Fr., 03.05.2019

Anklageschrift zu Delikten in Löhne umfasst mindestens 20 Taten Löhner Zwillinge stehen in Herford vor Gericht

Ein Zwillingspaar aus Löhne (20) muss sich wegen mindestens 20 Delikten vor dem Jugendschöffengericht in Herford verantworten. Sie werden von den Rechtsanwälten Achim Depenbrock (Foto, rechts) und Sven Peters vertreten.

Ein Zwillingspaar aus Löhne (20) muss sich wegen mindestens 20 Delikten vor dem Jugendschöffengericht in Herford verantworten. Sie werden von den Rechtsanwälten Achim Depenbrock (Foto, rechts) und Sven Peters vertreten. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Löhne/Herford (WB). Während der Anhörung im Prozess gegen die Zwillinge (20) aus Löhne hat Richterin Dr. Tanja Schwöppe-Funk eine Frage beschäftigt: »Wie sind Ihre DNA-Spuren an die linke Lenkradseite gelangt?« Die jungen Männer müssen sich in mindestens 20 Anklagepunkten vor dem Jugendschöffengericht in Herford verantworten.

Die Frage der Richterin steht symbolisch für das Abstreiten vieler Taten – trotz Teilgeständnissen vor allem bei Delikten wie Diebstählen. So auch bei dem zur Last gelegten Einbruch in eine Werkstatt für Haushaltsgeräte an der Nordbahnstraße am 27. Mai 2017. Einer der beiden Zwillinge soll hier eingedrungen sein und einen Wagen gestohlen haben. Die Spritztour hatte 700 Meter entfernt an einem Baum geendet. »Wir wissen es auch nicht, wie die Spuren ans Lenkrad kommen«, sagte ein Zwilling achselzuckend.

Verelsung der Anklage dauert Dreiviertelstunde

Fast eine Dreiviertelstunde benötigte Staatsanwältin Sabrina Bock, um die Anklageschrift zu verlesen: Diebstähle von unter anderem Schmuck, Fahrrädern, Alkohol, Parfums sowie ein Einbruch in ein Wohnhaus, Bedrohung, Handel mit Ecstasy-Pillen, Hausfriedensbruch und sexuelle Nötigung eines Kindes an einer Grundschule wirft die Staatsanwaltschaft den Zwillingen – wie mehrfach – berichtet vor. In diesem Verfahren geht es um mögliche Straftaten, die sich zwischen Anfang 2016 und Ende 2018 zugetragen haben sollen. 36 Zeugen waren vor Prozessbeginn geladen worden. Schon am dritten Verfahrenstag am kommenden Donnerstag soll es ein Urteil geben.

Trotz des Prozessumfanges gelang es Tanja Schwöppe-Funk, den Prozess ruhig und gezielt zu führen. »Dafür sprechen wir ein Lob aus«, sagte Rechtsanwalt Achim Depenbrock. Zusammen mit Sven Peters (beide Herford) vertritt er die Zwillinge vor Gericht. Wie berichtet, hatte Achim Depenbrock im ursprünglichen Verfahren vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen einen Befangenheitsantrag gegen Amtsgerichtsdirektor Werner Meier auf den Weg gebracht. Der Verteidiger hatte befürchtet, dass das Jugendstrafverfahren aufgrund einer möglichen Vorverurteilung der Angeklagten »nicht fair« geführt werde. Zugleich hatte Richter Meier ein psychiatrisches Gutachten angeordnet, um die Schuldfähigkeit der beiden Jugendlichen zu klären. Zwischenzeitlich war das Verfahren aufgrund der Vielzahl an Anklagepunkten an das Jugendschöffengericht in Herford überwiesen worden. Zuvor waren in dem Verfahren in Bad Oeynhausen mögliche sexuelle Handlungen noch nicht Teil des Verfahrens. Zeitweise hatte sich auch der Petitionsausschuss des Landtages, nach einem Hinweis der Elterninitiative »Pro Kind Melbergen«, mit dem Fall der Zwillinge beschäftigt.

Fakten von Vermutung trennen

In der Befragung der Angeklagten sowie der ersten Zeugen oblag es Tanja Schwöppe-Funk, beweisbare Fakten von Vermutung zu trennen. Zu den weiteren Anklageschwerpunkten am ersten Verhandlungstag gehörten folgende zwei Vorwürfe:

1. Am 16. Februar 2016 soll einer der Zwillinge auf dem Weg zur Hauptschule in Bünde eine Tasche mit Modeschmuck, Wert 15.000 Euro, aus dem Kofferraum eines abgestellten, offenen Wagens gestohlen haben. »Ich habe mir nichts dabei gedacht«, sagte der beschuldigte Zwilling, der diese Tat zugleich einräumte.

2. Am 22. November 2017 soll einer der Zwillinge in das Einfamilienhaus einer damals befreundeten Nachbarin eingedrungen sein: Dabei soll er, als die Frau mehrere Stunden außer Haus war, 1500 Euro, ein Sparschwein, einen Silberring und vier Smartphones gestohlen haben. Diese Tat bestreiten die Angeklagten dagegen.

Für mehrere Zeugen ergab sich zudem ein Dilemma: Weil sich die Zwillinge sehr ähnlich sehen, waren die Zeugen – trotz erheblicher Vorwürfe – teilweise nicht in der Lage, sich auf einen Täter zweifelsfrei festzulegen.

Am kommenden Montag, 6. Mai 2019, wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird es auch um den Fall von sexueller Nötigung gehen.

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