Mi., 14.08.2019

Personenspürhund verfolgt Spuren des vermissten 73-Jährigen zur Werre Wasser im Sielwehr wird abgesenkt

Polizeibeamte aus Bad Oeynhausen halten am Dienstag während der Absenkung des Wassers am Sielwehr Ausschau nach dem 73-Jährigen, der seit Montagabend vermisst wird.

Polizeibeamte aus Bad Oeynhausen halten am Dienstag während der Absenkung des Wassers am Sielwehr Ausschau nach dem 73-Jährigen, der seit Montagabend vermisst wird. Foto: Sonja Gruhn

Von Sonja Gruhn

Löhne/Bad Oeynhausen (WB). Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften haben Feuerwehr und Polizei in der Nacht von Montag auf Dienstag an den Sielterrassen und am Sielwehr nach einem 73-jährigen Mann aus Löhne gesucht. Dieser war am Montagabend gegen 20.20 Uhr von seiner Tochter als vermisst gemeldet worden.

Die Suche nach dem 73-Jährigen blieb bislang erfolglos. Der eingesetzte Personenspürhund, ein sogenannter Mantrailer, hatte noch in der Nacht zu Dienstag die Spur des vermissten Mannes aus Löhne aufgenommen. »Alle Wege verliefen aber in Richtung Werre«, sagte am Dienstagmorgen Simone Lah-Schnier, Sprecherin der Kreispolizei Herford. Die Behörde koordiniert den Einsatz, da der Mann aus dem Kreis Herford kommt und dort als vermisst gemeldet wurde.

Sielwehr wird abgesenkt

Deshalb konzentrierten sich die Einsatzkräfte weiterhin auf den Fluss und den Uferbereich. Eine Kommission hatte mittlerweile die weiteren Maßnahmen abgestimmt. »Eine Alternative ist, das Wehr abzusenken«, sagte Simone Lah-Schnier. Diese Überlegung hatte es bereits in der Nacht gegeben. Allerdings bedürfe es dazu sowohl einiger Vorbereitungen als auch Formalitäten, fügte sie hinzu. »Das geht nicht so einfach auf Knopfdruck.«

Wenig später war dann die Entscheidung gefallen, das Wasser abzulassen. Das allerdings dauert länger, als die Polizei gedacht hatte. Denn nicht zuletzt um Flora und Fauna zu schützen, wird der Wasserspiegel moderat und nicht mehr als um zehn Zentimeter pro Stunde gesenkt werden.

Zuletzt war das Wasser am Sielwehr im März 2014 im Rahmen einer Suchaktion abgesenkt worden. Damals wurde der fünfjährige Dano aus Herford vermisst. Einige der in die aktuelle Suchaktion Involvierten erinnern sich nun wieder an den Vorfall.

Pkw am Kanuverein geparkt

Laut Polizei hatte der Löhner am Montagmorgen gegen 8.30 Uhr das Haus für einen Arztbesuch verlassen. Unterwegs war er mit einem Pkw. Als er am Abend noch nicht wieder nach Hause zurückgekehrt war, machte sich seine Tochter demnach Sorgen und meldete ihren Vater als vermisst. Der Senior sei auf Medikamente angewiesen.

Das Fahrzeug fanden die Beamten auf dem Parkplatz am Sitz des Kanuvereins Bad Oeynhausen. Bei den Sielterrassen ging der Rentner wohl häufiger spazieren. Das Auto sei verschlossen gewesen. Von dem 73-Jährigen fehlte allerdings jede Spur. Die Feuerwehr unterstützte die Polizeibeamten bei der Suche und leuchtete zudem das Suchgebiet aus.

Hubschrauber angefordert

Ein Hubschrauber der Polizei war gegen 22.45 Uhr angefordert worden. Mit Suchscheinwerfern und einer Wärmebildkamera ausgerüstet flog dieser die ansonsten nicht einsehbaren Böschungsbereiche der Werre ab. Auch der Kurpark wurde bei dieser Gelegenheit in die nächtliche Suchaktion einbezogen.

Feuerwehrleute waren von etwa 0.15 Uhr an ebenfalls mit Wärmebildkameras an beiden Uferseiten des Flusses unterwegs, wobei sie vom Sielwehr aus jeweils etwa einen Kilometer in beide Richtungen gehen wollten. Bereits wenige Minuten später schien es, als sei der Mann etwa 200 Meter hinter dem Wehr gefunden worden. Es stellte sich jedoch heraus, dass es sich lediglich um einen Stein gehandelt hatte.

Taucher der Feuerwehr

Gegen 1.15 Uhr trafen Taucher der Feuerwehr Petershagen am Einsatzort ein, das Boot ließen sie gegen 2 Uhr zu Wasser. Polizei und Feuerwehr suchten derweil an den kleinen Seen und in den Wäldern im und am Siel nach dem 73-Jährigen. Die Taucher kamen in der Nacht aufgrund der gefährlichen Strömung schließlich nicht mehr zum Einsatz, wurden aber am Dienstag laut Kreisleitstelle der Feuerwehr in Minden gegen 11.30 Uhr erneut alarmiert, um die Suche fortzusetzen.

Aber auch da kam lediglich das Boot der Feuerwehr zum Einsatz, das mit Hilfe eines Sonargerätes das Gewässer weiter absuchte. Allerdings ließ sich aufgrund der Wassertiefe direkt am Wehr nicht viel ausrichten, sodass der Versuch um 14 Uhr abgebrochen wurde. Die Taucher mussten abermals aus Sicherheitsgründen unverrichteter Dinge wieder abrücken.

Spürhund sucht nach Mann

Die Einsatzleitung der Polizei hatte am Montagabend zudem einen Personenspürhund, einen sogenannten Mantrailer, aus Ennepetal – in der näheren Umgebung war keiner verfügbar gewesen – angefordert. Dieser sollte gegen 0.30 Uhr eintreffen, war allerdings bis 2.15 Uhr zunächst nicht in Bad Oeynhausen angekommen und kam entsprechend später zum Einsatz.

Der Spürhund hatte dann die Fährte aufgenommen und war immer wieder in Richtung Werre gelaufen, sodass den Einsatzkräften klar war, dass sie dort weitersuchen mussten. Gegen 4.30 Uhr wurde der Einsatz am Dienstagmorgen jedoch zunächst abgebrochen und alle Kräfte abgezogen, wie die Kreisleitstelle auf Anfrage weiter mitteilte. Morgens habe es einen Wachwechsel gegeben und weitere Sondierungsmaßnahmen in Absprache mit der Polizei.

60 Feuerwehrleute im Einsatz

Mit Eintreffen der Feuerwehr hatte Nico Czimmernings von der Feuerwehr Bad Oeynhausen in der Nacht von Montag auf Dienstag die Einsatzleitung für die Suche von der Polizei übernommen. Im Einsatz waren 13 Fahrzeuge aus Bad Oeynhausen, darunter der Löschzug der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache Bad Oeynhausen sowie die Löschgruppen Werste, Lohe und Bad Oeynhausen, sowie vier Fahrzeuge aus Petershagen.

Die Löschgruppe Rehme hatte die Bereitschaft für Paralleleinsätze. Insgesamt waren 60 Feuerwehrleute vor Ort, davon 15 von der Tauchgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Petershagen. Die Polizei beteiligte sich in der Nacht mit drei Einsatzfahrzeugen und acht Beamten an dem Einsatz. Die Johanniter-Unfallhilfe kam mit zwei Fahrzeugen und sorgte für die Verpflegung der Einsatzkräfte. Auch das Ordnungsamt war zur Unterstützung vor Ort.

Suche geht weiter

Während das Wasser absenkt wird, werde die Feuerwehr weiter nach dem Vermissten Ausschau halten. Das sei mit der Polizei so vereinbart, sagte Sprecherin Simone Lah-Schnier am späten Dienstagnachmittag.

So sieht der Vermisste aus

Der Vermisste wird wie folgt beschrieben: 1,75 Meter groß und schlank mit einem kleinen Bauch, graue Haare und Stirnglatze sowie grauer Bart. Wie der 73-Jährige bekleidet ist, ist nicht bekannt.

Moderate Absenkung am Sielwehr und Stauung in Löhne

»Der Höhenunterschied zwischen vor und hinter dem Wehr beträgt knapp drei Meter«, sagte Dirk Henschel, Leiter Eigenbetrieb Staatsbad Bad Oeynhausen. Rein rechnerisch dauere es somit etwa 30 Stunden, bis die Werre dort trocken liegt. Allerdings muss jeweils nach einer Stunde für einige Minuten eine Pause gemacht werden, damit einerseits die Fische auf die Veränderung reagieren können und andererseits nicht zu viel aufgewirbelt wird. »Auch bei Ausnutzung der technischen Möglichkeiten hätten wird das nicht schneller hinbekommen. Die Anlage braucht eine gewisse Zeit.« Die Stauwärter hatten demnach mit der Absenkung am Dienstag gegen 11 Uhr begonnen und sollten bis 22 Uhr absenken. Am Mittwochmorgen um 6 Uhr sollte es dann weitergehen, sodass erst am Donnerstag das Wehr trocken liegen wird. »Das geschieht in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde«, sagte Dirk Henschel.

In Löhne wurde das Wasser der Werre am Dienstag von 13 Uhr an gestaut, wie Steffen Veenaas von der Geschäftsführung des zuständigen Werre-Wasserverbandes sagte. »Allerdings läuft immer etwas Wasser nach, weil wir das Wehr nicht ganz dicht bekommen. Es ist aber auch so konzipiert.«

 

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