Mi., 15.05.2019

»Der fremde Deutsche«: Dr. Umeswaran Arunagirinathan liest im Gymnasium in Löhne »Ich wollte immer Arzt werden«

Als Alexander Tigges (links) von Städtischen Gymnasium erfährt, dass Umeswaran Arunagirinathan in der Volkshochschule lesen wird, nimmt er Kontakt auf und kann den Chirurgen und Autor für eine Lesung in der Aula gewinnen.

Als Alexander Tigges (links) von Städtischen Gymnasium erfährt, dass Umeswaran Arunagirinathan in der Volkshochschule lesen wird, nimmt er Kontakt auf und kann den Chirurgen und Autor für eine Lesung in der Aula gewinnen. Foto: Renée Trippler

Von Renée Trippler

Löhne (WB). »Nicht aufgeben!« ist das Motto von Umeswaran Arunagirinathan und die Botschaft, die er den Schülern des Städtischen Gymnasiums Löhne (SGL) bei seiner Lesung mitgibt. Mit zwölf Jahren floh der Mediziner und Autor vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland. Vor wenigen Tagen hat der 41-Jährige seine Ausbildung zum Herzchirurgen offiziell abgeschlossen.

Die Geschichte, die er in seinen Büchern erzählt, hat Umeswaran Arunagirinathan viel mediales Interesse und Bekanntheit eingebracht. Diese nutzt der Chirurg, um sich für Integration einzusetzen und für Toleranz – nicht nur mit Blick auf Flüchtlinge. Bei seiner Lesung am Städtischen Gymnasium berichtet er auch von Anfeindungen aufgrund seiner Homosexualität. Sein Buch »Der fremde Deutsche« ist im Jahr 2017 erschienen.

Versprechen an die Mutter

»Wenn ihr ein Ziel habt und an euch glaubt, schafft ihr es auch!«: Mit seiner offenen, positiven Art und seinen ehrlichen Erzählungen beeindruckt Umeswaran Arunagirinathan die Schüler in der Aula. Foto: Renée Trippler

»2008 habe ich mit der Facharztausbildung begonnen. Das war eine echte Odyssee, weil die Facharztausbildung in Deutschland leider nicht geregelt ist«, sagt Umeswaran Arunagirinathan vor Beginn seiner Lesung. Wie die Schüler kurz darauf aus seinem Buch erfahren werden, spielt er auch damit auf Vorurteile gegenüber Menschen an, die in der deutschen Gesellschaft als fremd wahrgenommen werden – obwohl sie das gar nicht sind.

Denn eigentlich wollte Umeswaran Arunagirinathan seine Facharztausbildung in seiner Heimatstadt Hamburg absolvieren, wo er auch studiert und dementsprechend an der dortigen Uni-Klinik gearbeitet hatte. Obwohl er für die Ausbildungsstelle geeignet gewesen wäre, habe der Verantwortliche andere Kollegen vorgezogen. Aber: »Man darf sich nicht brechen lassen. Dann verliert man sich selbst.« Also wechselte er an eine Herzklinik in Bayern, genauer gesagt in dem kleinen fränkischen Ort Bad Neustadt.

»Ich wollte immer Arzt werden«, sagt er. Es war ein Versprechen, dass er seiner Mutter im Jahr 1991 zum Abschied gab: Er würde nicht trinken, nicht rauchen und als Arzt nach Sri Lanka zurückkehren. Die Schüler der Jahrgangstufen e und f lauschten gebannt, als Umeswaran Arunagirinathan aus den Kapiteln über seine Flucht, seine Schulzeit in Hamburg und seine Kindheit in Sri Lanka las. »Die Eltern hatten Angst ihre Kinder zur Schule zu schicken, denn viele sind auf dem Weg dorthin gestorben«, sagte er. Seine Mutter schickte »Umes« mit einem Schlepper nach Hamburg, wo sein Onkel lebte. Statt einer Woche, wie geplant, sollte die Reise länger als ein halbes Jahr dauern. Über Umwege strandete der junge Umeswaran Arunagirinathan monatelang in Togo, bevor er schließlich doch am Frankfurter Flughafen ankam.

Trotz Vorurteilen aufeinander zugehen

Immer wieder sei er später mit Vorurteilen konfrontiert gewesen. »Es gibt Patienten, die sich beschweren, weil sie von einem Schwarzen behandelt werden.« So wie ein Mann, der sich nach seiner Bypass-Operation beschwert hatte, dass ihn ein »Flüchtling« operiert habe. Umeswaran Arunagirinathan behandelte den Mann dennoch weiter. Auf dem Weg in die Reha habe der 80-Jährige ihm schließlich die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt: »Sie sind ein guter Junge.«

Es sei wichtig, gerade wegen Vorurteilen aufeinander zuzugehen sagt Umeswaran Arunagirinathan: »Der Mensch bleibt nur solange fremd, wie er sich so fühlt und so behandelt wird.«

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