Fr., 12.07.2019

Suche nach Investoren für Löhner Unternehmen läuft – keine Kündigungen geplant C. Hahne Mühlenwerke: Insolvenzverfahren ist eröffnet

Ende April hat der zunächst vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beim Amtsgericht Bielefeld den Antrag gestellt. Nun ist das Insolvenzverfahren C. Hahne Mühlenwerke eröffnet worden.

Ende April hat der zunächst vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beim Amtsgericht Bielefeld den Antrag gestellt. Nun ist das Insolvenzverfahren C. Hahne Mühlenwerke eröffnet worden. Foto: Rajkumar Mukherjee/Archiv

Von Sonja Gruhn und Rajkumar Mukherjee

Löhne-Gohfeld (WB). Bei der C. Hahne Mühlenwerke GmbH & Co. KG in Löhne hat das Amtsgericht Bielefeld am 1. Juli das Insolvenzverfahren eröffnet. Derzeit läuft die Suche nach Investoren. Mit entsprechenden Angeboten rechnen die Verantwortlichen in den nächsten zwei bis drei Wochen.

»Der Geschäftsbetrieb läuft stabil«, sagt der bestellte Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Stefan Meyer von der Pluta Rechtsanwalts GmbH, der als Geschäftsführer eingesetzt ist. Er hatte bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter das Verfahren Ende April beantragt. Grund für den Antrag waren Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung des Unternehmens.

Er schaue zuversichtlich auf den Investorenprozess, sagt der in Unternehmungssanierung erfahrene Fachanwalt. Bereits kurz nach Einleitung des Verfahrens hatte Meyer mit Zustimmung des Gläubigerausschusses die Saxenhammer & Co. Corporate Finance GmbH mit der Einleitung eines strukturierten Investorenprozesses beauftragt. Mit belastbaren Angeboten aus diesem Prozess rechneten die Verantwortlichen in den nächsten zwei bis drei Wochen, heißt es weiter.

Keine Kündigungen von Arbeitgeberseite

»Der Geschäftsbetrieb wird seit der Antragstellung uneingeschränkt und stabil fortgeführt. Das Unternehmen erwirtschaftet im kompletten bisherigen Verfahren zufriedenstellende operative Ergebnisse. Das sind beste Voraussetzungen für den Investorenprozess«, sagt Insolvenzverwalter Meyer.

»Die Mitarbeiter sind hoch motiviert und ziehen mit uns an einem Strang. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass es sich hier um eine Folgeinsolvenz handelt«, ergänzt Pluta-Anwalt Stefan Meyer.

Derzeit sind gut 130 Mitarbeiter in dem Unternehmen tätig. Arbeitgeberseitig seien keine Kündigungen zu erwarten, heißt es auf Anfrage. »Es gab sehr wenige Kündigungen seitens der Mitarbeiter. Alle sind jetzt gespannt, wie der Investorenprozess läuft und wie es weitergeht«, sagt Karsten Krüger. Er ist zusammen mit seiner Schwester Simone Böhne sowie Hahne-Mitarbeiter Jörg Wagner in der Geschäftsführung der C. Hahne Mühlenwerke GmbH & Co. KG. Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Good Grain GmbH mit Sitz in Löhne.

Motivation der Mitarbeiter stärkt das Unternehmen

Man könne nur vernünftige Investoren finden, wenn wichtige Positionen mit guten Mitarbeitern besetzt sind. Durch die Motivation der Mitarbeiter sei das Unternehmen deshalb gut aufgestellt, sagt Krüger.

Nach wie vor nicht betroffen von dem Verfahren ist das Bäckereiunternehmen »Karlchen’s« aus Löhne. Deren Inhaber, Simone Böhne und Karsten Krüger, hatten die Mühlenwerke 2017 aus der Insolvenz übernommen. Karsten Krüger hatte sich zu dem Zeitpunkt optimistisch gezeigt, das Unternehmen mit einem Investor fortführen zu können. Dann jedoch war nach Informationen dieser Zeitung ein potenzieller Investor abgesprungen.

Gestiegene Rohstoffpreise etwa für Hafer, auch aufgrund des ex­tremen Sommers 2018, gehörten zu den Problemen, mit denen die C. Hahne Mühlenwerke zu kämpfen hatten. So hatte Hahne im Januar darauf verwiesen, täglich etwa 160 Tonnen Hafer zu 220.000 Packungen Haferflocken zu verarbeiten. Besonders im Exportmarkt mit damals 65 Ländern hatte Karsten Krüger 2018 große Chancen gesehen.

1848 waren die Mühlenwerke gegründet worden. Inhaber war bis 2017 die Familie Hahne. Der Jahresumsatz war 2012/2013 auf 60 Millionen Euro gesteigert worden, dann aber auf 20 Millionen Euro (2016) gesunken. In der Folge hatte Hahne bereits von Januar 2016 an ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Bei dem Übergang des Geschäftsbetriebs verblieb Familie Hahne 2017 als Eigentümerin des insgesamt etwa 50.000 Quadratmeter großen Geländes und der Betriebsgebäude.

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