Mi., 22.05.2019

Spieler zu neun Monaten Haft auf Bewährung und Wiedergutmachung verurteilt Fußballer »brutal verletzt«

Ein Fußballspieler hat sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten müssen.

Ein Fußballspieler hat sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten müssen. Foto: Sonja Gruhn/Archiv

Löhne (WB/wa). Das war kein Foul, sondern eine vorsätzliche gefährliche Körperverletzung – so urteilte nun das Amtsgericht Bad Oeynhausen über einen Zwischenfall bei einem Kreisligaspiel. Amtsrichter Dr. David Cornelius verurteilte den beschuldigten Fußballspieler zu neun Monaten Haft auf Bewährung.

Der Vorfall hatte sich im Februar 2018 während einer Begegnung zwischen Türkspor Külübü Löhne und TuS Bonneberg ereignet. Drei Verhandlungstage dauerte der Prozess, erst dann stand für Dr. Cornelius das Urteil fest. Zudem erlegte er dem Angeklagten, ehemals Spieler des Löhner Vereins, auf, 5000 Euro als Wiedergutmachung an den Geschädigten zu bezahlen und für dessen Verfahrenskosten aufzukommen.

Bruch und mehrfacher Bänderriss durch Tritt

Das Gericht hatte keinen Zweifel an der Schilderung dreier Zeugen, darunter der Lebensgefährtin des Geschädigten, die ihren Freund beim Spiel sehr genau beobachtet hatte. Nach ihren Schilderungen hatte es einen verbalen Streit auf dem Platz gegeben.

Daraufhin sei der Angeklagte auf den Geschädigten zu gerannt und habe ihm mit voller Wucht ins Knie getreten. Dieser musste sich aufgrund eines komplizierten Bruches und mehrfachen Bänderrisses drei Operationen unterziehen und war anschließend nach eigenen Angaben ein Pflegefall und für neun Monate arbeitsunfähig.

Sein Mandant »wurde brutal verletzt, anders kann man das nicht bezeichnen«, erklärte der Nebenkläger in seinem Plädoyer. »Er hat sich ganz schnell entfernt«, wertete der Anwalt die Attacke des Beschuldigten. »Er wusste, was er tat.«

Verteidiger plädiert auf »unglückliches Foul«

Sei Mandant habe den Geschädigten schwer verletzt, räumte auch der Verteidiger ein. Doch er plädierte auf ein unglückliches Foul, das strafrechtlich nicht geahndet werden könne und zitierte dabei einen der Zeugen. »Er geht dem Ball nach, um den wieder zu holen«, hatte dieser über das Verhalten des Angeklagten ausgesagt. Demnach habe sein Mandant versucht, den Ball zu spielen, erklärte der Verteidiger. Dabei sei es zu dem schweren Unfall gekommen.

Doch dem schloss sich der Vorsitzende Richter nicht an. Übereinstimmend hätten die Zeugen die Tat des Angeklagten »wie einen Tritt gegen eine Laterne beschrieben«. Dies passe auch zur Aussage eines behandelnden Arztes, dass ein Bruch durch massive Druckeinwirkung keine gewöhnliche Sportverletzung sei.

Beleidigungen eines Feldspielers »haben Sie getroffen, und dafür wollten Sie sich revanchieren«, erklärte der Richter dem Angeklagten. Daraufhin sei er zum Geschädigten gelaufen, um sich abzureagieren. Zwar habe dieser den Ball am Fuß gehabt, aber »Sie haben das Knie fixiert und auch getroffen«.

Nicht nur seine eigenen Verfahrenskosten, sondern auch jene des Nebenklägers muss der Beschuldigte nun bezahlen, wenn das Urteil rechtskräftig wird. Zudem »stehen noch erhebliche zivilrechtliche Ansprüche im Raum«, betonte der Anwalt des Geschädigten.

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