sagt ­Ibrahim Kus (45). Er ist Geschäftsführer der »Ezdai«-gGmbH und zugleich zweiter stellvertretender Vorsitzender der »Gesellschaft Ezidischer Akademiker/-Innen« mit Sitz in Essen.

Ibrahim Kus (links), Geschäftsführer der »Ezdai«-gGmbH, und Haci Celik als ehrenamtlicher Helfer freuen sich darauf, das Wasserschloss bald auch für Löhner Vereine zu öffnen. Foto: Rajkumar Mukherjee

2015 hatten die Jesiden die Ulenburg übernommen. Dies hatte zur einer Diskussion in der Bürgerschaft geführt. Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit, deren Ursprung im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei liegt. Aufgrund von Vertreibung leben viele Glaubensanhänger in aller Welt.

Ende Februar 2018 hatte Ibrahim Kus eine Eröffnung der Ulenburg für vergangenen Sommer in Aussicht gestellt. »Nach der baurechtlichen Abnahme wollen wir aber weiter an unserer Idee festhalten, diesen Ort für jesidische Vereine, aber auch für Löhner Bürger und Vereine zu öffnen«, sagt er. Weiterhin sei auch Teil dieser Idee, den Versammlungsraum im Erdgeschoss, der Vereinen zur Verfügung gestellt werden soll, der Stadt als weiteres Trauzimmer anzubieten. Auch ein großes Fest zur Eröffnung, beispielsweise im Sommer, hatte ­Ibrahim Kus im vergangenen Jahr angekündigt. Zu diesen Punkten habe es in diesem Jahr aber noch kein Gespräch mit Bürgermeister Bernd Poggemöller gegeben.

Unterhaltung des Schloss-Parks

Aus Sicht der »Ezdai«-gGmbH sei aber noch ein weiterer Punkt zu klären: Gerne möchten ihre Vertreter den etwa 65.000 Qua­dratmeter großen Park der Ulenburg weiter für die Öffentlichkeit öffnen. »Wir hoffen darauf, bei der Unterhaltung eine Unterstützung der Stadt zu erhalten«, sagt Ibrahim Kus.

Auch halte die »Ezdai«-gGmbH an dem Einzugstermin von fünf Mietern fest: Zum 1. April sollen diese jesidischen Vereine die Räume nutzen können. Dazu gehören beispielsweise ein großer Seminarraum, Sanitärbereiche, eine Küche sowie ein Esszimmer. Zudem gibt es zehn Zimmer für Übernachtungen.

Ein Mieter ist bereits von der Ulenburg aus tätig: Der nach eigenen Angaben weltweit erste jesidische Fernsehsender »Cira TV«, der lange Zeit von Bielefeld aus sendete, nutzt bereits einen großen Teil des oberen Geschosses. Unabhängig von der Bauabnahme gebe es für diesen Betrieb eine Nutzungserlaubnis des Bauamtes der Stadt. Wie berichtet, hatte die »Ezdai«-gGmbH für diesen Mieter den früheren Rittersaal zu einem der beiden Studios umgebaut und einen Regieraum eingerichtet. Auch eine neue Starkstromleitung sollte 2018 verlegt werden.

In ihren Sendungen trägt Leyla Ekinc aufwändig bestickte jesidische Kleider. Foto: Rajkumar Mukherjee

Nach einer Testphase 2012 sei »Cira TV« seit 2013 über Satellit empfangbar, berichtet Leyla Ekinc. Sie ist seit den Anfängen Moderatorin. »Wir haben ein 24-Stunden-Programm«, sagt sie. Wichtig sei die tägliche Nachrichten-Sendung um 17.30 Uhr, die live ausgestrahlt werde. Diese Uhrzeit sei bewusst gewählt worden, um möglichst viele Zuschauer in unterschiedlichen Zeitzonen der Welt zu erreichen. »Cira« bedeutet Kerze wie Ibrahim Kus erklärt. Der TV-Anbieter verstehe sich als »religiöser Sender«, sagt Leyla Ekinc. Wichtig sei es aber, – neben der Religion – auch die Kultur zu vermitteln, etwa in einer Sendung für Frauen am Sonntag.

Verfolgung der Jesiden

Leyla Ekinc verweist auf die Verfolgung der Jesiden, »und den Genozid 2014«: Am 3. August habe die Terrormiliz Islamischer Staat das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden im irakischen Sindschar überfallen. »Über 5000 Männer und Jungen wurden ermordet, über 7000 Frauen und Mädchen entführt, Hunderttausende vertrieben«, sagt Leyla Ekinc.

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