Gesundheitsamt: »Betreiber ist Verpflichtung nachgekommen«
Freibadwasser wird Montag kontrolliert

Löhne (WB). Das Löhner Freibad wird nicht an diesem Wochenende wieder eröffnet, sondern voraussichtlich erst Mitte der kommenden Woche. Selbst wenn eine Probe des grün eingetrübten Wassers vorhanden gewesen wäre, hätte das Gesundheitsamt die Freigabe nicht eher erteilen können. Denn erst am Montag soll eine Probe des Wassers, das gerade eingefüllt wird, entnommen werden.

Donnerstag, 01.08.2019, 17:23 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 17:34 Uhr
Es läuft: Langsam aber stetig füllt sich das große Becken des Freibades Löhne, das dieses Mal nicht aus dem Brunnen, sondern aus dem städtischen Trinkwassernetz kommt. Burkhard Schröder ist sicher, dass die Wasserprobe gut ausfallen wird. Foto: Sonja Gruhn
Es läuft: Langsam aber stetig füllt sich das große Becken des Freibades Löhne, das dieses Mal nicht aus dem Brunnen, sondern aus dem städtischen Trinkwassernetz kommt. Burkhard Schröder ist sicher, dass die Wasserprobe gut ausfallen wird. Foto: Sonja Gruhn

Der Schwimmer-Bereich ist am Donnerstagvormittag schon gut gefüllt, während Burkhard Schröder noch trockenen Fußes bequem durch das Nichtschwimmer-Becken laufen kann. »Wenn das Becken voll ist, wird die Chloranlage, also die Umwälzung, angeschmissen«, sagt der erste Vorsitzende des SC Aquarius, dem Betreiber des Bades. Erst wenn die Anlage wieder in Betrieb ist, wird demnach das Hygiene-Institut eine erste Messung vornehmen. Der Termin dafür ist Montagmorgen angesetzt. Schröder ist optimistisch: »Die Werte werden garantiert positiv sein.«

Warten auf die Freigabe

Ist dies der Fall, kann das Gesundheitsamt die Freigabe erteilen. Mit dem Ergebnis rechnet Burkhard Schröder am Dienstag oder Mittwoch kommender Woche. »Dann können wir Mittwoch oder Donnerstag wieder öffnen.«

Aufgrund des Vorfalls , bei dem sich das Badewasser binnen weniger Stunden grün eingetrübt hatte, sollen einige technische Veränderungen vorgenommen werden. So soll, wie ebenfalls berichtet, beispielsweise voraussichtlich ein Kiesel-Gur-Filter eingebaut werden, allerdings erst im kommenden Jahr.

Aber das ist nicht alles: »Das Problem ist, dass wir nicht genau feststellen können, wie viel Frischwasser wir fahren«, sagt Schröder. Denn Frischwasser, also Wasser aus dem städtischen Trinkwassernetz, werde auch für die Duschen im Freibad verwendet.

Technische Veränderungen

Abhilfe schaffen sollen getrennte Wasseruhren. »Damit wir sehen können, was an Frischwasser wirklich in das Becken geht«, sagt Burkhard Schröder. Zudem soll über die Zufuhr des Frischwassers Protokoll geführt werden. Somit stünden auch die Schwimmmeister auf der sicheren Seite. Denn bislang mussten sie immer über den Daumen abschätzen, ob die Menge reicht. Dabei macht ein neuer Schiebregler die Dosierung offenbar nicht einfacher, wie einer der Mitarbeiter sagt.

»Es kann auch passieren, dass wir das Freibad mal zwischendurch schließen, um den Boden zu reinigen, beispielsweise wenn Schlieren auftreten. Ich dachte auch, dass Absaugen da reicht, aber offenbar muss man dann doch mit der Bürste ran«, sagt Burkhard Schröder.

Kommentar

Dass es äußerst selten zu einer solch massiven Grünfärbung wie im Freibad Löhne kommt, und selbst dort zum ersten Mal innerhalb von mehr als 60 Jahren, ist wohl Beleg genug dafür, dass dort viele ungünstige Faktoren dazu beigetragen haben. Deshalb haben Schuldzuweisungen hier keinen Platz, ebenso wenig wie in den sozialen Netzwerken, in denen gar Vertuschungsversuche unterstellt werden.

Auch eine Gefährdung für die Badegäste hat es nicht gegeben, was laut Gesundheitsamt nicht zuletzt auf die schnelle und konsequente Reaktion des Betreibers zurückzuführen ist. Angesichts der geplanten Maßnahmen, einem solchen Vorfall künftig vorzubeugen und sich somit auch auf die klimatische Veränderung einzustellen, ist eine Wiederholung eher unwahrscheinlich.

Vielmehr sollte man sich vor Augen halten, dass der Betreiber dafür sorgt, dass es in Löhne noch ein Freibad gibt, und dass die Schwimmmeister sich um die Sicherheit der Badegäste kümmern.

Sonja Gruhn

...

Die zuständige Behörde

Auf Anfrage hat das Gesundheitsamt des Kreises Herford noch einige Fragen zu dem Vorfall beantwortet:

Wie muss ein Betreiber in einem solchen Fall reagieren? Sind tatsächlich die Schwimmmeister dafür verantwortlich, das Gesundheitsamt zu informieren?

Der Betreiber ist in der Verantwortung. Er hat sicherzustellen, dass das Wasser im Schwimm­becken so beschaffen ist, »dass durch seinen Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit,…, nicht zu besorgen ist« (§ 37 Infektionsschutzgesetz).

Nach den »Hygieneanforderungen an Bäder und deren Überwachung« – Empfehlung des Umweltbundesamtes – sollte der Betreiber eines Bades dem Gesundheitsamt innerhalb von drei Tagen die Außerbetriebnahme des Bades anzeigen. Dieser Verpflichtung ist der Betreiber nachgekommen.

Inwieweit wirkt sich das Fehlen einer Probe des grün gefärbten Wassers aus, beispielsweise auch zeitlich im Hinblick der Freigabe?

Die Freigabe kann erteilt werden, wenn die aktuellen Wasserproben nach der Neubefüllung keinen Anlass für eine Beanstandung bieten. Für die Gesamtbeurteilung ist eine Vielzahl von Parametern erforderlich – wenn die Ergebnisse des jetzigen Wassers den Richtlinien entsprechen, kann eine Freigabe voraussichtlich Mitte nächster Woche erfolgen. Eine Probe des abgelassenen Wassers wäre für die Ursachenanalyse hilfreich gewesen, aber die durchgeführten und noch vorzunehmenden Maßnahmen hätten zeitlich auch bei Vorliegen einer Probe nicht schneller erfolgen können.

Problemlage ist komplex

Wie sehen die weiteren Schritte aus?

Die Fachkräfte des Gesundheitsamtes werden die Auswertung der Befunde, Feststellungen und Aufzeichnungen weiter fortführen und die laufenden und noch vorzunehmenden Maßnahmen des Betreibers begleiten.

Was könnte das Wasser derart schnell eingetrübt haben. Gäbe es außer einer Algenentwicklung überhaupt andere Möglichkeiten? Und um welche Algenart könnte es sich dabei handeln?

Im Freibad Löhne ist die Pro­blemlage komplex, umso richtiger ist auch hier die Aussage, dass mehrere ungünstige Parameter zusammentreffen, die auch bei dem von Fachleuten gewarteten und betreuten Freibad zu einem »Umkippen« des Wassers geführt haben.

Die Algenentwicklung ist dabei nur ein Symptom, das aber mehrere Ursachen hat. Einige Ursachen wurden vom Betreiber bereits beschrieben: hohe Außentemperaturen haben zu einer hohen Temperatur des Beckenwassers geführt, die Zahl der Badegäste war entsprechend des Sommerwetters sehr hoch. Auf die Bestimmung der Algenart kann verzichtet werden, da unabhängig von der Art der Algen das Vorgehen dasselbe ist.

Keine Gefahr für die Badegäste

Hat eine Gefahr für die Gesundheit der Badegäste bestanden?

Algen sind an sich ungefährlich für den Menschen. Im Fall des Freibades Löhne ist zu vermuten, dass Algen die Ursache für den Farbwechsel gewesen sein können. Möglicherweise haben sich schon eine gewisse Zeit geringe Mengen an Algen im Wasser befunden, von einer Gesundheitsgefährdung kann dann aber noch nicht gesprochen werden. Normalerweise ist die übliche Chlorung des Beckenwassers im Zusammenwirken mit der Filtertechnik ausreichend, damit sich die Algen nicht vermehren.

Wenn sich das Wasser im Schwimmbecken aber erst einmal grün gefärbt hat, ist das nicht nur aus optischen Gründen ein Warnsignal, im Rahmen der Vorsorge muss es auch in gesundheitlicher Sicht ernst genommen werden.

Deshalb hat man im Freibad Löhne sofort reagiert und das Bad geschlossen. Das war konsequent und richtig so. Algen sind für sich genommen in der Regel nicht gesundheitsschädlich, dienen aber als Nährboden für potenziell gesundheitsschädliche Bakterien und Krankheitserreger. Bei einem längeren Verbleib der Algen im Wasser, hätte man Sorge haben müssen, dass eine Gesundheitsgefährdung entstehen kann.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6821046?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514619%2F
FC Bayern überrollt Barça - Nach irrem 8:2 auf Endspielkurs
Der FC Bayern München hatte keine Mühe mit dem FC Barcelona und erreichte locker das Halbfinale.
Nachrichten-Ticker